Die Guggenmusiker sorgen für ausgelassene Stimmung. Foto: Gottfried Stoppel

Tausende Narren ließen sich in Waiblingen weder von Regen noch von Kälte die Stimmung verderben und feierten ausgelassen – Impressionen gibt es im Video und in der Bildergalerie.

Sophia Alekidou leuchtet mit ihrem Kostüm das Regengrau einfach weg. Als schillerndes Axolotl verkleidet hüpft sie durch die Straßen und Pfützen von Waiblingen. Die 30-Jährige aus Kleinbottwar gehört zur „Axolotl-Bande“. Jedes Wochenende ist die Gruppe auf Faschingstour – mit wummernder Beatbox und Bollerwagen. „Hier in Waiblingen ist die Stimmung immer freundlich und sozial“, sagt sie.

 

Regentropfen fallen unablässig vom Himmel, die Kälte kriecht in Finger und Füße. Doch die Narren lassen sich den Spaß nicht verderben. „Fasching findet in der kalten Jahreszeit statt – wir ziehen uns einfach warm an“, sagt Rainer Niclaus, Pressesprecher der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft (1. WFG). Gemeinsam mit der Karnevalsgesellschaft „Die Salathengste“ hat der Verein 76 Gruppen mit mehr als 2000 Teilnehmern für den Umzug gewonnen.

Ganz schön frech treten die Narren in Waiblingen auf. Foto: Gottfried Stoppel

Die längste Anreise haben die Breisgauer Castrum Hexen: 220 Kilometer. Dreieinhalb Stunden dauert die Fahrt mit der Bahn von Freiburg nach Waiblingen. Und es ist nicht ihr erster Besuch. „Die Stimmung in Waiblingen ist immer super“, sagt Peter Mutz. „Hier macht das Publikum unsere Späße mit, in Freiburg nicht.“ Und was ist so ein Spaß? „Wir erschrecken sie als Hexen“, sagt er und tippt auf seine Holzmaske, auf der eine Riesenwarze über dem Mund prangt.

Der schillernde Lindwurm zieht durch die Straßen von Waiblingen

„Sie kommen!“, schreit ein Junge aufgeregt, als er den bunten Lindwurm im Waldmühlenweg entdeckt. Hexen, Trolle, Teufel, Vampire, Gardemädchen – ein vielstimmiger Tross schiebt sich durch die Innenstadt. Trommeln dröhnen, Konfetti klebt auf nassem Asphalt. Vom Stadtgraben über die Fronackerstraße bis zum Rathaus zieht sich der Zug durch Waiblingen. Immer wieder hallen Narrenrufe durch die Gassen. „Ha-Tschi, Ha-Tschi, Ha-Tschi“, rufen die Weingeister vom Fellbacher Carneval Club.

Bei gutem Wetter zieht der Faschingsumzug 7000 bis 10.000 Zuschauer an. An diesem verregneten Samstag sind es etwas weniger. Doch echte Faschingsfans lassen sich von Regen und Kälte nicht abschrecken. Sie jubeln dem bunten Tross zu, klatschen im Takt der Guggenmusik mit und lachen, wenn eine ordentliche Portion Konfetti ins Gesicht fliegt.

„Wir machen hier die beste Laune – definitiv. Wir lassen uns den Umzug nicht vom schlechten Wetter versauen.“

Sophia Alekidou, Zuschauerin aus Kleinbottwar

Am Straßenrand wippt auch Irmi Lenz im Takt der Musik mit. Sie hat sich als ZZ Top-Lady verkleidet, trägt schwarzen Hut und Sonnenbrille. „Ich liebe Guggenmusik“, sagt die Seniorin aus Korb. Jahrelang hat sie selbst bei den Woiblenger Ohrawusler mitgespielt, einer Guggenmusik-Gruppe der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft. „Wir sind überall hingefahren – nach Mainz, Wiesbaden, Basel“, erzählt sie begeistert. Fasching liegt der Familie im Blut. Freudig winkt Irmi Lenz ihrer Enkeltochter zu, die zur Tanzgarde der 1. WFG gehört und natürlich beim Umzug dabei ist.

Ein bisschen Schabernack darf nicht fehlen. Immer wieder mopsen die Narren Schuhbändel oder Haargummis der Zuschauer – als Schmuck für ihre Hexenbesen. Das sorgt für viele Lacher. Nur manch kleiner Besucher versteckt sich schnell hinter dem Rücken von Mama oder Papa, wenn die Gruselgestalten mit ihren großen Hörnern näherkommen.

Sophia Alekidou und ihre Axolotl-Bande feiern ausgelassen

Trotz Regen und Kälte lassen sich die Narren nicht bremsen. Trommeln hallen durch die Gassen, bunte Kostüme leuchten zwischen grauen Häuserfronten, und Konfetti klebt an nassen Mänteln. Wer zuschaut, spürt die Energie und Freude, die von den Teilnehmern ausgeht. Sophia Alekidou und ihre Axolotl-Bande feiern ausgelassen. „Wir machen hier die beste Laune – definitiv. Wir lassen uns den Umzug nicht vom schlechten Wetter versauen.“