Thomas D, Michi Beck und Smudo (v.l.) rocken das Wizemann Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Auf ganzer Linie überzeugend: Die Fantastischen Vier haben bei ihrem Clubkonzert im Stuttgarter Wizemann erstmals Songs aus ihrem neuen Album „Captain Fantastic“ gespielt.

Stuttgart - Zweifelst du an deiner Power, dann powerst du deine Zweifel“: So singen die Fantastischen Vier in ihrem längst zum Klassiker gereiften Lied „Einfach sein“, und es könnte ja auch alles so einfach sein – aber das ist es nun mal nicht. „Ich konnte nicht einschlafen, weil ich so nervös war“, sagt Thomas D am Donnerstagabend auf der Bühne des Stuttgarter Clubs Wizemann, ein paar Songs nachdem seine Fantastischen Vier „Einfach sein“ gespielt haben. Die Band befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Zugabe, das Nesthäkchen der Fantas (er ist als einziger der Vier noch keine fünfzig Jahre alt) kann nun ein wenig gelassener auf die vergangenen zwei Stunden zurückblicken, er darf seiner Erleichterung Luft machen, dass der Druck jetzt abgefallen ist und alles bei der Premiere halbwegs geklappt hat.

Halbwegs, ja, weil alles dann doch nicht wie am Schnürchen lief. Das extrem launige Video, mit dem der Abend eingeführt werden sollte, reißt ausgerechnet im spannendsten Moment ab, die Technik versagt ihren Dienst. Erst im zweiten Anlauf läuft dann das Filmchen, das zeigt, wie sich ein Gast (von dem gleich die Rede sein wird) in die verschworene Gemeinschaft der vier Stuttgarter Hip-Hopper einzuschleichen versucht. Kurz darauf dröhnen die Bass­frequenzen so heftig aus den Lautsprechern, dass sich der Soundmischer fortan sicherheitshalber für gehobene Zimmerlautstärke im Wizemann entscheidet, die erst im Laufe des Konzerts wieder auf gewohnte, wenngleich immer noch sehr dezente Pegel hochgefahren wird. Und dann verpatzen die Fantas auch noch einen Einsatz komplett – freilich nicht etwa bei einem der neuen Songs, sondern einem wohl­bekannten, nämlich, siehe oben: Es könnte alles so einfach sein . . . Aber das ist es manchmal halt auch, denn in ihrer gewohnt nonchalanten Art scherzen sich die Herrschaften über die kleine und wirklich nicht nennenswerte Serie von Pleiten, Pech und Pannen hinweg.

Clueso als Überraschungsgast

Einer der neuen Songs heißt „Zusammen“, ihn gibt es seit diesem Freitag – wie auch zwei weitere Stücke vom neuen Album – schon als Video bei Youtube zu sehen. Es ist das Video, das am Donnerstagabend gezeigt wurde. Es handelt davon, dass alles so einfach sein könnte, wenn man sich nur zusammentut und -rauft. Und diesen Song singen die Fantas mit Clueso, auf dem neuen Album wie auch im Wizemann, wo der Rapstar aus Erfurt urplötzlich auf die Bühne spaziert kommt. („Jetzt brauchen wir schon Hilfe aus den neuen Bundesländern“, feixt Michi Beck dazu, wenn man das unbedingt anschauenswerte Video gesehen hat, weiß man warum!)

Das Stück zeigt, auch live in einer Extended Version präsentiert, deutliches Hit­potenzial. So wie alle anderen der neuen Songs, die es erstmals überhaupt live zu hören gab. „Endzeitstimmung“ etwa, auch eines der drei neuen Videos.

Oder „Hitisn“, ein sehr munterer Song, den die Fantas als letztes Lied vor der Zugabe spielen. Es sind allesamt blendend ausgetüftelte Stücke, und vor allen Dingen kommen sie völlig umstandslos sofort beim Publikum an. Das ist ein unüberhörbares, gewichtiges und auch beruhigendes Signal. Es zeigt zweifelsohne, dass die Fantas es immer noch drauf haben. Es lässt die Nervosität bei der Band weichen. Und es darf als hoffnungsvoller Vorbote auf das neue Album gewertet werden, auf dem sich auch noch einige weitere wirklich gut gemachte Songs finden, der Titeltrack „Captain Fantastic“, die erste Singleauskoppelung „Tunnel“ oder das Quasi-Instrumental „Moduland“.

Voll ins Risiko gehen die Fantastischen Vier im Wizemann dann aber doch noch nicht. Denn die überwiegende Mehrheit der gebotenen Songs sind die alten Klassiker. Mit „Was geht“, „Yeah Yeah Yeah“ und dem „Picknicker“ beginnt das satt über zweistündige Konzert, „Ichisichisichisich“ und „25 Years“ folgen ebenso wie „Dicker Pulli“, „MfG“ und „Populär“, ehe der Auftritt mit „Die da“, „Ernten, was wir säen“ und dem obligatorischen Rausschmeißer „Troy“ in der Zugabe verklingt.

Viertel vor Zwölf ist es schließlich, als die Fantastischen Vier den kleinen glücklichen Haufen, der Tickets für diese Welt­premiere ergattert hat, in die kalte Nachtluft entlassen. Dieser Haufen hat in erster Linie mehr oder weniger den kompletten Bestand an Fanta-Vier-Hits in einer Best-of-Revue serviert bekommen. Garniert haben ihn Smudo, Michi Beck, And. Ypsilon und Thomas D nebst ihrer angestammten und wie immer grundsolide agierenden Live-Band mit jener Auswahl der neuen Songs, die sie – völlig berechtigt – selbst als kommende Repertoireklassiker wahrnehmen. Ein Grund, an der Power auch bei den kommenden Sommer-Open-Airs und der dann folgenden Hallentournee zu zweifeln, ist nirgendwo ersichtlich. Ganz im Gegenteil, es scheint nicht mehr lange zu dauern, bis die Fantastischen Vier ganze Konzertabende nur noch aus Evergreens zusammenstellen können. Die vier Anfangsfünfziger nähern sich allmählich dem Altmeisterstatus an.

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