Bossa Schoof und Rotenhan vor dem Oberen Schloss: Sabrina und Thomas Veil fiebern dem Fasnetsauftakt entgegen. Foto: Markus Brändli

Am 6. Januar beginnt die schwäbisch-alemannische Fasnet. Dann geht für die Hästräger im Kreis Esslingen die schönste und wildeste Zeit im Jahr los.

Dem 6. Januar fiebern die Hästräger auch im Landkreis Esslingen entgegen. Dann beginnt offiziell die schwäbisch-alemannische Fasnet. Doch bevor die heiße Phase der Umzüge im ganzen Land beginnt, ist das traditionelle Häsabstauben angesagt. Da werden Häs und Holzmaske kontrolliert. Denn nach einer Fasnetssaison hängt mancher Flicken schief. Was das für die Narren bedeutet, erzählen Hästräger aus Neuhausen, Wernau, Berkheim und Deizisau.

 

Für die Familie Veil aus Neuhausen ist „das ganze Jahr Fasnet“. Thomas und Sabrina Veil sind nicht nur in ihren Maskengruppen Rotenhäne und Bossa-Schoof engagiert. Das Ehepaar brennt auch für das Ehrenamt. Thomas Veil ist im Elferrat dabei. Als Vize-Zunftmeisterin organisiert Sabrina Veil viele Events mit. Gemeinsam mit Zunftmeisterin Janina Deeg ist sie auch Ansprechpartnerin für die Maskengruppen.

Was bedeutet das Häsabstauben für die beiden? „Es ist jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis“, findet Sabrina Veil. Die Leiterin der Bossa-Schoof freut sich schon darauf, mit ihrer Maskengruppe den Auftakt der Fasnet zu feiern. Dann beginnen die Umzüge. „Da ist es wichtig, dass alle Häs in gutem Zustand sind.“ Deshalb wird genau geschaut, ob eine Naht lose ist oder ob die Larve (Maske) Macken hat. Mit Fell und Schafglocken treiben die Bossa-Schoof ihre närrischen Spiele.

„Es ist mir ganz besonders wichtig, die junge Generation für die Fasnet zu begeistern. So tragen wir das Brauchtum in die Zukunft.“

Thomas Veil, Hästräger

Rotenhähne in Neuhausen wollen die junge Generation begeistern

Die Rotenhäne sind die älteste Gruppe des Narrenbunds in Neuhausen. Sie wurde 1964 gegründet. Der Name bezieht sich auf das Adelsgeschlecht, das in Neuhausen herrschte. Thomas Veil ist stolz, dabei zu sein. „Die Tradition pflegen“ will der begeisterte Hästräger. Er findet es wichtig, die junge Generation dafür zu begeistern. „Nachwuchssorgen haben wir nicht“, sagt der Familienvater lachend. Seine Tochter Melissa ist Pagin beim Narrenbund, Janina ist Vize-Trainerin der Masken- und Brauchtumsgruppe. Bei den Rotenhänen kümmert er sich um einen der jungen Hästräger, „damit die Integration in die Gruppe klappt.“

Neben seinen vielen Arbeitseinsätzen für den Elferrat hat Thomas Veil eine besondere Aufgabe in der Gruppe. Er ist für den Käfig zuständig, in dem die närrischen Rotenhäne während der Fasnet und bei den Umzügen Jung und Alt „gefangen nehmen“.

Familie Mauch aus Wernau lebt die Fasnet. Foto: privat

Fasnetsbegeistert ist die Familie Mauch. „Als wir hier nach Wernau gezogen sind, wussten wir sofort, dass wir bei den Narren mitmachen wollen“, erinnert sich Anja Mauch an die Anfänge. Die lebendige, frische Art, wie die Narren das Brauchtum pflegen, hat der ganzen Familie gefallen. Vater Andreas läuft bei der Maskengruppe Geesgassdeifl mit und hat den zehnjährigen Sohn Nico dabei; Mutter Anja ist gemeinsam mit Tochter Ronja eine Laichleshex. „Die Umzüge sind klasse, das macht richtig Spaß“, findet Nico. Einige seiner Schulkameraden trifft er bei den Narren wieder.

Wichtig findet es die Familie Mauch, die Wernauer Narren bei den vielen Aktivitäten zu unterstützen. „So einen Umzug kann man nur mit engagierten Helfern stemmen“, weiß Andreas Mauch. Deshalb helfen er und seine Familie tatkräftig mit. Am 6. Januar werden traditionell im Vereinshaus Löwen die Krawatten für den Umzug gefaltet. Die werden verkauft, um die hohen Kosten für den Fasnetsumzug zu decken.

Jeder Flecken muss bei den Geesgassdeifl richtig sitzen

Ein Höhepunkt ist für die Familie aber auch das traditionelle Häsabstauben. „Da wird genau kontrolliert, ob jeder Flicken richtig sitzt“, sagt Andreas Mauch. Deshalb legen er und seine Frau viel Wert darauf, die Häs schon zwischen den Jahren ganz genau zu kontrollieren. „Ohne den begehrten Laufbändel darf man zu keinem Umzug mit“, sagt Anja Mauch. Dass die Wernauer das Brauchtum pflegen, findet sie gut. Doch die Kontrolle habe vor allem praktische Gründe. Bei den Umzug müssen die Narren beweglich sein, da darf nichts reißen. Wichtig ist bei den teuflischen Narren die sogenannte Karbatsche, eine Peitsche – damit laufen sie am Fasnetsfreitag durch den Ort. Damit alles klappt und dabei niemand verletzt wird, hält die Maskengruppe Peitschentrainings ab.

NIcola Rogall und Phlipp Schulz sind begeisterte Hästräger. Foto: Roberto Bulgrin

Mit ihren kleinen Glöckchen sind die Flegga-Kaschber aus Berkheim weithin zu hören. Ihr kunterbuntes Häs besteht aus vielen Flicken. Nicola Rogall und Philipp Schulz sind beide begeisterte Hästräger. „Wir haben uns bei der Fasnet kennengelernt“, erzählt das Paar. Sich für das närrische Brauchtum zu engagieren, das macht den beiden einfach Spaß. Deshalb fiebern sie dem Häsabstauben am 6. Januar jedes Jahr entgegen „wie am ersten Tag“.

Berkheimer Narren mit besonderem Narrentrank

Nicola Rogall kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Narrenzunft. Philipp Schulz hat als Stübleswirt eine Schlüsselrolle. Er sorgt im Kaschberstüble in der Kosumstraße nicht nur dafür, dass keiner der Narren durstig nach Hause geht. Für die Narrentaufen mixt der engagierte Berkheimer jedes Jahr „einen besonderen Narrentrank“. Seine Vorgänger hätten da früher schon mal Sauerkrautsaft oder sonstige Dinge ins Glas gemischt, die dafür gesorgt hätten, „dass es den frisch getauften Narren nicht ganz so gut ging.“ Heute ist der Stübleswirt da gnädiger. Jede der fünf Zünfte in Berkheim hat ihre eigenen Aufnahmerituale.

Schön finden es die zwei Flegga-Kaschber, dass die Berkheimer Narren so viele gemeinsame Veranstaltungen auf den Weg bringen. „Zwar wechseln die Veranstalter, aber wir helfen uns gegenseitig.“ Alle zwei Jahre stellen die Kaschber den Nachtumzug, zu dem Gruppen aus dem ganzen Land anreisen. Nach der Narrentaufe am 6. Januar kommen alle Gruppen um 18 Uhr zum Kaschber-Brunnen, um gemeinsam den Auftakt der Fasnet zu feiern.

Narren in Deizisau pflegen Tradition

Seit 1988 gibt es die Deizisauer Narren. „Wir wollten die Fasnetstradition auch hier pflegen“, erinnert der heutige Narrenchef Roland Widmann an die Anfänge. Mit der Narrenfigur Schlegler fing die Gruppe an. Wie kamen sie auf diese Figur? „Wir haben in der württembergischen Geschichte gestöbert“, sagt Widmann. „Das Ziel des Bundes der Schlegler war es, die Rechte des Niederadels gegen die aufkommende Vormacht der benachbarten Grafenhäuser zu wahren.“ Das Häs und die wirre, wilde Maske erinnern an Räuberbanden. Bei den Umzügen sei es ganz schön schwer, Häs und Maske zu tragen, sagt Widmann. Deshalb kam die zweite Figur, die Schindmähre, hinzu. Sie geht zurück auf eine reale Person namens Margaretha, die als Hexe verfolgt wurde. Sie wurde freigesprochen, wollte dann aber nicht zurück nach Deizisau. „Sie floh in die Wälder, wo auch die Schlegler lebten“, sagt Patrick Spieth, der zweite Vorsitzende. Das Häs der Schindmähre ist leichter und luftiger. „Das spricht uns jüngere Leute an, die lieber Party machen wollen“, sagt Spieth. Den Auftakt der Fasnet feiern die Deizisauer intern mit dem Häsabstauben in ihrem Domizil in der Olgastraße. Schon jetzt bereitet die kleine Gruppe ihr Fasnets-Opening in der Gemeindehalle und den Umzug am 8. Februar vor. 

Der Rotenhan ist die erste Figur des Narrenbunds Neuhausen. Foto: Markus Brändli