Der Rektor Guntram Haag kritisiert den Sanierungsstau an seiner Schule. Foto: Alexandra Kratz

Schulen in Stuttgart, darunter das Fanny-Leicht-Gymnasium, sind seit langem Sanierungsfälle. Fehlendes Internet, Risse in den Wänden, Schimmel und Feuchtigkeit zerren an den Nerven.

Vaihingen - Wenn Guntram Haag über das Fanny-Leicht-Gymnasium spricht, dann spürt man bei jedem Wort seinen Stolz auf das breite Bildungsangebot und die Leistungen des Lehrerkollegiums. „Wir sind ein künstlerisches und ein naturwissenschaftliches Gymnasium“, sagt der Schulleiter. Ganz und gar nicht stolz ist der Pädagoge auf die Bausubstanz der Vaihinger Bildungseinrichtung. Das Gebäude ist so marode, dass der Unterricht unter erschwerten Bedingungen stattfindet. Risse in den Wänden, Platzmangel und ein Geländer im Treppenhaus, das von zwei an der Wand befestigten Metallstangen gehalten wird, damit es nicht samt den Schülern abstürzt, sind dabei nur Petitessen. Der Sanierungsstau, der vor allem dem Personalmangel in den städtischen Bauämtern geschuldet ist, stellt die Schule tagtäglich vor Herausforderungen.

Es tropft von der Dachterrasse

In Zukunft, sagte Haag, werde sich die Situation verschärfen, denn durch Neuansiedlungen sei mit steigenden Schülerzahlen zu rechnen. Es gebe aber keinen Platz, um anzubauen, und aufstocken gehe wegen der Statik nicht. Um auf die Situation aufmerksam zu machen, hat Guntram Haag jüngst Repräsentanten aus der Lokalpolitik und Hochschulen durch das Gebäude geführt. „Wir wollen ihnen eine leistungsfähige Schule zeigen und gleichzeitig die Mängel, die dabei zu beklagen sind, nicht verhehlen“, sagte Haag. Er wolle seine Gäste anregen, „für die Aufrüstung der Schule zu werben.“

Seit Ausweichräume zum Lagern von Lernmitteln im benachbarten Gartenbauamt wegen Schimmelbefalls nicht mehr zugänglich sind, müssen die Unterrichtsutensilien notdürftig verstaut werden. In den Bildungsplänen wird zwar das Nutzen des Internets gefordert, aber das Gymnasium hat kein W-Lan.

Die Zusammenarbeit mit den städtischen Ämtern, sagte Haags Stellvertreterin Antje Rannert, sei sehr gut, aber für Lösungen brauche man einen langen Atem. So sei die Dachterrasse wegen der Statik nicht begehbar. Wenn auf ihr Wasser stehe, dringe es durch die Decke und müsse in der großen Halle am Eingang, der bei Regen zum Hauptpausenhof werde, in Eimern aufgefangen werden.

Rektoren wünschen den Ämtern mehr Personal

Auch die Heizungen sind veraltet. „Sie laufen von Herbst bis Pfingsten auf Hochtouren, da heizen wir zum Fenster raus“, sagte ein Schülersprecher. Ein großes Anliegen der Schule, sagte Haag, sei die Umgestaltung der Gymnastikhalle in eine Kulturhalle für Musik, Theater oder Tanz. Im städtischen Bürgerhaushalt sei dieser Wunsch auf den 14. Platz gekommen. „Wir hoffen, dass der Gemeinderat diesen Vorschlag seriös prüft, denn dies würde auch der Bevölkerung von Vaihingen und Möhringen zugute kommen“, sagte Haag.

Der Sanierungsstau, verbunden mit Raummangel, betrifft alle Vaihinger Schulen. Bereits am 11. Oktober hatte Frank Bäuerle, der Rektor des Hegel-Gymnasiums, im Namen der Vaihinger Campusschulen einen gemeinsamen Brandbrief an die Stadträte geschrieben und den Doppelhaushaltsplan 2020/21 aus Sicht der Schulen als „herbe Enttäuschung“ bezeichnet. Wie drängend das Problem im Stadtbezirk wahrgenommen werde, zeige sich daran, dass der Antrag auf Sanierung der Vaihinger Schulen auf Platz 6 im Bürgerhaushalt gewählt worden sei. Den Schulleitern sei bewusst, dass die umfassenden Veränderungen „nur mit einer auskömmlichen Personalausstattung in den beteiligten städtischen Ämtern“ zu bewältigen sei. „Daher bitten wir Sie, die erforderlichen Maßnahmen und Geldmittel für eine entsprechende Personalausstattung zur Verfügung zu stellen“, heißt es in dem Brief.

Es ist bekannt, dass Maßnahmen seit Jahren nicht umgesetzt werden

Die Sicht der Schulen wird auch von Bezirksbeiräten unterstützt. In einem gemeinsamen Antrag für die kommende Sitzung unter dem Titel „Schulnotstand in Vaihingen – Fakultativer Tagesordnungspunkt“ fordern die Fraktionen CDU, Freie Wähler und Grüne, das Gremium möge beschließen, sich immer wieder über den Sachstand in Sachen Schulsanierung unterrichten zu lassen. Es sei „hinlänglich bekannt, dass Maßnahmen seit Jahren nicht umgesetzt werden. Um die Planungen der Stadtverwaltung zu begleiten, ist daher ein ständiger Blick unerlässlich. Darüber hinaus bietet sich die Gelegenheit, alle weiteren Schulen in Vaihingen im Blick auf nötige und mögliche Sanierungen zu behalten.“

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