Das bunte Treiben startet am Donnerstag so richtig – wie hier in Konstanz. Foto: dpa

Im Südwesten sind die Narren los. Seit dem Morgen feiern sie mit Ratschen und Glocken. Während es tagsüber ausgelassen zugeht, tagt am Abend traditionell das Stockacher Narrengericht.

Konstanz - Schulen werden befreit, Rathäuser gestürmt und so mancher Bürgermeister muss vorübergehend abdanken: Der Südwesten ist für die nächsten Tage in Narrenhand. Bis Aschermittwoch wollen die Zünfte im Land noch kräftig feiern. In vielen Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht startete am Donnerstag mit dem „Schmotzigen Dunschtig“ die besonders heiße Phase der fünften Jahreszeit. So ging es beispielsweise in Konstanz schon früh los: Ab 6.00 Uhr zogen die „Blätzlebuebe“ mit Fanfarenzug und lauten „Ho Narro“-Rufen durch einen Teil der Altstadt.

Vielerorts folgt an diesem Tag die Befreiung von Schülern aus dem Unterricht, zudem wird so manches Rathaus gestürmt. In Meersburg am Bodensee entmachtete die Narrenzunft „Schnabelgiere“ unter großem Jubel zahlreicher „Mäschgerle“ den Bürgermeister Robert Scherer - die Rathausverwaltung ließ einen riesigen symbolischen Schlüssel aus dem Fenster hinab und dankte kurzerhand bis Aschermittwoch ab. „Sie haben die Macht aber schnell aus der Hand gegeben“, sagte eine Zuschauerin. „Ich hätte gedacht, dass sie mehr Widerstand leisten.“

In Stockach am Bodensee wird es am Abend des „Schmotzigen“ dagegen ernst: Dort tagt traditionell das Narrengericht, vor dem sich in diesem Jahr Baden-Württembergs Innenminister und CDU-Bundesvize Thomas Strobl verantworten muss. Als Zeuge ist der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann geladen. Die mehr als 600 Jahre alte Institution des Stockacher Narrengerichts gehört zu den Höhepunkten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Auf der Anklagebank saßen unter anderem bereits Franz Josef Strauß, Hans-Dietrich Genscher und Angela Merkel.

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Für die Polizei im Südwesten bedeuten die zahlreichen Umzüge und Feste während der heißen Phase der Fastnacht immer auch eine große Herausforderung. Teils sind Videokameras zur Überwachung im Einsatz. Auch Verkehrskontrollen zur Fastnacht hatte die Polizei angekündigt. Ein besonderer Schwerpunkt der Beamten ist in diesem Jahr das Thema Jugendschutz. Ziel sei es, Alkoholmissbrauch zu verhindern und Jugendliche zu schützen, teilte das Polizeipräsidium Tuttlingen kürzlich mit. Das Wecken am Donnerstagmorgen sei aber friedlich und unfallfrei gelaufen, hieß es bei den Beamten.

Mit einem launigen Video zur Fastnacht warnte zudem die Polizei in Mannheim vor den negativen Folgen der tollen Tage. „Betrunkener“ werde als Verkleidung nicht akzeptiert, heißt es unter anderem in dem Film, den die Ordnungshüter am Donnerstag per Twitter verbreiteten. „Wenn Ihr am nächsten Tag nicht frei habt, gönnt immerhin Eurem Auto einen freien Tag und Euch ein gutes Gewissen“, appellieren die Polizisten in dem Video. Darin warnt die Polizei der nordbadischen Stadt auch mit Nachdruck vor möglichen K.o.-Tropfen in Getränken. Eine Kollegin in Mannheim habe das Video selbst zusammengestellt, sagte ein Polizeisprecher. Die positiven Reaktionen seien erfreulich.

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