Hat nichts mit den frittierten Frühlingsrollen zu tun: die Sommerrolle Foto: privat

Die Zutaten auf den Tisch stellen – und los geht’s: Sommerrollen können sich alle nach Vorliebe selbst basteln. Was das leichte Gericht noch alles kann.

Zugegeben: Mein Kind ist noch zu klein, um seine Meinung zu Sommerrollen zu äußern. Aber der sechs Monate alte Kerl wirft interessierte Blicke auf die Teller, wenn wir Karotten, Gurken, Paprika und dazu eine würzige Erdnusssauce auftischen. Und Sticks aus dem weichen Inneren der Gurke eignen sich gut, um daran zu nuckeln. Eine Hebamme hatte uns das kürzlich empfohlen. „Eeeiiin“, ruft er dann ab und zu, die Ähnlichkeit zum Nein werte ich als rein zufällig, auch wenn klar ist, dass er Karotten spannender findet. Es liegt, glaube ich, vor allem an der Ästhetik: Rottöne kommen bei ihm einfach besser an. Oder am Reiz des Verbotenen: Die harten Karottensticks sind nichts für ein kleines Baby.

 

Der bunte Baukasten ist einfach vorbereitet

Den großen Vorteil der Sommerrollen habe ich kürzlich entdeckt, als zwei Freunde zu Besuch waren. Die Zutaten werden einfach auf Tellern über den Tisch verteilt. Nur der Tofu wird angebraten und die Nudeln gekocht – aber auch die dürfen kalt werden. Genau das macht das Gericht ja auch so erfrischend. Alle bedienen sich dann selbst. Das macht die Vorbereitung einfacher.

Die Zubereitung läuft so: Man nimmt ein Blatt Reispapier, tunkt es für etwa 30 Sekunden in kaltes Wasser. Das weichgewordene Reispapier drapiert man auf den Teller und belegt es nach Belieben mit Karotten, Gurken, Paprika (jeweils zu feinen Sticks geschnitten) und Reisnudeln. Wer mag, kann auch noch gehobeltes Blaukraut hinzugeben, macht sich nicht nur farblich gut. Dazu gibt es bei uns noch Räuchertofu, die kleinen Würfel werden scharf angebraten und mit Sojasauce abgelöscht. Am besten passen die Tofuwürfel lauwarm in die Sommerrollen, finde ich, das Anbraten bietet sich also als einen der letzten Arbeitsschritte an.

Das Herzstück: Die Sauce und die Toppings

Für die Würze wichtig: Die Sauce und die Toppings. Die Erdnuss-Chili-Sauce mache ich im Wesentlichen nach einem Rezept der Ulmer Foodblogger von „Eat This“: 4 Esslöffel Erdnussmus oder -butter, 2 Esslöffel Sojasauce, 1 Esslöffel Sriracha (wer auf die scharfe Sauce wegen der Kinder verzichten will, kann auch 1 Esslöffel Tomatenmark beimengen, rundet den Geschmack ab und sorgt für eine gesunde Farbe). Dazu noch der Saft einer Limette (Zitrone geht auch) für die Säure, die von der Süße von 6 Datteln konterkariert wird (weil wir meist keine Datteln zuhause haben: 2 Esslöffel Rosinen funktionieren ebenso). Pürieren, fertig. Oben drauf kommt noch Basilikum und Koriander. Weil Letzterer polarisiert: Wir haben die Rollen auch schon mit Schnittlauch oder Frühlingszwiebeln getoppt, das schmeckt auch wunderbar.

Die große Kunst bei Sommerrollen ist es, sie nicht so vollzupacken, dass man hinterher keine Rolle mehr draus machen kann. Deswegen eine kleine Bauanleitung: Die Zutaten in einem vertikalen Streifen anordnen (also 90 Grad zur Tischkante).

Eine mögliche Technik: Erst oben einklappen (linkes Bild), dann die seitlichen Enden über die Zutaten rollen (rechs). Foto: privat/ 

Der Streifen sollte in der Breite maximal ein Drittel des Durchmessers des Reispapiers bedecken, auch oben und unten etwas Abstand lassen. Zuerst das Reispapier von oben einschlagen, dann jeweils die seitlichen Enden über die Zutaten ziehen. Das untere Ende darf offen bleiben, dort fängt man ja zu essen an.

Ein Versöhnungsangebot für Veggies und Fleischliebhaber

Übrigens: Sommerrollen eignen sich perfekt, um Menschen mit Vorlieben für veganes und fleischhaltiges Essen an einem Tisch zu vereinen: Braten Sie zusätzlich zum Tofu einfach noch Hühnchenfleisch an. Und weil es ein bisschen dauert, bis man sich genug Sommerrollen gebastelt hat, kann man auch in tiefere Gespräche über die richtige Ernährung einsteigen. So wird aus dem sommerlichen Mahl vielleicht auch noch eine Versöhnungsgeschichte – sofern vorher niemand eine Essensschlacht anfängt. Denn auch dafür eignet sich der Sommerrollen-Baukasten hervorragend.

Zutatenliste (4 Personen)

Auf jeden Fall
Für die Rollen: 16 Stück Reispapier, 4 Karotten, 1-2 Gurken, 2 rote Paprika (was an Gemüse übrig bleibt, landet später in einem Salat), ½ Bund Basilikum, ½ Bund Koriander. Für die Sauce: 4 EL Erdnussbutter oder -mus, 2 EL Sojasauce, 1 EL Sriracha, 1 Limette oder Zitrone, 6 Datteln.

Nach Geschmack
Blaukraut als zusätzliches Gemüse, Mango für eine fruchtige Note, Schnittlauch oder Frühlingszwiebel als Ersatz für Koriander, manche verwenden zusätzlich Minze, Tomatenmark als unscharfer Ersatz für Sriracha, Rosinen als Ersatz für die Datteln in der Sauce.