Sportlicher Familienurlaub: Patricia Martin und Markus Buban haben sich mit ihren Töchtern Paola und Miriam zu einer 1200 Kilometer langen Radreise von Esslingen nach Zaragoza in Spanien aufgemacht.
Esslingen - Einheitlich in rot-gelben Trikots gekleidet, mit voll gepackten Satteltaschen und einem festen Ziel im Kopf: Patricia Martin und Markus Buban haben sich mit ihren Töchtern Paola und Miriam auf eine 1200 Kilometer lange Radreise begeben. In gut vier Wochen wollen sie von Esslingen nach Zaragoza in Spanien radeln. Eigentlich hätte es dieses Jahr für die Familie nach Indonesien in den Sommerurlaub gehen sollen – doch Corona hat ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Nun wird der Weg zu den Großeltern – Patricia Martin stammt aus der Region Aragonien im Nordosten Spaniens – also an der frischen Luft statt Sitz an Sitz mit hunderten Fremden im Flugzeug zurückgelegt. „Wir haben immer mal wieder darüber gewitzelt, die Tour mit dem Rad zu machen“, erzählt Familienvater Markus Buban, der schon einmal vor mehreren Jahren nach Spanien geradelt war.
Am Mittwoch haben sie als erstes Etappenziel Villingen-Schwenningen angesteuert. In ihren Satteltaschen befinden sich Kleidung, Kulturbeutel sowie die Verpflegung für die ersten zwei Tage: Dosengemüse, Nudeln, Tomatensoße, Müsliriegel, Tee, Kaffee. Jeder, auch die Mädchen, muss etwa zwölf Kilo Gepäck durch den Schwarzwald, Frankreich und über die Pyrenäen bewegen. Dazu kommen zwei Zelte auf dem Gepäckträger des Vaters und ein Wasserkanister, den Patricia Martin mit ihrem E-Bike transportiert. Durchschnittlich 75 Kilometer will die Familie am Tag zurücklegen.
Motivationsschwierigkeiten haben die „Bubanos“, wie sich das Team nennt, nicht. Die ganze Familie ist sportlich und hat schon längere Radtouren unternommen, etwa vor drei Jahren an den Bodensee. Ganz so lang wie bei der aktuellen Reise waren die Strecken bisher aber nicht. „Es ist halt abenteuerlich“, sagt die zwölf Jahre alte Miriam. Am meisten Respekt habe sie vor den Pyrenäen, ergänzt ihre zwei Jahre ältere Schwester Paola. Doch auf dem Weg gibt es auch viel, worauf sie sich freuen: die Städte, die sie kennen lernen. Den Käse in der Auvergne. Die Tiere am Wegrand. Kurz vor Ende der Reise der Aufenthalt in der Ferienwohnung der Großeltern im schönen Städtchen Jaca. Und nicht zu vergessen ein Stop in Paris auf der Rückreise mit dem Zug.
Einen speziellen Trainingsplan hatte die Familie nicht. Fit sind die Vier ohnehin: Alle spielen Volleyball und joggen, bei den Mädchen kommen weitere Sportarten hinzu und die Mutter, 49, und Betriebswirtin im Vertrieb eines Maschinenbauunternehmens, geht ins Fitnessstudio. „Als Vorbereitung sind wir in diesem Jahr mehrere Touren gefahren, um zu schauen, ob alles passt mit dem Sportsgeist“, erzählt Markus Buban, 51, und Betriebswirt im Lebensmittelgroßhandel. Außerdem hätten sie Alltagswege, für die sonst das Auto die Wahl war, vermehrt mit dem Fahrrad zurückgelegt.
Und sollte die Puste auf dem Weg doch mal ausgehen, dann gebe es Schokolade als Motivation, wie der Vater augenzwinkernd sagt. Wer müde Beine hat, kann auch auf das E-Bike der Mutter wechseln. Oder es werde den Berg hoch eben mal geschoben, ergänzt Patricia Martin. Ohnehin sind die einzelnen Etappenziele nicht auf den Tag genau geplant. „Wir haben ein paar Ruhetage einkalkuliert, falls sich jemand mal nicht wohlfühlt, wir Zeit zum Durchschnaufen brauchen oder es stark regnet“, sagt Markus Buban.
„Wir wollen Zusammenhalt demonstrieren“, erklärt Patricia Martin – auch wenn ihre Pläne wie die vieler anderer Familien für dieses Jahr von der Corona-Pandemie durchkreuzt wurden und die Welt Kopf steht. Man werde auf der Radtour zusammen eine intensive Zeit erleben, ergänzt ihr Mann. Wenn man sich den ganzen Tag nah sei, sei das schon etwas anderes als ein Strandurlaub, wenn auch mal jeder etwas für sich unternehmen könne.
Aus ihrem Umfeld erhalten die vier Familienmitglieder viel Zustimmung und Bewunderung. „Viele würden auch gerne so eine lange Radreise machen, trauen sich aber nicht“, erzählt Markus Buban. Die Reise der „Bubanos“ können sie in den nächsten Tagen dafür online verfolgen: Paola und Miriam haben einen Blog erstellt, auf dem sie ihre Eindrücke von den einzelnen Etappen mit Freunden und Verwandten teilen wollen. Wer mag, kann den beiden Mädchen außerdem per Paypal ein Eis spendieren.