Foto: z/Alexandra Kratz

Der Malort an der Fasanenhofschule soll für weitere Gruppen geöffnet werden.

Stuttgart-Möhringen - Der Raum hat sein ganz eigenes Flair. „Man möchte sofort zu Pinsel und Farbe greifen“, sagt Petra Leitenberger. Sie ist Lehrerin an der Fasanenhofschule und Mitglied im Förderverein der Schule. Die Rede ist vom Malort, der vor knapp drei Jahren in einem der Pavillons eingerichtet wurde. Hintergrund war die Initiative „Kunst-Stück – kreative Partnerschaften zwischen Grundschulen, Kindergärten und Kultureinrichtungen“. Die Robert-Bosch-Stiftung hatte für zwei Jahre 15.000 Euro zur Verfügung gestellt. Doch mit dem Ende des vergangenen Schuljahres lief das Projekt aus.

Den Malort gibt es aber auch weiterhin. Und nach wie vor ist es ein Gemeinschaftsprojekt der Schule und der benachbarten Kindertageseinrichtung Fasanenhof. Die Lehrerin Gisela Schmidt und die Erzieherin Tina Claußner haben eine Ausbildung bei Arno Stern persönlich, dem Erfinder des Malorts, in Wien absolviert. Zweimal vier Tage waren sie unterwegs. „Das war wichtig, denn es macht was mit einem“, sagt Schmidt. Denn beim sogenannten Malen nach Arno Stern geht es darum, aus sich heraus zu schaffen. Es wird kein Thema vorgegeben, über die Bilder wird nicht gesprochen, sie werden nicht interpretiert. „Als Lehrerin ist man immer in der Rolle, die Schüler und ihre Werke zu bewerten“, sagt Schmidt. Bei Arno Stern habe sie gelernt, in eine dienende Rolle zu schlüpfen.

Vortrag über Arno Stern

Seit dem Beginn des Schuljahres kommen Gisela Schmidt und Tina Claußner regelmäßig mit den Kindergarten- und Schulkindern in das sogenannte Closlieu, wie Arno Stern selbst den Malort nennt. Das Wort bedeutet „geschlossener Raum“ und ist ein Hinweis auf die geschützte und vertrauensvolle Atmosphäre, in der gearbeitet werden soll. Stern selbst ist es ein Anliegen, dass sein Konzept weiterverbreitet wird. „Seiner Meinung nach sollte es an jeder Schule einen Malort geben“, sagt Gisela Schmidt. In der Landeshauptstadt sei das Closlieu an der Fasanenhofschule ihres Wissens nach bislang das einzige an einer Grundschule.

Und dieses soll künftig für weitere Gruppen geöffnet werden. Darum laden die Fasanenhofschule und ihr Förderverein am Mittwoch zu einem Vortrag über Arno Stern ein. „Wir wollen den Eltern erklären, warum wir das Ausdrucksmalen anbieten. Und wir wollen andere dafür begeistern“, sagt Leitenberger. Denkbar sei beispielsweise, dass künftig auch eine Seniorengruppe ins Closlieu komme.

„Die Schule will die Kinder ganzheitlich fördern“

Für Leitenberger ist der Malort ein wichtiges Projekt. „Die Kinder werden heute mit sehr vielen Eindrücken konfrontiert. Manche schaffen es gar nicht mehr, diese zu verarbeiten“, sagt sie. Hier könne der Malort helfen. „Die Fasanenhofschule will die Kinder ganzheitlich fördern“, sagt Leitenberger und ergänzt: „Dazu gehören auch Dinge, die vom Schulverwaltungsamt nicht bezahlt werden.“ Darum finanziere der Förderverein das Projekt.

Petra Leitenberger selbst hat im Malort aber noch nicht zu Pinsel und Farbe gegriffen. „Ich würde mich dabei verlieren“, sagt sie. Doch vielleicht könne sie sich das mal für die Ferienzeit vornehmen.

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