Jenseits der Mauer gabelt Friedhofsaufseher Vincenzo Miccolis die Äste zu Haufen. Foto: Kathrin / Wesely

Der Fangelsbachfriedhof darf nach dem Unwetter von Montagabend derzeit nicht betreten werden. Es besteht Lebensgefahr durch herabfallende Äste und umknickende Bäume. Eine hundert Jahre alte Eiche ist im Sturm regelrecht zerfetzt worden.

S-Süd - Der Fangelsbachfriedhof ist jetzt geschlossen. Wüst hat der Sturm hier am Montagabend getobt. „Das sieht aus wie bei Jurassic-Park, wenn T-Rex durchegefegt ist!“, sagt Vincenzo Miccolis, der Friedhofsaufseher. Keiner darf jetzt aufs Gelände, auch Miccolis gabelt nur die herabgebrochenen Äste jenseits der Friedhofsmauern auf Haufen. „Am Dienstagmorgen standen hier lauter Leute an der Friedhofsmauer, die Handyfotos gemacht haben.“

Bestattungen sind abgesagt

Von der Cottastraße aus sieht man eine Eiche, deren Stamm, den zwei Männer kaum umfassen könnten, in der Mitte durchgebrochen ist wie ein Streichholz. „Der Baum ist mindestens hundert Jahre alt“, schätzt Miccolis, „beim Auseinanderbrechen hat er noch andere Bäume mitgerissen“. Überall in den Bäumen hingen gebrochene Äste, die jederzeit herabfallen könnten. Und die Äste auf der Erde stünden unter ungeheurer Spannung, erklärt Miccolis. „Gestern kam eine Mutter mit Tochter, die wollten nur einen Strauß ablegen. Aber wir können hier jetzt niemanden reinlassen. Zu gefährlich!“ Auf dem Hoppenlau- und dem Pragfriedhof habe der Sturm ebenso gewütet, auch sie sind derzeit geschlossen.

Auch Bestattungen finden auf dem Fangelsbachfriedhof vorerst nicht statt. Aber es sei aktuell sowieso nur eine Beisetzung geplant gewesen. „Neue Anfragen müssen wir ablehnen.“ Miccolis geht davon aus. dass die Aufräumarbeiten, die von Landschaftsgärtnern erledigt werden müssen, noch ein bis zwei Wochen dauern werden. Eine Bestandsaufnahme hat er noch nicht machen können – zu gefährlich. Einige Grabmale sind von Ästen getroffen worden. Steine stehen schief und Rabatten sind zerstört. Dem ersten Eindruck nach, sagt Vincenzo Miccolis, habe es aber keine der historischen Grabmale getroffen.

Ein Verein für historische Grabmale

Auf dem 198 Jahre alten Friedhof stehen 130 historische Grabmale, darunter die von Carl Friedrich Schiller, dem Sohn von Friedrich Schiller, von Immanuel Hermann Fichte, dem Sohn des Philosophen Fichte, von Otto Freiligrath, ebenfalls ein Dichtersohn, von dem Altphilologen August von Pauly, dem Fabrikanten Gustav Siegle, dem Kunstgießer Wilhelm Pelargus und den Verlegern Engelhorn und Belser. Wolfgang Jaworek von der Geschichtswerkstatt Süd fand schon vor der aktuellen Verwüstung, die historischen Grabsteine seien in keinem erfreulichen Zustand. Er plant, einen Verein zu gründen, der den Fangelsbachfriedhof als historischem Ort fördert und dessen Pflege unterstützt: „Der Stadt mangelt es offensichtlich an Ressourcen für die Pflege. Da ist es angebracht, das bürgerschaftliche Engagement hochzufahren.“ Der Fangelsbachfriedhof sei ein bedeutsamer Ort, nicht nur historisch, sondern auch als Biotop und als Naherholungsort.

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