„Spread Love, Not Hate“ steht auf den T-Shirts der Projektverantwortlichen (von links): Julia Schwarzwälder, Ella von der Seipen, Benia Heilmann, Annabella Scheible, Verona Halili, Maria Ifantidou, Johanna Rothe und Jan-Michael Lohrer. Foto: Alexandra Kratz

Zwei Wochen lang geht es am Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen um das Thema Mobbing. Das Besondere: Die Schüler selbst haben die Workshops für ihre Mitschüler vorbereitet.

Vaihingen - Die Schauspielerin Jessica Alba, die britische Sängerin Adele und der ehemalige US-Präsident Barack Obama haben eins gemeinsam: Sie wurden als Jugendliche gemobbt. Alba wurde ausgegrenzt, weil ihre Familie nicht viel Geld hatte. Adele war übergewichtig, und Obama hatte es schwer wegen seines Namens und seiner großen Ohren. Das haben die Mädchen und Jungen der Schülermitverantwortung (SMV) und ihre Mitstreiter vom Projekt „Spread Love, Not Hate“ recherchiert. Übersetzt heißt der englische Slogan so viel wie „Verbreite Liebe, keinen Hass“. Mit diesen Worten haben die Schüler des Fanny-Leicht-Gymnasiums in Stuttgart-Vaihingen ihre Aktionswochen überschrieben.

Am Montag war die Auftaktveranstaltung. Als es um 9.15 Uhr zur Pause klingelte, hatten die Schüler an verschiedenen Orten im Schulhaus Beamer aufgebaut. Sie zeigten Filme, die sie aus dem Internet geholt hatten und in denen es um Diskriminierung und Ausgrenzung geht. Im Foyer waren zudem Stellwände aufgebaut. Dort waren zum Beispiel die Steckbriefe zu berühmten Personen zu finden, die früher gemobbt wurden. Zudem waren die Schüler aufgerufen, Schimpfwörter und Hassparolen aufzuschreiben, die sie selbst schon zu hören bekommen oder zu jemandem gesagt haben.

Der Förderverein unterstützt die Aktion

Schon nach der ersten Pause war das Whiteboard so gut wie voll. Den Gegenpart bildeten Zettel mit kleinen Komplimenten zum Abreißen – ähnlich den Zetteln, die zum Beispiel von Wohnungssuchenden an Laternenmasten aufhängt werden. Da steht zum Beispiel: „Schön, dass es dich gibt“, oder „Du bringst mich immer zum Lachen“ oder einfach nur ein Smiley. Außerdem gibt es Komplimente, die für Lehrer gedacht sind. Unter anderem: „Bei Ihnen lernt man wirklich etwas“ oder „Sie haben immer ein offenes Ohr für unsere Probleme“. Immerhin: So voll wie die Tafel mit den Schimpfwörtern ist, so leer ist die mit den Komplimenten zum Abreißen.

Am Montag war in jeder Pause in verschiedenen Räumen etwas zum Thema Mobbing geboten. Schon Wochen vorher hatte die Projektgruppe Plakate mit dem Slogan ihrer Aktion im Schulhaus aufgehängt. Mehr war auf diesen allerdings nicht zu lesen, denn: „Wir wollten neugierig machen“, sagt Johanna Rothe. Das sei auch gelungen: „Viele haben uns gefragt, was es damit auf sich hat“, sagt die Schülersprecherin. Der Verbindungslehrer Jan-Michael Lohrer erklärt: „Wir wollten so viele Schüler wie möglich mitnehmen. Darum auch die große Auftaktveranstaltung.“ Der Verein der Freunde des Fanny-Leicht-Gymnasiums unterstützt die Aktion und hat Geld für T-Shirts und Materialien bereit gestellt.

Den Leitgedanken der Schule mit Leben erfüllen

Die Projektgruppe, die aus der SMV und weiteren Oberstufenschülern besteht, hat sich viele Gedanken gemacht. „Ausgangspunkt war, dass wir beobachtet haben, dass insbesondere in den jüngeren Klassen immer wieder Kinder ausgegrenzt werden“, sagt Johanna Rothe. Die Schülersprecherin ergänzt: „Wir wollen für Verständnis und Toleranz werben.“ Darüber hinaus gehe es auch darum, den Leitgedanken der Schule für 2017/2018 mit Leben zu füllen, fügt die Verbindungslehrerin Julia Schwarzwälder hinzu. Auf einer der Stellwände im Foyer ist dieser nachzulesen: „Wir alle gehen respektvoll miteinander um, sind höflich und fair zueinander und achten jeden Menschen mit seinen Fähigkeiten und Besonderheiten“, heißt es dort.

Ein Jahr lang hat die Gruppe das Projekt vorbereitet. Arbeitsschwerpunkt waren dabei die Workshops, welche die Oberschüler für die Klassenstufen 5 bis 9 anbieten. Es geht um Rassismus, um Andersartigkeit und Homosexualität, um das von den Medien und sozialen Netzwerken suggerierte Bild eines idealen Aussehens und die eigene Selbstwahrnehmung, um Mobbing und Cybermobbing. „Viele dieser Themen werden im Unterricht nur am Rande oder gar nicht behandelt. Darum gehen wir als Schüler in die Klassen und bieten diese Referate an“, erklärt Ella von der Seipen und ergänzt: „Wir als Schüler können ein Thema vielleicht auch mal anders vermitteln.“ Ella von der Seipen hätte sich so eine Veranstaltung gewünscht, als sie selbst in der Mittelstufe war. „Uns wurde erst spät bewusst, dass es okay ist, anders zu sein“, sagt die Gymnasiastin, welche das Projekt mit angeregt hat.

Die Armbändchen sind eine Art Gedankenstütze

Auch Lehrer haben Workshops vorbereitet. Der Rektor Guntram Haag bietet eine Schulstunde unter der Überschrift „Interkulturelles Verständnis“ an. In Martina Kammerers Vortrag geht es um Meditation. Die Klassen konnten die verschiedenen Workshops buchen. Diese finden nun in den kommenden beiden Wochen statt. Die Schüler haben zu ihren Referaten zudem Handouts mit den wichtigsten Infos vorbereitet. Auf dem Blatt zum „Cybermobbing“ erklären sie zum Beispiel, warum was in welchem Umfang strafbar ist.

Die beiden Projektwochen sollen nicht einfach so verpuffen. „Das Ziel ist es, einen Anstoß zum Nachdenken zu geben“, sagt Lohrer und ergänzt: „Wirkliche Veränderungen brauchen schließlich Zeit.“ Zum Abschluss ist noch einmal eine gemeinsame Aktion mit der gesamten Schulgemeinschaft geplant. Zudem gibt es kleine Armbändchen mit dem Slogan. Diese sollen ein Wir-Gefühl schaffen und eine Art Gedankenstütze im Alltag sein.

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