Die Stadt Fellbach steht unter Spardruck – und beim Rathaussturm am Schmutzigen Donnerstag bleiben die Narren diesmal draußen. Wir haben das Spektakel begleitet – und zeigen die Bilder.
Laut und bunt, trotz einiger Abstriche beim Programm – so könnte man den Rathaussturm in Fellbach zusammenfassen. Der Fellbacher Carneval Club (FCC), die Erste Narrenzunft Fellbach und ihre Mitstreiter zogen am Donnerstag Punkt 12 Uhr mit Pauken, Trompeten und Geböller in den Rathausinnenhof ein.
Bisher gehörte zur närrischen Tradition am „Schmotziga Donnerschdag“ auch, dass die Narren tatsächlich ins Rathaus stürmen und dort vom entmachteten Rathausteam mit Brezeln, Wein, Saft und dergleichen versorgt werden. Doch die Stadt will beziehungsweise muss sparen und die Narren mussten draußen und – größtenteils – unversorgt bleiben.
Stattdessen stürmten Weingeister, Weida-Wölf, Elferrat, die Stadtkapelle, die Gardemädels und das Prinzenpaar Oberbacchus Marc I. und Keltermäusle Franciska I. nebst Gefolge eben den Rathausinnenhof. Dabei gaben sie sich alle Mühe, sich von Sparmaßnahmen und Regen nicht die Stimmung vermiesen zu lassen. Etwa der FCC-Sprecher Marthin Thaler, der im Kostüm eines Fellbacher Weingeists an der Konfettikanone stand: „Ein bisschen Schmutz muss heute doch sein“, meinte er und ließ bunte Schnipsel regnen.
Tatsächlich machten Fastnachter und das Rathausteam das Beste aus der Situation: Die Tanzgarden zeigten ihr Können, und der Fellbacher Hauptamtsleiter Markus Sturm und die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys stellten sich den Narren nicht als arme Kirchenmäuse, sondern als arme Rathausmäuse entgegen. Wobei Letztere sich irgendwann ihres voluminösen Kostüms entledigte und (dank darunter getragenem Zweitoutfit mit Tutu) als Partymaus das Tanzbein schwang. Und zumindest für die Gardemädchen gab es am Ende doch noch Süßigkeiten.
„Im Rathaus bleibt’s warm bei Tag und Nacht“
Die finanzielle Situation der Stadt Fellbach war auch Thema in den Reden von FCC-Präsidentin Sandra Fasolt und Wolfgang Poft von den Weida-Wölf. „Im Rathaus jedoch, wer hätt’s gedacht, da bleibt’s schön warm bei Tag und Nacht“, reimte Wolfgang Poft in Anspielung auf die Sparmaßnahmen der Stadt beim Heizen von Sporthallen und Co.
Ob die Stadtverwaltung bei den Finanzvorschlägen der Narren zugehört hat und ein gebührenpflichtiger Treppenlauf im Schwabenlandtower oder ein Fellbach-Zoll tatsächlich kommen, wird die Zukunft zeigen.