Die Firma Gottlob Stäbler ist aus Weil der Stadt nicht mehr wegzudenken – nicht nur beim Bauen, sondern auch wenn es darum geht, der Stadtgesellschaft ein Stück des Erfolgs zurückzugeben.
Auf dem Gelände der Weil der Städter Firma Stäbler stehen noch die eingetopften Olivenbäume und Baumaschinen ordentlich aufgereiht – erst wenige Tage zuvor hatte die Firma hier groß ihr hundertjähriges Jubiläum gefeiert. „Es war toll“, sagt Geschäftsführerin Ricarda Stäbler. Zwei Tage lang gab es großes Programm auf dem Stäbler-Areal, einen Kunstwettbewerb hatte die Baufirma ausgelobt, einen eigenen Song schreiben lassen, einen Film gedreht. Angemessen für einen hundertjährigen Geburtstag. „Aber jetzt reicht es auch wieder mit Feiern“, sagt Ricarda Stäbler.
Wer in Weil der Stadt an den Bau denkt, der denkt vielleicht als erstes an Stäbler, an den schwarzen Schriftzug auf gelben Baumaschinen. Ein ganzes Jahrhundert hat sich das Familienunternehmen bei Rohbau, Erdbau und Abbruch einen Namen gemacht – und nicht nur das. Tief verwurzelt ist die Familie auch in das gesellschaftliche Leben der Stadt. Gerade erst hat die Firma wieder den Sand für den Weiler Strandsommer auf dem Marktplatz geliefert. Während der Pandemie gab es auf dem Gelände eine Impfaktion, beim Ausbruch des Kriegs in der Ukraine hatte die Firma eine Hilfsgüterlieferung organisiert. Und Ricarda Stäbler, die Chefin in vierter Generation, hat es erst vor wenigen Wochen wieder in den Gemeinderat geschafft. „Wir arbeiten hart“, sagt Stäbler. „Aber wird sind auch sehr gesegnet. Das wollen wir anderen zurückgeben.“
Expansion im Osten der Stadt
Dieser Arbeitsethos liegt den Familienmitgliedern wohl im Blut: Ein Jahrhundert ist es her, da gründete Gottlob Stäbler mit fünf Mitarbeitern das Unternehmen, damals noch in der Max-Casper-Straße. 1955 übergab er die Staffel an seinen Sohn Helmut, der den Weg des Familienunternehmens stark geprägt hat. Zwar habe jede Generation dazu beigetragen, dass das Unternehmen heute da steht, wo es ist. Aber: „Der Opa war sicherlich ein großer Visionär“, sagt Ricarda Stäbler. „Er hat die Weichen gestellt.“ Insbesondere ermöglichte er der Baufirma die Expansion, als er Anfang der 70er-Jahre den Umzug an den heutigen Standort in der Josef-Beyerle-Straße in die Wege leitete. So ein Gelände, das weiß seine Enkelin Ricarda Stäbler als Gemeinderätin genau, bekommt man in Weil der Stadt heute nicht mehr.
1993 treten die Söhne Kurt und Rolf, die dritte Generation, in die Geschäftsführung ein. Beide bekommen Kinder – eine Nachfolge wird den drei Mädchen aber nie aufgedrückt, erinnert sich Ricarda Stäbler. Beide Eltern hätten viel Arbeit in die Firma gesteckt, ihr Vater Kurt habe sogar mal einen Familienurlaub abgebrochen, weil es in Weil der Stadt eng wurde. „Aber ich erinnere mich nicht daran, dass wir als Kinder viel auf dem Gelände unterwegs oder in einer anderen Form eingebunden waren“, sagt Stäbler.
Wer übernimmt die Unternehmensnachfolge?
Zunächst zieht es sie auch gar nicht in die Baubranche – im Gegenteil. Als Jugendliche wollte sie erst Köchin werden, später ins Eventmanagement. Dafür war sie sogar auf einem Internat in den USA, hat ihr Abitur auf Englisch gemacht. Die Kehrtwende brachte schließlich der Tod des Großvaters Helmut. Was passiert mit der Firma, fragte sie sich damals. Und: Soll all das, wofür mehrere Generationen gearbeitet haben, einfach aufhören? Schwester und Cousine wollten nicht ins Unternehmen einsteigen. Ricarda Stäbler entschied sich dafür. Die Familie lies die Regelung der Nachfolge damals professionell und extern begleiten – darüber ist sie heute noch froh. „Manche Familien zerbrechen an dem Thema“, sagt sie. Statt Eventmanagement folgte für sie also ein duales Studium. „Ich war weder ein Oberass in Mathe noch in Physik“, erinnert sich Stäbler. „Das zeigt immerhin, dass man etwas hinkriegt, wenn man es wirklich will.“
Seit inzwischen sieben Jahren leitet sie also das Familienunternehmen Stäbler zusammen mit ihrem Vater. Der Onkel ist inzwischen aus der Firma ausgestiegen. Besonders die Anfänge waren für die neue Doppelspitze nicht immer leicht, im Büro sei es da schon hin und wieder lauter geworden. „Für Vater und Mutter ist man ja immer noch irgendwie Kind“, weiß Stäbler. „Ein Prozess erzeugt Wärme.“ Inzwischen läuft es im Vater-Tochter-Duo, man habe sich arrangiert – und weiß besser zu schätzen, was man am anderen hat.
Zwei große Projekte in harten Zeiten
Große Pläne für den Start ins zweite Firmen-Jahrhundert gibt es bei Stäbler erst einmal nicht. Zwei große Projekte hat die Firma gerade erst abgeschlossen. Eines davon: Das Zentrum für Kreislaufwirtschaft, das Stäbler gemeinsam mit dem Bauunternehmen Heinrich Feeß aus Kirchheim/Teck gegründet hat. Dort wird Bauschutt in Qualitätsrohstoffe umgewandelt. Auch eine Firma für Spezialtiefbau hat Stäbler erst jüngst übernommen. Zwei große Schritte in schwierigen Zeiten – „Aber wir hätten es nicht gemacht, wenn wir im Bau keine Zukunft sehen würden.“
In der Tat fällt das hundertjährige Jubiläum nicht gerade in eine rosige Zeit für die Baubranche: Corona, der Ukrainekrieg, der plötzlich die Materialpreise in die Höhe trieb, jetzt eine schwache Wirtschaft. „Man darf diese Krisen sicherlich nicht unterschätzen“, sagt Stäbler. „Aber man darf sich auch nicht wahnsinnig machen.“ Die Herausforderung sei es, die Mitarbeiter trotz allem zu motivieren. Aber der Bau, der sei schon immer eine Berg- und Talfahrt gewesen, sagt Stäbler. „Manchmal braucht man da auch einen längeren Atem.“