Wikinger-Spiele in Grafenau: Bürgermeister Martin Thüringer (links) setzt zum „Speerwurf“ an. Foto:  

Wahrhaft stürmisch gerät an diesem Schmotzige Dorschdich der Rathaussturm in Aidlingen. In Grafenau veranstalten die Narren Wikingerspiele. Ihren Spaß hatten alle.

Wenn die Aidlinger Narren das Rathaus stürmen, stößt das im Ort mitunter nicht unbedingt auf großes Publikumsinteresse. Für die Organisatoren, die das Ereignis mit Pommesstand und Getränkeverkauf zu einem Fest für alle Fasnets-Fans machen wollen, ist das mitunter ein wenig enttäuschend. Deshalb bewerben die Zunftgruppen die närrische Machtübernahme durchaus prominent über diverse Medienkanäle – mittlerweile auch mit einigem Erfolg, wie der letztjährige Rathaussturm zeigte.

 

Dass die Besucherschar in diesem Jahr dafür wieder sehr überschaubar ist, liegt wohl eher an dem unfreundlichen Wetter. Als die Kirchturmuhr am Nachmittag in Aidlingen drei Uhr schlägt, sind Aidbachhexen, Stoadeifel, Stoabäuch und Deufringer Berghexen deshalb auf dem Martin-Häge-Platz vor dem Rathaus weitgehend unter sich. Das Wetter macht ihnen einen Strich durch die Rechnung, und der Rathaussturm gerät im wahrsten Wortsinne stürmisch.

Aidlingens Bürgermeisterin Helena Österle rückt den Rathausschlüssel raus. In Grafenau schwingt Wikinger-Häuptling Martin Thüringer die Axt Foto: Langner

Rathaussturm in Aidlingen – Gut gelaunte Bürgermeisterin Helena Österle

Dafür ist aber die Hauptperson dieser närrischen Machtübernahme wieder mit von der Partie. Obwohl sie eigentlich in dieser Woche an einer beruflichen Fortbildung am Bodensee teilnimmt, hat sich Bürgermeisterin Helena Österle es nicht nehmen lassen, auch in diesem Jahr wieder den Schlüssel höchstpersönlich an die Aidlingen Narren zu übergeben.

Als sie mit einiger Verzögerung aus ihrem Amtssitz vertrieben wird, lässt sie sich – gemeinsam mit ihrer Rathausmannschaft – wie schon im Vorjahr gut gelaunt auf die närrischen Spiele ein. Dabei zeigt sie unter anderem bei einem Schnelltipp-Wettbewerb (den Österle auf der Schreibmaschine souverän gewinnt) und beim Sackhüpfen, dass sie für einen kleinen Spaß gerne zu haben ist.

Schreibmaschine gegen Handy: Bürgermeisterin Österle im Tipp-Wettkampf gegen Dustin Gorse. Foto: Langner

Rathaussturm in Grafenau: Narren haben Glück mit dem Wetter

Einen Ort weiter, in Grafenau, haben die Kreuzblitz-Hexen und die Schloss-Teufel bei ihrem Rathaussturm etwas mehr Glück mit dem Wetter. Als dort Bürgermeister Martin Thüringer mehr oder minder freiwillig aus seinem Döffinger Amtszimmer geholt wird, zeigt sich sogar ein wenig Blau am regengrauen Himmel.

Wer zeichnet das schönste Narrenheim? Helena Österle tritt gegen ein Mitglied der Aidlinger Aidbachhexen an. Foto: Langner

Wie üblich steht der Rathaussturm wieder unter einem Motto. Diesmal sind in Grafenau Wikingerspiele angesagt. Zahlreiche Rathausmitarbeitende machen mit und haben sich entsprechend mit Hörnerhelm und Zopfperücke verkleidet. „Wikinger-Häuptling“ Thüringer sieht mit seiner roten Perücke aus wie ein nicht mehr ganz so junger Wickie aus der Zeichentrickserie.

In Grafenau funktioniert die Publikumsanwerbung besser

Unter Anleitung von Hexenmeister Marcel Ruck unterzieht sich Thüringer einer Reihe von Prüfungen wie etwa dem „Speerwurf“ (mit Dartpfeilen) und dem Holzspalten mit der Axt. Moderator Ramon Steffens führt mit einer Stimme, die nach einer stimmbandzehrenden Fasnetssaison klingt, humorvoll durchs Programm.

Was auffällt: Anders als in Aidlingen ist hier in Döffingen – wie auch schon in den Jahren zuvor – deutlich mehr Publikum beim Rathaussturm dabei und feiert fröhlich mit. Wie machen die Grafenauer Narren das? „Ich denke, dafür gibt es einen guten Grund“, sagt Felix Keck, der Vorsitzende der Kreuzblitzhexen, „wir gehen am Schmotzige Dorschdich in Schulklassen und Kindergärten.“ Das zahlt sich offenbar aus, weil nämlich nicht nur die Kinder das Spektakel anschauen, sondern ihre Eltern und Großeltern gleich dazu mitbringen.