Büßergang zu den Fans: Philipp Förster, Gregor Kobel, Mario Gomez (v.li.) Foto: dpa/Guido Kirchner

Warum ein Sieg im anstehenden Derby gegen den KSC nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch von großer Bedeutung ist.

Stuttgart - Nein, es war kein schöner Anblick, der sich den Profis des VfB Stuttgart beim Gang Richtung Fanblock bot. Laut und wild wild gestikulierend, mit einer ordentlichen Portion Wut im Gesicht, hingen die Anhänger am Zaun. Einzelne waren sogar über die Abgrenzung zum Spielfeld geklettert und nur von den Ordner zurückzuhalten.

Nach der gewohnten Unterstützung bis Schlusspfiff hatte sich der Frust der 1500 mitgereisten VfB-Treuen unmittelbar nach den 90 Minuten entladen, als feststand, dass ihre Mannschaft auch beim Aufsteiger aus Osnabrück leer ausgehen würde. Und während die Gastgeber ihren Überraschungscoup an der Bremer Brücke ausgiebig feierten, mussten die geschlagenen Mannen in Weiß und Rot den Büßergang antreten.

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Wenige Minuten dauerte das Prozedere schließlich, in denen sich die Spieler einige unschöne Bemerkungen anhören durften und sich die eine oder andere Diskussion entspann. Ins Detail wollte keiner der Verlierer gehen, Torhüter Gregor Kobel verriet nur soviel: „Es waren relativ viele, die relativ laut waren.“

Mislintat zeigt wenig Verständnis

Sportdirektor Sven Mislintat, der sich in den Büßertross der Spieler eingereiht hatte, schüttelte den Kopf, als er von dannen schlich. Sein Verständnis für das Unverständnis der Anhänger hielt sich in Grenzen. „Ich glaube nicht, dass man den Jungs was vorwerfen kann“, sagte er und stellte sich vor die Mannschaft.

„Das ist eine junge Truppe, die willig ist, aber auf Knopfdruck noch nicht alles umsetzen kann.“ Mit Blick auf die bessere von zwei schlechten Halbzeiten ergänzte der 47-Jährige: „Wenn ich die zweiten 45 Minuten mit den ganzen Torchancen sehe, wäre Support auch super – und würde mehr helfen.“

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Nun war die Unterstützung während des Spiels ja vorhanden. Sie verkehrte sich erst nach der vierten Saisonniederlage in Unmut. Dieser könnte sich noch auswachsen, sollte der große Aufstiegsfavorit auch gegen den nächsten Zweitligaaufsteiger patzen: In zwei Wochen kommt der Karlsruher SC zum Prestigederby nach Stuttgart. Eine weitere Niederlage – oder auch nur ein Unentschieden –, und die Stimmung könnte endgültig umschlagen.

Trainer Walter ist der KSC egal

Nach vier Pleiten aus den letzten fünf Zweitligaspielen scheint der anfangs so große Kredit bald aufgebraucht. „Unsere Fans haben uns auf den Weg gegeben, dass ein sehr wichtiges Spiel ansteht“, berichtete Philipp Klement nach dem Osnabrück-Spiel. Der Mittelfeldspieler glaubt, „im Derby wieder vieles gutmachen zu können.“

Nur: Rein sportlich betrachtet wäre ein Heimsieg gegen die Badener nicht mehr als die Erfüllung einer Pflichtaufgabe. So sieht es auch Trainer Tim Walter, der dem Derby schnellstmöglich die Brisanz nehmen möchte, wenn er sagt: „Mir ist es total egal, gegen wen wir spielen. Für uns ist jedes Spiel wichtig.“

Nach der Niederlage in Osnabrück gilt dies umso mehr.

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