Firmenchef Milko Konzelmann (links) und Schwiegersohn André Konzelmann. Foto: Peter Stolterfoht

Zulieferbetriebe gelten als die großen Verlierer der Automobilkrise. Das muss nicht so sein, wie der Besuch bei dem Familienunternehmen Konzelmann im Kreis Ludwigsburg zeigt.

Das muss Milko Konzelmann erklären. Schließlich schafft er etwas, woran sich gerade viele Unternehmer vergeblich versuchen: einen Zulieferbetrieb unfallfrei durch die Autokrise zu steuern. Wo andere Firmen zuletzt große Einbußen hinnehmen mussten, Abfindungsprogramme auflegen und sogar betriebsbedingt kündigen mussten, kann er in den beiden vergangenen Jahren Wachstum verzeichnen. Woran liegt es, dass in seinem Betrieb der Trend umgekehrt wird?

 

Die Konzelmann GmbH, kurz KKI (Konzelmann Kunststoff-Innovationen), entwickelt und fertigt in Löchgau im Kreis Ludwigsburg Kunststoff-Bauteile. Was sich in Zeiten der automobilen Transformation als Vorteil erweist: die Kunststoff-Produkte werden nämlich jedem Antrieb gerecht. Ein Berstring, der in etwa so groß ist wie eine Zwei-Euro-Münze, verhindert beispielsweise Fehlfunktionen einer Lithium-Ionen-Batterie in E-Autos. Lager und Dichtungen wiederum spielen bei Verbrennermotoren eine Rolle. Weitere Produkte sind auf Plug-in-Hybride und die Wasserstofftechnik zugeschnitten.

Ein Zulieferer nicht nur für die Automobilindustrie

Seit 2002 hat die Konzelmann GmbH ihren Sitz in Löchgau. Foto: Stolterfoht

Dass dieser Zulieferbetrieb aber nicht nur im Automobilgeschäft breit aufgestellt ist, zahlt sich in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten ebenfalls aus. Für Stabilität sorgt der Geschäftsbereich Medizintechnik. Die dritte Säule sind technische Spezialanwendungen für andere Industriebereiche.

Als eine Stärke sieht der Firmenchef das „Taylor-Made-Konzept“, also individuell zugeschnittene Lösungen. „Bei uns entstehen Produkte im engen Austausch mit den Kunden“, sagt Milko Konzelmann, der die Überzeugung vertritt, dass ein mittelständisches Unternehmen von seiner Flexibilität lebt. Dieser Vorteil gegenüber großen Konzernen ginge aber durch staatliche Regulierungen oft wieder verloren. „Die bürokratischen Hürden sind immer höher geworden“, bemängelt Milko Konzelmann. „Die Vorgaben sind leider oft viel zu verkopft.“ Was er außerdem bedauert: Dass Kunststoff vor allem als Wegwerfmaterial gesehen und mit Einwegprodukten in Verbindung gebracht werde und deshalb ein schlechtes Image habe.

In seinem Unternehmen steht der Werkstoff dagegen für Begriffe wie Langlebigkeit, Nachhaltigkeit oder Wiederverwertung – unter dem Motto: „Maßgeschneiderte Lösungen, die Ökologie und Ökonomie vereinen.“

Zur Konzelmann-Strategie gehört außerdem, den Markt ständig im Auge zu haben, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können. Dafür ist der Schwiegersohn André Konzelmann (43) zuständig, Geschäftsführer der dritten Generation. „Die kurzen Entscheidungswege sind gerade ein Vorteil für das Familienunternehmen“, sagt André Konzelmann. Zu diesem Familienunternehmen gehören auch Milkos Ehefrau und die Töchter, die beide nach Babypausen in die Firma zurückkehren werden. Der Betrieb dürfte also langfristig in Familienhand bleiben.

Alles beginnt in einer Garage

Begonnen hat alles 1960 mit der Firmengründung durch Bodo Konzelmann, dem Vater von Milko Konzelmann. 1961 startete die Fertigung in der Garage von Bodo Konzelmanns Schwiegereltern in Bietigheim. Dem Autofan war als Sohn eines Arztes das zweite Geschäftsfeld Medizintechnik quasi in die Wiege gelegt. 1963 wurde der wachsende Betrieb nach Metternzimmern verlegt. 2002 folgte der Umzug nach Löchgau. 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zählt das Unternehmen mittlerweile, mehr waren es noch nie. „Wir sind natürlich gewachsen“, sagt André Konzelmann. Und so solle das auch bleiben.