Thomas Klingenberg steht am Ende der Konfetti-Verbotszone. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Da wird gelacht: Auch beim nächsten Umzug in der Innenstadt am 5. März bleibt der Weg vor dem Neuen Schloss konfettifrei. Das hatte man 2018 bereits ausprobiert und für gut befunden, was zugleich auch viel Heiterkeit im übrigen Land auslöste.

Stuttgart - Karnevalisten lieben das Lachen und das Ausgelassen-Sein. Und man wünscht ihnen – zumindest während der närrischen Tage – sie mögen dem unbeschwert nachgehen. In Stuttgart ist das nicht ganz so einfach, die Stadt ist nicht gerade eine Kapitale des närrischen Treibens.

Wen wundert es da, dass das Land dem Faschingsumzug durch die Innenstadt am 13. Februar dieses Jahres ein Konfettiverbot verordnet hat, und das nur wenige Tage vor dem Start? Thomas Klingenberg, er ist der erste Vorsitzende der Gesellschaft Möbelwagen und Organisator des närrischen Lindwurms, ist ein Narr mit breiten Schultern. Doch einen Faschingsumzug feiern ohne Konfetti, wie soll das gehen?

Klingenberg ist ruhig geblieben. Er hat das Gespräch mit den Fachleuten vom Land gesucht, die sich das Konfetti-Verbot ausgedacht haben.

Und währenddessen hat dieses Verbot doch noch für viel Gelächter und Frohsinn gesorgt, wenn auch weniger in Stuttgart.

Außerhalb von Stuttgart wurde viel gelacht

„Undenkbar“, „Damit könnten wir nie kommen“, „An so etwas hatten wir noch nie gedacht“ lauteten im Februar die Reaktionen von Mitarbeitern in den Rathäusern der Fasnetshochburgen Freiburg, Basel und Schramberg auf die Anfrage, ob in diesen Städten ebenfalls ein Konfetti-Verbot diskutiert werde. Namentlich genannt werden wollten nicht alle mit ihrer Meinung dazu, gar zu abseitig war für sie das Ansinnen, mit solchen Vorgaben das närrische Geschehen in ihren Kommunen regulieren zu wollen.

Und so wird in anderen Städten mit Konfetti-Verunreinigungen umgegangen: „Wir sind halt immer obligatorisch als letzter Teil des Faschingsumzugs mit dabei, mit unseren Mitarbeitern und unseren Gerätschaften“, so Michael Broglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Freiburg. Allein 50 Mann sind mit 25 Fahrzeugen für die Straßen, Wege und Unterführungen zuständig, insbesondere für die Altstadt mit ihrem überwiegend historischen Pflasterstein-Boden.

Konfetti gehört zu Freiburg

„Der meiste Müll wird von uns sogleich nach dem Umzug entfernt, der Rest spätestens am Tag danach“, so Broglin, „es ist nicht so, dass dies kaum möglich ist wegen der Pflastersteine.“ Freilich: Mühsam sei das schon. Aber: „Ein Konfetti-Verbot kann ich mir in Freiburg nicht wirklich vorstellen. Konfetti gehört dazu“, sagt Broglin.

Die Pflastersteine waren ja auch in Stuttgart der Stein des Anstoßes, besonders die vor dem Neuen Schloss. Denn laut der Landesabteilung Vermögen und Bau, die hier zuständig ist, handelt es sich um historische Pflastersteine. Konfetti könne darauf unerwünschte Spuren hinterlassen. Und da nach vielen Jahren der Umzug seinen Weg wieder am Neuen Schloss vorbei nahm, wurde dieses Verbot ausgesprochen. Für Lacherfolge sorgte dieses Verbot auch in Basel.

Da dauert es ja bekanntlich immer etwas länger, bis die Narren in Fahrt kommen. Da hätten sie etwas lernen können von den Problemen, die so ein Konfetti-Regen mit sich bringt. Doch André Frauchiger, Sprecher des Verkehrsdepartements von Basel-Stadt, hatte eine entschieden andere Meinung: „Die Basler Fasnacht ist immaterielles Weltkulturerbe der Unesco. Sie gehört zum Freiheitsverständnis eines jeden Bürgers dieser Stadt.“ Und Konfetti muss sein. „Das Säubern der Stadt gehört natürlich auch dazu. Und das ist Sache der öffentlichen Hand“, so Frauchiger. Etwa 420 Tonnen Abfall seien 2017 in der kompletten Fasnacht zusammengekommen. „Da sind einige Hundert Leute im Einsatz. das dauert auch einige Wochen, bis alles weg ist. Aber das wird in Basel nicht infrage gestellt“, so Frauchiger.

Weltkulturerbe in Basel

Ähnliches war auch aus Schramberg zu hören: „Nach dem Umzug kommen gleich die Kehrmaschinen“, so die Stadtsprecherin Susanne Gorgs-Mager. Das heißt aber nicht, dass die Narretei überall ungezügelt stattfinden darf: „Ein großes Problem ist das Stroh, das die Hexen verteilen“. Da ist offensichtlich noch nicht alles ausdiskutiert. Auch in Freiburg gibt es Einschränkungen: „Vor ein paar Jahren wurde es Sitte, dass auch Daunenfedern geworfen wurden“, so Broglin, „das musste unterbunden werden. Aber daran halten sich jetzt auch alle.“

Prinzenpaar darf ins Rathaus

In Stuttgart haben sich die Narren letztlich an die Verbotszone gehalten. Auch wenn sich mancher Schnipsel doch auf dem historischen Pflaster verirrt hat – das Land war zufrieden mit dem Verlauf der Dinge. Deshalb gibt es auch 2019 wieder einen Faschingsumzug durch die Stuttgarter Innenstadt am 5. März, wieder am Neuen Schloss vorbei, wieder mit Konfetti-Verbotszone.

Neue Sorge bereitete Klingenberg dieser Tage, dass die für den 6. Januar um 11.11 Uhr im Rathaus geplante Inthronisierung des Prinzenpaars auf der Kippe stand, auch so eine Traditionsveranstaltung der Karnevalisten. Doch das ist nun auch geklärt, die Feier kann wie geplant über die Bühne gehen.

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