Das neue „Far Cry: New Dawn“ fällt mit einem deutlich bunteren Look auf. Foto: Ubisoft

Ballerei in der bunten Postapokalypse: Das neue „Far Cry: New Dawn“ macht fast alles richtig, aber nur wenig neu. Wir haben das Spiel auf der Playstation 4 angetestet.

Stuttgart - Unter den Open-World-Spielen zählt die „Far Cry“-Reihe zu den beliebtesten und erfolgreichsten Titeln überhaupt. Seit 2004 sind die Spieler auf tropischen Inseln, in Afrika, im Himalaya und zuletzt in den USA unterwegs gewesen und haben gegen Unholde, Diktatoren und religiöse Fanatiker gekämpft.

Das Strickmuster ist immer gleich: der Spieler landet in einer umkämpften Welt und muss sich vom Leichtgewicht zur voll ausgebildeten Kampfmaschine hocharbeiten, Gegner mit einem Messer hinterrücks meucheln und Kampfhubschrauber mit der Panzerfaust vom Himmel holen. Um den Schlaf gebracht hat die „Far Cry“-Reihe die Spieler mit einer schönen offenen Welt, abwechslungsreichen Missionen und dem klassischen „Nur-noch-diese-eine-Trophäe“-Prinzip.

Nun ist „Far Cry: New Dawn“ als eigenständiger Spin Off von „Far Cry 5“ erschienen und es stellt sich die Frage: Wie gut ist der Ableger?

Spielinhalt

„Far Cry: New Dawn“ setzt inhaltlich knapp 20 Jahre nach dem Ende von „Far Cry 5“ ein. Die Zivilisation, wie wir sie kennen, war durch eine Atombombe zerstört worden. Die Natur hat sich mittlerweile von der atomaren Verwüstung wieder erholt und erblüht bunter denn je. Für die Menschen ist das Leben allerdings hart geworden. Die friedlichen Siedlungen in Hope County werden heimgesucht von den brutalen und gewissenlosen Highwaymen, deren Anführer die Zwillinge Mickey und Lou sind.

Der Spieler wird mitten ins Getümmel geworden und muss sich in bewährter „Far Cry“-Manier gegen die Highwaymen nach und nach hochkämpfen. Mit in Missionen gewonnenen Punkten werden immer mehr Fähigkeiten freigeschaltet, mit allerlei Ressourcen, die in der offenen Welt verteilt sind, immer stärkere Wummen gekauft und selbst gebastelt.

Klingt alles ein bisschen bekannt? Ist es auch. „Far Cry: New Dawn“ setzt das seit Jahren bewährte Konzept ein weiteres Mal um. Das reicht vom Erobern der Außenposten, die dann in Stützpunkte umgewandelt werden, über die diversen Fahrzeuge (unter anderem Motorrad, bewaffneter Pickup, Gummiboot und Helikopter) bis hin zur Auswahl der Waffen, die sich in die bekannten Klassen wie Pistole, Jagdbogen, Maschinen- und Scharfschützengewehr sowie Panzerfäuste aufteilen.

Stärken

Never change a running system: „Far Cry: New Dawn“ sieht schick aus und spielt sich flüssig wie eh und je. Wer „Far Cry 5“ durchgespielt hat, ist im Vorteil, weil „New Dawn“ eine Fortsetzung darstellt und die Handlung folglich deutlich mehr Tiefe aufweist. Aber auch ohne dieses Wissen hat der neueste Spross der Reihe seinen Reiz: Der Spieler kämpft sich durch ein Hope County, das infolge des Atomschlags den Charme einer Mad-Max-Filmkulisse hat. Wer die früheren Teile geschafft hat, findet sich ruckzuck zurecht und kann sofort loslegen.

Der Fähigkeitenbaum ist angenehm schlank gestaltet, die Highwaymen sind wie die Tierwelt mitunter erstaunlich widerstandsfähig. Wer mit Waffen auf dem niedrigsten von drei Leveln unterwegs ist, bekommt zumindest am Anfang mitunter Probleme. Motivierend: Wer besonders viele Punkte für neue Fähigkeiten ergattern will, muss die Gegner gezielt mit diversen Waffen um die Ecke bringen. Die klassische „Far Cry“-Mischung aus Pistole, Sturm- und Scharfschützengewehr, mit der sich ansonsten der Großteil der Missionen bewältigen lässt, funktioniert da nicht.

Ebenfalls motivierend sind die so genannten Schatzsuchen, die ein wenig an die Gräber in „Tomb Raider“ erinnern: Der Spieler muss sich mit ein bisschen Grips und Sucherei den Zugang zu versteckten Orten verschafffen, um Rohstoffe und Habseligkeiten einzusammeln.

Schwächen

„Far Cry“ ruht sich auf seinen Lorbeeren aus, und das wird sich früher oder später rächen. Das Konzept macht immer noch eine Menge Spaß und das postapokalyptische Setting hat ebenfalls seinen Reiz. Aber wer schon die früheren Teile durchgespielt hat, darf nicht viel Neues erwarten. Ob man nun wild gewordene Voodoo-Krieger in den Tropen, Diktatorenschergen im Himalaya oder Mad-Max-Freaks in idyllischer Landschaft zur Strecke bringt: Das fühöt sich alles ziemlich ähnlich an. Da hilft auch der Sägeblattwerfer als neue und sehr unterhaltsame Waffe nichts.

Fazit

„Far Cry: New Dawn“ ist technisch und spielerisch nahezu einwandfrei – doch wer kein eingefleischter Fan ist, wird eine Menge Déjà-Vu-Erlebnisse haben. Ob das noch lange gut geht? Stand heute fällt es schwer, sich ein weiteres Setting vorzustellen, in dem das nahezu unveränderte „Far Cry“-Konzept ein weiteres Mal funktionieren könnte.

„Far Cry: New Dawn“ ist auf allen Konsolen sowie für den PC für etwa 45 Euro erhältlich.

Grafik: 4,5 von 5 Punkten

Spielspaß: 3,5 von 5 Punkten

Atmosphäre: 3,5 von 5 Punkten

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