Die Stadt Fellbach will auf der zentralen Nord-Süd-Route die Vorfahrt für die Radfahrer durch farbliche Aktivitäten auf dem Asphalt wesentlich deutlicher machen.
Womöglich kommt Radfahrern in den kommenden Monaten, wenn sie längs durch Fellbach strampeln, ein ganz besonderes Liedchen in den Sinn. „Alles so schön bunt hier“, krächzte Punk-Oma Nina Hagen einst 1978, als die heute 68-Jährige noch deutlich jünger war, in ihrem Song „TV-Glotzer“. Gut viereinhalb Jahrzehnte nach Nina Hagens erstem Hit im Westen setzt die Fellbacher Stadtverwaltung dem tristen Grau nun etliche farbige Zeichen entgegen.
Radverkehr soll aufgewertet werden
Und das hat seinen Grund. Denn in der Stadt am Fuße des Kappelbergs soll der Radverkehr aufgewertet und verkehrssicherer gestaltet werden. Konkret geht es um die beiden direkt in Nord-Süd-Richtung ineinander übergehenden Fahrradstraßen, nämlich die Pfarrer-Sturm-Straße südlich der Stuttgarter Straße und die Theodor-Heuss-Straße in nördlicher Fortsetzung.
Was da alles möglich und sinnvoll ist, hat Birgit Orner von der Stabsstelle Radmobilität der Stadtverwaltung kürzlich im Rathaus in einer Informationsverwaltung für Anwohnerinnen und Anwohner vorgestellt. Zahlreiche Nachbarn aus den beiden Straßen legten die paar Hundert Meter in die Verwaltungszentrale zurück, um sich allgemein zu informieren und konkrete Fragen zu stellen. Das Problem: Die Nord-Süd-Achse durch Fellbach ist auch bei Autofahrern durchaus beliebt. Da kommt es häufig zu durchaus kribbeligen Situationen, wie jeder Radler aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Wenn einem ein Auto entgegenkommt, liegt der Abstand zu den parkenden Fahrzeugen bei vielleicht gerade mal einem Meter. Und auch wenn von hinten ein Auto kommt, wird man zwar meist nicht überholt und an den Rand gedrängt. Aber den „Drängler im Nacken“, also am Hinterrad, spürt man eben doch. Deshalb sollen nach dem Willen der Radbeauftragten in der Stadt „Anlieger frei“-Schilder künftig den Durchfahrtsverkehr eindämmen und die Verkehrssicherheit für Radfahrer und Fußgänger erhöhen.
Boden-Piktogramm „Fahrradstraße“ nach jeder Einmündung
Und es wird, wie bereits erwähnt, bunter: Für mehr Sicherheit werden neue Markierungen sorgen. Dazu gehören ein Boden-Piktogramm „Fahrradstraße“ nach jeder Einmündung sowie die Auffrischung und Ergänzung roter Furten an den Einmündungen mit rutschfestem Belag und beidseitiger weißer Begrenzungslinie.
Parallel dazu soll ein Sicherheitsabstand zu Parkplätzen markiert werden. Mithilfe einer durchgängigen türkisen Begleitlinie wird der Verlauf der Fahrradstraßenachse für alle Verkehrsteilnehmenden noch viel deutlicher. Für einen sicheren Fußgängerverkehr sind zusätzliche Zebrastreifen und übersichtliche „Fußgänger-Aufstellflächen“ am Minikreisverkehr der Theodor-Heuss-Straße angedacht.
Insgesamt kamen die Vorschläge zur Aufwertung bei den Anwohnern gut an. „Wir freuen uns über das große Interesse und die rege Beteiligung“, bedankte sich Baubürgermeisterin Beatrice Soltys, die Rückmeldungen würden in die weiteren Planungen einfließen.
Schild „Anlieger frei“ ersetzt „Kfz-Verkehr frei“
Als häufigste Probleme in den Fahrradstraßen wurden seitens der Anwohnenden „nicht ausreichende Beschilderung“ und „schneller Kfz-Durchgangsverkehr“ genannt. Die jetzt geplanten Verbesserungsmaßnahmen gehen auf diese Probleme ein. Zeitnah wird in der Theodor-Heuss- und der Pfarrer-Sturm-Straße „Anlieger frei“ statt „Kfz-Verkehr frei“ ausgeschildert. Begleitend sind Kontrollen und eine Beobachtung der Verkehrssituation in den Querstraßen der Fahrradstraßen geplant.
Details Die Präsentation zur Anwohnerinformation finden Sie auch zum Nachlesen unter: www.fellbach.de/mobilität-aktuell.