Nach dem Abstieg in die zweite Liga fürchtete der Bundesligist um sein Renommee in der Stadt. Aber die Fans kaufen weiter fleißig Logen und Dauerkarten für die neue Saison. Nach dem Motto: Einmal Fan des VfB Stuttgart, immer Fan.
Stuttgart - In knapp fünf Wochen startet der VfB Stuttgart in die neue Fußball-Saison. Nach 39 Jahren aber nicht mehr in der ersten Bundesliga, sondern eine Klasse tiefer. Künftig geht es nicht mehr gegen Dortmund, Berlin oder die Bayern, sondern zum Beispiel zum Auftakt den FC St. Pauli. Zu der sportlichen Schmach kam nach dem Abstieg im Mai auch die Sorge, dass sich die Fans enttäuscht abwenden und keine Dauerkarten oder gar teure Logenplätze für die neue Saison mehr kaufen würden. Die Sorge war berechtigt, der Frust der Stadiongänger saß tief. Die Schwaben bruddelten, es war schwer vorstellbar, dass die Leute bei der Stange blieben, zumal es in der zweiten Liga kleine Gegner und Anstoßzeiten wie Freitagabend 20.30 Uhr, samstags um 13.30 Uhr oder auch am Montagabend um 20.15 gibt. Und wer da im Stadion sein will muss langjährige Wochenendrituale ändern, was nicht Jedermanns Sache ist.
Zunächste kehrten viele Fans dem VfB den Rücken
Kurz nach dem Abstieg hatten denn auch viele Fans empört und enttäuscht den Daumen gesenkt. Zumindest verbal – zweite Liga ohne mich, war oft zu hören. Aber dann haben sich offensichtlich viele anders entschieden. Zum Beispiel Jörg Krause, der seit Jahren zwei Dauerkartenplätze im Business Center der Haupttribüne bucht. Der Unternehmer aus Neuhausen auf den Fildern sagt dazu: „Nach vier Jahren Abstiegskampf hatte ich eigentlich keine Lust mehr auf Stadion. Aber ich bin eben auch Fan, stand schon vor 40 Jahren im A-Block. Da bleibt Dir doch am Ende gar nicht anderes übrig, als den Verein weiter zu unterstützen.“
Solche Aussagen hat Jochen Röttgerman in den vergangenen Wochen viele gehört. Was den VfB-Vorstand natürlich freut. „Mit so viel Unterstützung hätten wir nach dem Abstieg nicht gerrechnet“, sagt er, „diese Entwicklung hat uns positiv überrascht.“ Konkret hat der Verein im Bereich der Haupttribüne bis jetzt schon wieder 70 Prozent der Business-Plätze verkauft, in der ersten Liga betrug die Auslastung in der vergangenen Saison 90 Prozent. Auch im anderen Logenbereich in der Untertürkheimer Kurve sind 40 Prozent der Dauerkarten bereits verkauft, in der vergangenen Saison waren es 60 Prozent. Allerdings wird der Businessbereich auf der Gegengerade in der kommenden Saison komplett geschlossen. Auch bei den Dauerkarten läuft das Geschäft deutlich besser als erwartet. Etwa 24 000 hat der Verein schon verkauft, vor einem Jahr waren es 30 000.
Die Einnahmen durch Eintrittspreise werden sinken
Es läuft also besser als gedacht für den VfB, auch wenn die Einnahmen über Eintrittspreise natürlich sinken werden. Kostete bisher ein Platz im Businessbereich der Haupttribüne 5100 Euro für die 17 Liga-Heimspiele einer Saison, muss der Kunde jetzt noch 3825 Euro dafür bezahlen, also ein Viertel weniger. Das Catering wird laut Röttgermann jedoch auf dem selben Niveau sein. „Aber wir mussten natürlich für die zweite Liga einen Abschlag machen“, erklärt der VfB-Vorstand. Das gilt auch für die Dauerkarten, die im Schnitt um 25 bis 30 Prozent billiger werden. Auf der Haupttribüne zahlt man künftig 610 statt 744,50 Euro, der Stehplatzpreis sinkt von knapp 200 auf 170 Euro.
Das Interesse ist also weiter groß an dem seit Jahren sportlich gebeutelten Meister von 2007. Völlig unerwartet steigt auch die Zahl der Mitglieder wieder an. „Wir stehen kurz vor einem neuen Rekord“, sagt Röttgermann. Und der steht bisher bei 47 000 Mitgliedern. Der VfB Stuttgart hat die Fans im Rücken und kann zumindest ein Jahr zweite Liga ohne große finanzielle Nöte durchstehen, obwohl sich die Einnahmen durch TV-Gelder von bisher etwa 30 Millionen Euro im besten Fall halbieren werden. Spielt der VfB in Liga zwei nicht oben mit, könnten es am Ende auch nur sieben Millionen werden. „Dass uns die Fans beim Ticketkauf derart unterstützen, hilft uns natürlich enorm“, sagt Röttgermann. Auch die Stadt zeigt sich kulant und reduziert die Stadionpacht für die kommende Saison um die jährliche Tilgungsrate von 3,3 Millionen Euro. Der Kredit läuft dann natürlich entsprechend länger. Es sieht also nicht so düster aus, trotzdem muss der VfB sparen. Und er tut das auch beim Personal, obwohl dazu offiziell nichts zu hören ist. Dem Vernehmen nach laufen aber im Hintergrund aber Restrukturierungsmaßnahmen. Also Gehaltskürzungen und das Nichtbesetzten von frei werdenden Stellen. Zu hören ist auch, dass Streichungen von Weihnachts- und Urlaubsgeldern im Raum stehen.
Aber auch das wäre im Fall eines Wiederaufstiegs korrigierbar.