Die allerletzte Folge der ZDF-Serie „Dr. Klein“ mit Christine Urspruch läuft am kommenden Samstag. . Foto: dpa


Die Quoten waren nicht schlecht – trotzdem läuft am 6. April die allerletzte Folge der beliebten Serie „Dr. Klein“ mit Christine Urspruch. Jetzt hat ZDF-Intendant Thomas Bellut erklärt, warum der Sender die Absetzung beschlossen hat.

Stuttgart/Mainz - Wenn ZDF-Intendant Thomas Bellut auf die Facebook-Seite der Serie „Dr. Klein“ klickt, stößt er auf heftige Kritik. Die Wut der Fans über die Absetzung einer etwas anderen Erzählweise von Geschichten ist groß. Am kommenden Samstag läuft im Zweiten die allerletzte Folge mit Christine Urspruch als Kinderärztin, die in der fiktiven Stuttgarter Rosensteinklinik und darüber hinaus Schräges und Herzerweichendes erlebt hat. Das ZDF, klagt ein Zuschauer, sei „zu feige“, um abseits von „Traumschiffträumern“ und vorgegaukelter „heiler Welt“ Probleme wie Rassismus, Minderheiten und Diskriminierungen anzupacken. Ein anderer wundert sich, warum die Politik stumm bleibt: „Wo ist der Protestbrief von OB Fritz Kuhn, des Gemeinderats und der CSD-Veranstalter ans ZDF?“ Das Aus von „Dr. Klein“ sei ein herber Schlag für den Medienstandort Stuttgart.

„Strategische Neuverteilung von Produktionsgeldern“

Von Post aus dem Stuttgarter Rathaus an den Intendanten ist nichts bekannt. Der CDU-Bundestagabgeordnete Stefan Kaufmann bat bereits vor vier Wochen in einem offenen Brief Thomas Bellut, die nicht nur in Stuttgart unverständliche Entscheidung gegen die Fortsetzung des Formats noch einmal zu überdenken. Der ZDF-Chef macht in seiner Antwort jetzt aber klar: Es bleibt beim Aus. Die Einstellung von „Dr. Klein“ sei „keine Reaktion auf unterdurchschnittliches Interesse“. Mit etwa drei Millionen Zuschauern habe die Stuttgarter Produktion vergleichbare Quoten erreicht „wie die meisten Programme dieser Senderleiste samstags um 19.25 Uhr“. Grund für die Entscheidung, die Serie nach 62 Folgen nicht mehr fortzuführen, sei vielmehr eine „strategische Neuverteilung von Produktionsgeldern im ZDF-Gesamtetat“.

Im Mainz habe man einen erneuten Wechsel des Sendeplatzes für „Dr. Klein“ erwogen, fährt Bellut fort. Dies sei gescheitert, weil man nicht mehr als zwölf Folgen pro Jahr für diese Serie produzieren könne. Eine höhere Schlagzahl sei nötig, „um der Sendestruktur am Vorabend“ gerecht zu werden. „Gleichstellungs- und Diversity-Themen“ dürften sich nicht auf eine Serie beschränken, erklärt der ZDF-Chef, sie müssten auch anderswo vorkommen. Man werde dafür Neues entwickeln und Programmideen aus Stuttgart prüfen. Mit der „Soko“ bleibe der Medienstandort Stuttgart stabil. Darüber hinaus werde man die Reihe „Die Toten vom Bodensee“ fortsetzen.

Mit Belluts Antwort ist MdB Kaufmann unzufrieden

Den Fans von „Dr. Klein“ hilft das alles nicht. Wird jemals klar, von wem die Kinderärztin schwanger ist? Oder endet die Serie mit offenen Fragen? Mit Belluts Antwort ist der MdB Kaufmann unzufrieden. Das ZDF macht sich in Stuttgart unbeliebt.

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