Ein Clown beim Faschingsumzug in Stuttgart 2018. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Narretei ist eine Wissenschaft für sich – nicht nur in Stuttgart. Es gibt viele Begriffe, die nicht immer auf Anhieb zu verstehen sind. Ein wenig Nachhilfe kann da nicht schaden.

Stuttgart - Die fünfte Jahreszeit strebt auch in der Region Stuttgart unaufhaltsam ihrem Höhepunkt entgegen. Doch was ist eigentlich die Prinzengarde ? Und was macht eigentlich der Narr mit seiner Larve? Wir erklären es.

A wie Abstauben:
Die Fastnacht beginnt bei vielen Narren mit dem Abstauben des Kostüms oder dem Häs. Ordnung muss sein.

B wie Brunnengeist:
Wird am 6. Januar aus den Tiefen der Mineralquellen in Cannstatt aus dem Jakobsbrunnen geholt und betört mit einer im barocken Stil geschnitzten Holzmaske. Ihm droht ein übles Schicksal: Er wird am Fasnetsdienstag nach einer wilden Treibjagd wieder versenkt.

C wie Clown:
Die Gruppe um August und Augustine moderiert den Kinderfasching bei den Schwarzen Husaren im Stadtbezirk Vaihingen und sorgen für gute Laune bei den Umzügen.

D wie Dä Zoch kütt:
Das heißt nicht Vorsicht an der Bahnsteigkante, eher Vorsicht vor umhergeworfener Kamelle beim alljährlicher Rosenmontagsumzug.

E wie Ernst Neger:
Der singende Dachdeckermeister war eine der ganz großen Persönlichkeiten der Mainzer Fastnacht. Am 15. Januar wäre er 110 Jahre alt geworden. Selbst die, die ihn nicht mehr erlebt haben, kennen ihn – und natürlich seine Lieder wie „Rucki Zucki“, „Heile Heile Gänsje“ oder „Humba Täterä“.

F wie Fleinsbachbiber:
Sind in Neuhausen auf den Fildern daheim. Gehen auf Biberzucht zurück, die einst in der heutigen Schurwaldstraße zuhause war. Zur Fasnet kehren sie seit 1986 aus dem Fleinsbach zurück.

G wie Gutsle:
In Papier verpackte Bonbons, welche in die Menge geworfen werden. Werden im Volksmund zu Recht als Plombenzieher bezeichnet.

H wie Hutzelmännlein:
Maskengruppe der Zigeunerinsel, mit der Stadt als Patin. Erinnert an liebenswürdigen Kobold, mit langem Bart, Filz-Spitzkappe und abgewetzter Lederschürze. Leidet nie Hunger, da immer Weidenhenkelkorb mit Hutzelbrot dabei.

I wie Insignien:
Damit hat das Kölner Dreigestirn die Macht über das Narrenvolk. Der Prinz bekommt eine Pritsche, der Bauer die Schlüssel zur Stadt und die Jungfrau bekommt einen Spiegel. In Stuttgart haben acht Karnevalsvereine närrische Regenten.

J wie Jahreszeit, die fünfte:
Anderer Ausdruck für Fastnacht mit lauter blumigen Tagen. Nelkensamstag, Tulpensonntag, Rosenmontag und Veilchendienstag werden die närrischen Tage auch genannt. Doch auch die schönste Zeit endet – für die Narren am Aschermittwoch.

K wie Karbatsche:
Diese 4,50 Meter lange Hanfpeitsche wird vom Hänsele, der Symbolfigur der KG Grün-Weiß Stuttgart, geknallt und ist eine Figur aus der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Ursprünglich haben Viehhirten in Osteuropa ihre Tiere damit zusammengehalten.

L wie Larve:
Auch Maske genannt. Kennt kein Mienenspiel, birgt ein Geheimnis. Das macht die Nichtmaskierten vor ihr unsicher. Hinter der grauslichen Hexe kann ein nettes Mädel stecken.

M wie Morgestraich:
Mit ihm wird die Basler Fastnacht eingeleitet und er sorgt für Gänsehautfeeling.

N wie Narrenmasken:
Gut, wer da einen tollen Maskenschnitzer kennt.

O wie Obacha oder Oagnehm:
So heißen zum einen D’ Hoamerdenger Narra vom TSV Heimerdingen und die Guggenmusigg aus Rechberghausen.

P wie Prinzengarde:
Besteht auch bei der ältesten Stuttgarter Karnevalsgesellschaft Möbelwagen derzeit nur aus Mädchen, die in schönen Uniformen der Traditionsfarbe Lila jede Prunksitzung und jeden Umzug bereichern. Verstärkungen sind jederzeit erwünscht – auch Jungs.

Q wie Quellentröpfle:
Sind die jungen Wilden der Quellenweiber in Cannstatt mit eigenem Narrenruf: drei Mal Quellen-Tröpfchen. Mutieren über zwölf Jahre zu Quellenweibern.

R wie Rosenprinzessin:
Seit 1973 leistet sich die Karnevalsgesellschaft Rosenmontag eine Rosenprinzessin, die zwei Jahre amtiert.

S wie Schindluder:
Die Maskengruppe „Schindluder“ ist der historischen Figur der Schlampe aus den frühesten Zeiten der Neuhausener Straßenfasnet nachempfunden.

T wie Tusch:
Zeigt den Teilnehmern einer Karnevalssitzung an, wann sie lachen müssen.

U wie Unfug:
Quasi das karnevalistische Grundprinzip.

V wie Verweigerer:
Gegner des organisierten Frohsinns, der sich spätestens an Weiberfastnacht an die Nordsee oder ins örtliche Möbelzentrum verzieht.

W wie Weiberfastnacht:
Zu Beginn des Straßenkarnevals, immer donnerstags, übernehmen Frauen die Macht und schneiden Krawatten ab.

X wie Xenophobie:
Also Fremdenfeindlichkeit, hat hier keinen Platz. Nicht nur im Karneval.

Y wie Yoga:
Kann helfen, die am Aschermittwoch beginnende Fastenzeit spielend zu überwinden.

Z wie Zumsel:
Ist ein selbst gebrannter Fastnachtsschnaps der Ittlinger Käfer. Die Auserwählten bekommen ein Schlückchen vom Allerheiligsten der 13 Zumselweiber, ein edles Tröpfchen aus Kräutern und dem gewissen Etwas. Soll auch ein Zaubertrank sein, der jeden Virus tötet.

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