Heide Gänßle-Ullrich profitiert von ihren Stammkunden. Die Geschäfte auf dem Fasanenhof könnten dennoch besser laufen, sagt die Marktbeschickerin. Foto: Alexandra Kratz

Von den einst zehn Ständen auf dem Wochenmarkt gibt es noch drei. Und bald sind es auf dem Fasanenhof vielleicht nur noch zwei.

Stuttgart-Möhringen - Jeanette Ellwanger kommt gern auf den Fasanenhof. „Es ist ein sympathischer Markt. Wir haben hier viele liebe Kunden, die jede Woche zu uns kommen und uns von Anfang an die Treue halten“, sagt die Obst- und Gemüsehändlerin. Der Umsatz könnte trotzdem besser sein. „Was fehlt sind die Neukunden“, sagt Ellwanger. Für sie lohne sich der Donnerstag aber dennoch. „Ich habe den Vorteil, dass man Obst und Gemüse eigentlich jede Woche braucht“, sagt Ellwanger. Bei anderen Waren sei das anders. „Wer kauft schon jeden Donnerstag Fisch?“, fragt sie. Daher habe sich der Fasanenhofer Markt für viele ihrer Kollegen nicht mehr gelohnt.

Im Klartext heißt das, dass von den ursprünglich rund zehn Ständen nur noch drei übrig sind. Und schon sehr bald könnte das Angebot noch weiter schrumpfen. Denn Mohamed Alabed überlegt sich von Woche zu Woche, ob er wirklich noch einmal auf den Fasanenhof kommt. Alabed verkauft Feinkost wie eingelegte Oliven und Paprikas. „Das mag nicht jeder, und das braucht nicht jeder. Es sind eher Sachen zum Naschen“, sagt Alabed. Daher habe er nur sehr wenig Kundschaft. Schon seit geraumer Zeit kommt er nur noch alle 14 Tage auf den Fasanenhof. „Und vielleicht war ich heute zum letzten Mal da“, sagt Alabed.

Wochenmarkt gibt es mittlerweile seit fast vier Jahren

Günther Joachimsthaler, der Vorsitzende des Bürgervereins, beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. „Wenn wir als Fasanenhofer den Markt nicht mehr nutzen, dann haben wir bald keinen Markt mehr“, sagte er jüngst auf der Hauptversammlung. Doch Joachimsthaler weiß, dass das Problem vielschichtig ist. „Der Tag ist nicht so günstig. Berufstätige können am Donnerstagvormittag nicht einkaufen“, sagt er. Hinzu komme, dass die Preise auf dem Wochenmarkt natürlich deutlich höher sind als im Supermarkt oder beim Discounter. „Bei uns leben viele ältere Menschen und Familien mit Kindern. Die können sich das oft gar nicht leisten“, gibt Joachimsthaler zu. Und es gibt noch einen weiteren Grund dafür, dass der Wochenmarkt so schlecht angenommen wird : „Viele wissen noch immer nicht, dass wir so etwas auf dem Fasanenhof haben“, sagt Christine Schwarzmeier vom Bürgerverein.

Dabei gibt es den Wochenmarkt mittlerweile seit fast vier Jahren. Angefangen hatte es mit Heide Gänßle-Ullrichs Stand, an dem es Fleisch und Wurst zu kaufen gibt. Dieser stand zunächst an der Kurt-Schumacher-Straße. „Irgendwann haben wir uns dann überlegt: Warum machen wir nicht einen Markt? Unser Vorstandsmitglied Petra Leitenberger ergriff schließlich die Initiative“, erinnert sich Joachimsthaler. „Ich hatte mir schon ein wenig mehr von diesem Markt versprochen“, gibt Gänßle-Ullrich zu. Schließlich gebe es auf dem Fasanenhof sonst nur den Cap-Markt.

Das Marktcafé war von Anfang an ein Erfolg

Doch die hohen Umsätze blieben aus. Auch Gänßle-Ullrich hat vor allem Stammkunden. „Ich kann alle mit Namen ansprechen“, sagt die Metzgerin. „Diese familiäre Atmosphäre ist ein Grund dafür, warum ich weitermachen will“, sagt Gänßle-Ullrich. Sie hoffe, dass es besser werde und der Fasanenhofer Markt doch noch mehr Zuspruch findet. „Ich habe auch einen Bäcker angesprochen, ob er nicht auch hier verkaufen will. Schließlich leben wir Marktbeschicker von der Symbiose“, sagt Gänßle-Ullrich. Ob ihr Vorstoß von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten.

Im Gegensatz zum Markt war das Marktcafé von Anfang an ein Erfolg. Während draußen am Bonhoefferweg die fliegenden Händler ihre Waren anbieten, servieren Mitglieder des Bürgervereins im evangelischen Gemeindezentrum Kaffee und Kuchen. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem man schwätzen und sich austauschen kann“, sagt Joachimsthaler. Mittlerweile hat der Bürgerverein so zwischen 40 und 50 Stammkunden. Auch die Marktbeschicker sind froh über das Angebot. „Wir profitieren davon. Das Marktcafé macht den Markt attraktiver. Und wir können uns auch selbst mal bei einer heißen Tasse Kaffee aufwärmen“, sagt Ellwanger.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: