Die einen singen, die anderen schwingen. Am Samstag zeigen die Kinder, was sie gelernt haben. Foto: Rüdiger Ott

Eine Woche lang haben Kinder für eine Aufführung des Zirkus Zarafatzi geübt.

Fasanenhof - Am Mikrofon gibt er alles. Aus dem Lautsprecher dröhnt „Tränen lügen nicht“ von Michael Holm, dem Liebes-Schlager-Knaller-Star der 70er mit Koteletten bis zum Unterkiefer – zumindest damals. Und Karpong, 14, mit Flaum im Gesicht, schwarzem Kragenhemd, blauer Krawatte und goldener Armbanduhr, schiebt den Vorhang zur Seite, betritt die Bühne, grinst schelmisch und legt los. „Mach ihn richtig schnulzig“, sagt Herbert Bückle, der einzige Erwachsene im Raum, und feuert an. „Es muss aus dem Lautsprecher rauslaufen, so richtig bäh.“ Gesagt, getan. Karpong kniet nieder und fleht die fünf Kinder an, die vor ihm sitzen und das Publikum spielen. Fehlt nur noch die Zwiebel, und der Junge würde tatsächlich heulen.

Der Schmalz hat System. Die Kinder üben für eine Aufführung des Zirkus Zarafatzi, seit einer Woche schon. Auf der Wiese vor dem Jugendhaus Fasanenhof hat die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft drei Zelte aufgebaut. „Wir haben hier die Fläche. Wir haben die Halle. Das ist eine gute Infrastruktur. Und das Jugendhaus steht auch vorbildlich hinter der Zirkusarbeit“, sagt der Zirkusleiter Fred Kalinowski.

Trainiert wird von 10 bis 17 Uhr

Bückle arbeitet eigentlich als Erzieher im Jugendhaus, das aber wegen der jungen Artisten dieser Tage seinen normalen Betrieb eingestellt hat. Er leitet stattdessen die Clowns an, die im Dachgeschoss ihre Gags einstudieren. Karpongs Tränendrüsennummer ist einer davon. „Wir haben insgesamt 37 Kinder, zwei sind leider krank“, sagt Bückle. Die Kinder kommen aus ganz Stuttgart. Morgens gegen zehn Uhr geht es mit dem Training los, dann gibt es Mittagessen, nachmittags wird weiter geübt, und gegen 17 Uhr ist Schluss.

„Jonglieren ist für mich die Basis des Zirkus“

Das erste Zelt ist recht klein; Zuschauerbänke passen nicht rein; an der Wand lehnen dünne Matten; davor liegen hüfthohe Bälle auf der plattgestampften Wiese. „Hier sind wir beim Seillaufen“, sagt Bückle. Über ein straffes, zwei Meter langes Seil balancieren nacheinander sechs Mädchen und ein Junge. Die Vorlieben sind klar.

Ganz anders auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes. In einem weiteren Zelt wird jongliert. Die Gruppe zählt sechs Jungs und ein Mädchen in gelben und roten Pumphosen. Sie werfen bunte Bälle in die Luft oder lassen Kegel über Fäden rollen. „Jonglieren ist für mich die Basis des Zirkus“, sagt Bückle. Im Hauptzelt gleich nebenan probieren sich während dessen einige Mädchen am Ringtrapez. „Und zu jedem Zirkus gehört auch ein Wohnwagen“. Der steht unter einem Baum, Trainer, die nicht aus der Nähe kommen, dürfen in ihm schlafen.

Die Aufführung ist am Samstag

Eine Woche muss reichen. Heute Nachmittag wird es ernst für die Kinder, die Generalprobe steht an. Am morgigen Samstag werden die kleinen Artisten zeigen können, was sie gelernt haben. Sie werden auf dem Trampolin springen, zwischen Leitern balancieren, am Trapez baumeln und Zaubertricks aufführen. Um 14.30 Uhr beginnt die Abschlussvorstellung.

Bis dahin wird die neunjährige Nina auch das Problem mit dem viel zu großen schwarzen Rock geklärt haben, der ihr ständig runterrutscht. „Herbert, ich brauch eine Sicherheitsnadel“, sagt sie. Und die rote Clownsnase fehlt ihr auch noch.

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