2200 Hästräger ziehen beim Ehninger Faschingsumzug bunt und fröhlich durch den Ortskern. Die Polizei riegelt die Straßen ab.
In Ehningen ist der Fasching immer ein bisschen anders als in den meisten anderen Orten Baden-Württembergs: Dort lädt keine Zunft ein zum langen Marsch durch die Straßen, dort ist es ein Karnevalsverein mit Funkengarde. Der erste Vorsitzende des Vereins trägt einen himmelblauen Frack und eine Kappe, ist ein Elferrat, gerade so, als läge Ehningen am Rhein.
Joachim „Joe“ Bühler heißt er und moderiert die Gruppen an, die am Sonntagnachmittag durch Ehningens Mitte ziehen. Er lebt den Fasching mit Leib und Seele – und wird nicht verschont, denn schließlich rollt die Freie Narrenzunft Deckenpfronns an und der Ehninger Zeremonienmeister wird geschnappt und gründlich eingeseift. Da steht er, Konfetti rieselt aus seinem Hut, Konfetti rieselt aus seinen Haaren. „Nein! Nein! Nein!“ – die Schreie des Karnevalsvorsitzenden gellen über die Straße. „Aber des ghört halt dazu. Des Problem isch bloss, dass des juckt!“
Bühler darf verschnaufen
Herbert Däuble, früherer Zunftmeister der Deckenpfronner Narren, übernimmt nun das Mikrofon. Die Ehninger und die Deckenpfronner Narren sind sehr gute Freunde, besuchen sich häufig gegenseitig. Auch Joe Bühlers Tochter Tamara Bühler moderiert nun mit, sodass ihr Vater ein wenig verschnaufen kann und Zeit hat, das Konfetti abzuschütteln. „Wir machen das alles in Eigenregie“, erzählt Bühler. Zwar unterstützt die Gemeinde Ehningen den Verein, die Arbeit liegt jedoch ganz in den Händen der Narren. Allein der Aufbau des großen Festzeltes bei der Ehninger Turn- und Festhalle dauert gut viereinhalb Stunden.
Der 1. Ehninger Karnevalsverein gründete sich 2005 und entstand aus einer Gardetanzgruppe für Kinder heraus. Heute besitzt er insgesamt 105 Mitglieder, 58 von ihnen sind aktiv, es ist ihr 18. Umzug. Die Ehninger Narren ziehen selbst als Hörnles Kelte, Eisweiher Hexen, Funkengarde und Juniorengarde durch die Straßen. „Ehningen – Was sonst!“ – das ist ihr Schlachtruf. Mit ihnen marschieren 97 Gruppen. Eigentlich sollten es nur 80 sein. „Früher hatten wir mehr, bis zu 115 Gruppen“, erzählt Joe Bühler, „aber wir haben gemerkt, dass das zu viele waren.“ Einige gut befreundete Zünfte meldeten sich jedoch erst spät an, sodass die geplante Zahl dann doch überschritten wurde.
13.000 Besucher an der Strecke
Rund 2200 Hästräger sind am Sonntag in Ehningen unterwegs. Die Zahl der Besucher, schätzt Bühler, dürfte jener des Vorjahres ähneln und bei rund 13 000 Menschen liegen. Eines jedoch ist anders, dieses Mal, beim Faschingsumzug in Ehningen: Zum ersten Mal fährt ein Polizeiwagen dem Umzug voraus, lässt, nur zum Spaß, auch einmal die Sirene hören. Sämtliche Straßen, die zur Strecke des Umzugs führen, wurden abgeriegelt – Vorsichtsmaßnahmen, aus gegebenem Anlass.
Der Zug beginnt in der Siegfriedstraße, läuft über Bismarckstraße, Königstraße und Schlossstraße hin zum Zelt an der Turn- und Festhalle. Er soll gegen 16.30 Uhr dort enden. Immer wieder gerne gesehen sind die Narren der „Société Carnavalesque Einhorn Saverne“, die Gruppe, die aus Saverne im Elsass kommt. Dort beginnt der Fasching, wenn er in Deutschland endet, weshalb die Ehninger Narren kaum ein Jahr ohne einen Gegenbesuch vergehen lassen. Der Tiefenbronner Carnevalverein ist ebenfalls nicht zum ersten Mal dabei und immer eine Sensation, kommt er doch mit rund 140 aktiven Mitgliedern und neun unterschiedlichen Gruppen.
Ein Wagen mit einem Überraschungsgast
Allein in Ehningen gibt es fünf Narrenzünfte. Sie kommen gut miteinander aus, versichert Petra Sams-Reinhardt von den Würmdal-Deifeln. Anja Lanz ist Erzieherin im Ehninger Waldkindergarten, aus dem die Eulen-Fetzer kommen, die mit bunten, zotteligen Haaren in Gewändern aus Jute umherziehen. „Wir wachen Tag und Nacht über den Wald“, verrät sie – und mindestens 50 Kinder sind mit dabei.
Saurier und Riesenstofftiere, Menschen in buntgescheckten Anzügen – das Publikum, das die Straßen säumt, ist so bunt wie die närrische Kolonne, die mit Traktor, Trabbi, grünem, rotem Qualm, Pyramiden und Peitschenhieben langsam und laut durch Ehningen rollt. Und droben aus dem Narrenwagen schaut nicht nur der eigene Bürgermeister Lukas Rosengrün hervor, sondern, als Überraschungsgast, auch Schönaichs Bürgermeisterin Anna Walther. Der Wagen zieht weiter, die Garde tanzt vorbei, grelle Gestalten schleichen sich an, die Ehninger Edafetzer, bekannt, berüchtigt, biegen um die Ecke, die Ohren klingeln, der Spaß hat erst begonnen.