Bricht sein Schweigen: VfB-Präsident Claus Vogt. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Seit Wochen protestieren Teile der VfB-Fans, im Vorfeld des Südgipfels gegen den FC Bayern München soll es einen Protestmarsch geben. VfB-Präsident Claus Vogt äußert sich nun zur Lage.

So gut es beim VfB Stuttgart sportlich läuft, so schief hängt der Haussegen im vereinspolitischen Kontext unterm weiß-roten Dach. Der Hintergrund: Spätestens seit der Aufsichtsrat der VfB Stuttgart 1893 AG am 29. Februar zwei Vertreter des neuen Investors Porsche aufgenommen und wenig später den Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Vogt (weiterhin e. V.-Präsident) entmachtet hat, geht es wieder einmal hinter und vor den Kulissen hoch her.

 

Seitdem ist noch einmal einiges passiert. Das Präsidiumsmitglied Christian Riethmüller ist zurückgetreten, eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger soll auf der Mitgliederversammlung am 28. Juli gewählt werden - sechs Nachfolgekandidaten gibt es mittlerweile. Teile der Fans protestieren derweil fortwährend. Ihre Wut richtet sich gegen die Einflussnahme der Investoren, die Neuordnung des Aufsichtsrats und gegen das verbliebene Restpräsidium – namentlich Claus Vogt und Rainer Adrion. An beide wurden und werden immer noch Rücktrittsforderungen gerichtet. Denn die Trennung von Präsidentenamt und Aufsichtsratsvorsitz wollen die aufgebrachten Anhänger nicht hinnehmen. Vogt hatte bei den Verhandlungen über den Einstieg von Porsche als Investor zugesagt, den Chefposten im Kontrollgremium abzugeben – unter dem Vorbehalt der Mitgliederbeteiligung. Zudem gibt Vogt an, dem Club läge ein Rechtsgutachten vor, welches die rechtliche Unverbindlichkeit der Absichtserklärung bestätigt.

Protestmarsch vor Südgipfel geplant

Die Protestformen waren bisher so vielfältig wie ausdauernd. Spruchbänder bei jedem Spiel, schwarzer Rauch bei den meisten Auftritten, eine Plakataktion beim letzten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Vor dem Südgipfel an diesem Samstag gegen den FC Bayern (15.30 Uhr/Liveticker) wurde nun eine neue Form des Protests angekündigt. Es soll einen Fanmarsch geben. Analog der „Karawane Cannstatt“ wollen die Anhänger aus der Kurve vom Cannstatter Carré zum Stadion ziehen und ihrem Unmut Luft machen. Auch darüber, dass es vonseiten der im Kreuzfeuer stehenden Protagonisten seither keine Äußerungen mehr gab. Rainer Adrion und Claus Vogt gingen auf Tauchstation. Bis jetzt.

„Die Situation ist schwierig und kompliziert, aber wir arbeiten intensiv daran, diese zusammen zu ändern und zugunsten des e. V. und seinen Mitgliedern zu verbessern“, sagte Vogt am Freitag gegenüber unserer Redaktion. Man wolle dabei „Verschiedenes anpassen, korrigieren, hinterfragen und auf den Prüfstand stellen“, erklärte der Präsident weiter. Lobende Worte findet er für die Ruhe, „die intern seit ein paar Wochen wieder eingekehrt ist“. Seine Ziele scheinen auf der Hand zu liegen: Ruhe und Geschlossenheit demonstrieren, den Fokus auf das Sportliche lenken.

Club erreicht Mitglieder-Meilenstein

Schließlich kann der Club nach der bereits erreichten Qualifikation für die Königsklasse rechnerisch sogar noch als Vizemeister abschließen, will mindestens den dritten Tabellenplatz halten – am besten mit noch zwei Siegen aus den zwei Heimspielen gegen die Bayern und Borussia Mönchengladbach. „Der VfB ist wieder da, wo er für viele hingehört. Das ist einfach nur großartig“, jubelte Vogt, der seinen Dank dafür an „unsere Mannschaft und vor allem an Sebastian Hoeneß“ richtet. Auch den am Freitag erreichten Mitglieder-Meilenstein – der Club hat nun über 100 000 Mitglieder und allein in den letzten zwölf Monaten 27 000 neue sogenannte Dunkelrote dazugewonnen – weiß ihr höchster Vertreter zu würdigen. „Jetzt geht es mit über 100 000 Mitgliedern auf die Reise, das ist unglaublich und hat unser Verein und unsere Region mehr als verdient“.

Den „verständlichen Unmut unserer Mitglieder gegen die Abwahl eines e. V.-Vertreters aus dem Präsidium als Vorsitzender im Aufsichtsrat“ nehme man „sehr ernst.“ Auf die Rücktrittsforderung gegen ihn selbst geht Vogt nicht explizit ein. „Aufgrund des aktuell öffentlichen Kenntnisstandes“ könne man die „negativen Äußerungen“ zwar teilweise nachvollziehen. Noch sei allerdings die Zeit nicht gekommen, reinen Tisch zu machen. Das kündigt der Präsident jedoch für die Zeit nach der Saison an.

„Mein Ziel ist es, dass unsere Mitglieder transparent alles erfahren“, erklärte Vogt. Noch vor der Mitgliederversammlung am 28. Juli (voraussichtlich in der Porsche-Arena oder in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle) soll dies geschehen. Denkbar sei auch ein „Dunkelroter Tisch“, um die Situation „im Sinne unseres Vereins persönlich, ehrlich und direkt“ zu erörtern.