Entspannen, gern im Mittelmeerraum – bleibt das auch in diesem Jahr der Sommerferienklassiker für Familien? Foto: imago//Frank Hoermann

Gestiegene Preise, Klimawandel, Kriege – machen Familien mit Kindern heute anders Urlaub als früher? Antworten wissen Reiseexperten, Trendforscher und eine Stuttgarter Familien-Bloggerin.

Dass Reisen teurer geworden ist, merken auch Isabell Krautberger und ihre Familie. Die Stuttgarter Eltern mit zwei Kindern (sechs und acht Jahre alt) sind regelmäßig mit dem Wohnwagen unterwegs. Vor allem die Stellplätze seien teurer geworden nach der Pandemie, ist Isabell Krautbergers Eindruck. Aber auch die Kosten drumherum. Essen gehen zum Beispiel. „Das tun wir mittlerweile weniger im Urlaub“, sagt die Mutter. So versuchten sie innerhalb des Urlaubs ein wenig zu sparen.

 

Reisebudget Dass Familien deutlich mehr Geld für Urlaube als vor der Pandemie ausgeben, bildet sich auch in den Zahlen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen mit Sitz in Kiel ab: 2023 gaben Familien mit Kindern bis 14 Jahren im Haushalt für eine längere Urlaubsreise (fünf Tage und mehr) durchschnittlich 2768 Euro aus, 69 Euro pro Tag und Person. 2019 waren es noch 2186 Euro und damit 26 Prozent weniger. Der Preis pro Kopf und Tag lag damals bei 54 Euro „Der wesentliche Grund dürften die gestiegenen Preise sein“, sagt Astrid Koch von der Forschungsgemeinschaft.

Tourismusökonomen beobachteten für das Nach-Pandemie-Jahr 2023 stark gestiegene Reisepreise und erklärten dies unter anderem mit höheren Personal- und Energiekosten, aber auch der hohen Nachfrage. Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Preise etwa für Pauschalreisen zwischen Februar 2021 und 2024 um 23 Prozent stiegen. Auch für 2024 rechneten Experten nicht mit einer Verbilligung.

Laut Harry Gatterer vom Zukunftsinstitut Frankfurt, versuchten Familien, die gestiegenen Kosten abzumildern, indem sie im Urlaub sparen, etwa durch Selbstversorgung anstatt essen zu gehen. „Oder es werden günstige Aktivitäten, wie der Besuch von kostenlosen Sehenswürdigkeiten gesucht.“

Verkehrsmittel Dass Familien heute mehr ausgeben, könnte laut Astrid Koch auch an der Reiseziel- und Verkehrsmittelwahl liegen. Tatsächlich nehmen mehr Familien als noch 2019 das Flugzeug: 40 Prozent waren es 2023, vier Jahre zuvor 35 Prozent. Parallel dazu sank der Anteil der PKW-Reisen.

Urlaubshäufigkeit Der Reisefreudigkeit tun die Mehrkosten bei Familien – wie in der gesamten Bevölkerung – keinen Abbruch. Vier von fünf Familien (79 Prozent) waren 2023 mindestens ein Mal fünf Tage und länger weg (Gesamtbevölkerung: 77 Prozent) – und damit fast ebenso viele wie 2019. Verändert hat sich laut Astrid Koch die Häufigkeit: „Fast 90 Prozent, unternehmen eine längere Urlaubsreise im Jahr.“ Nur 9 Prozent der Familien reisten zwei Mal. Vier Jahre zuvor taten dies 17 Prozent. Harry Gatterer sieht einen Trend hin zu kürzeren Reisen mehrmals im Jahr, die das wachsende Bedürfnis nach Vielfalt im Urlaub befriedigen könnten.

Ziele Eine deutliche Veränderung sehen die Forscher bei den Reisezielen im Zehnjahresverlauf. Machte 2013 noch knapp ein Drittel der deutschen Familien Urlaub im eigenen Land, war es im vergangenen Jahr ein Fünftel. Stattdessen wählten deutlich mehr Urlauber den Mittelmeerraum als Ziel. Fernreisen machen mit drei Prozent konstant nur einen kleinen Teil aus. Der Corona-Boom an Deutschlandreisen habe sich damit wieder gelegt, sagt Astrid Koch. Auch Multikrisen und Kriege hielten die Menschen nicht vom Urlaubmachen ab. Das Thema Nachhaltigkeit spiele eine untergeordnete Rolle. „In Umfragen sagen viele, dass sie klimaschonend Reisen wollen, aber im Reiseverhalten bildet sich das nicht flächendeckend ab.“

Auch Trendforscher Gatterer sieht beim Thema Nachhaltigkeit eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit, was auch daran liege, das nachhaltige Angebote teurer seien. Außerdem fehle Transparenz, was der Begriff für Reisen bedeute. Zertifizierungen und Umweltlabels könnten helfen, sagt Gatterer. Er rechnet damit, dass nördliche Länder wie Schweden oder Kanada sowie Reisen in der Nebensaison wegen des Klimawandels zunehmen.

Motive Auffällig sei der Anstieg an Erholungsreisen und Entspannungsurlaub, sagt Astrid Koch. Während vor zehn Jahren noch 41 Prozent der Menschen mit Kindern diese Urlaubsform wählten, waren es 2023 fast zwei Drittel. Obwohl dies teils mit der Art der Frage zusammen hängen könnte (2013 wurde nach Ausruh- statt Entspannungsurlaub gefragt), bildet sich für die Reiseexpertin ein Trend ab. Dazu passe, dass „ausruhen, faulenzen“, „sich verwöhnen lassen“, „keinen Stress haben, sich nicht unter Druck setzen“ häufiger als Reisemotiv genannt würden.

„Besonders Eltern stehen unter erheblichem Druck durch Beruf, Haushalt und Erziehungsaufgaben“, sagt Gatterer. Das schaffe ein „Bedürfnis nach Auszeiten“. Dass Familien im Urlaub nur faulenzen, sieht er trotzdem nicht. Denn gleichzeitig nehme der „erlebnisorientierte Tourismus“ zu, in dem „einzigartige Erfahrungen“, Begegnungen mit Menschen und Kultur warteten. Urlaub werde als „Chance zur persönlichen Entwicklung und Bildung“ verstanden.

Auch Isabell Krautberger und ihre Familie suchen im Urlaub Entspannung. Sie finden sie beim Wandern, Radfahren, Schwimmen. Das Reisen mit dem Wohnwagen ist für die Mutter die ideale Urlaubsform. „Man hat alles Wichtige dabei, macht einfach die Türe auf, schon können die Kinder losspringen“, sagt Krautberger, die als „Stadtmama_unterwegs“ auf Instagram und ihrer Homepage Tipps für Familienreisen gibt. Sie liegt im allgemeinen Camping-Trend, den Trendforscher Gatterer so erklärt: Camping befriedige die Wünsche nach Kostenersparnis, Flexibilität, Natur und der Gemeinschaft mit anderen.

Isabell Krautberger schätzt außerdem, dass der Wohnwagen ihren Kindern unterwegs eine gewohnte Umgebung böte. Und: „Beim Campen ist man als Familie wenig von anderem abgelenkt, man hat Zeit miteinander.“