Nach dem Familiendrama mit drei Toten in Villingendorf liegen Windlicht, Kuscheltier und Blumen vor dem Tatort. Foto: dpa

Mit einem Großaufgebot und europaweit hat die Polizei nach dem 40-jährigen Mann gesucht, der seinen sechsjährigen Sohn und zwei Erwachsene in Villingendorf erschossen haben soll.

Villingendorf/Rottweil - Nach fünftägiger Flucht hat die Polizei den mutmaßlichen Dreifachmörder von Villingendorf (Kreis Rottweil) gefasst. Der Mann sei am Dienstag gegen 16.40 Uhr in Neufra, einem zur Stadt Rottweil gehörenden 1100-Einwohner-Dorf, von Beamten des Polizeireviers Rottweil auf offener Straße festgenommen worden, erklärte die Polizei am Abend. Der 40-jährige Kroate werde nun dem Haftrichter vorgeführt. Um 16.30 Uhr hatte sich ein Hinweisgeber bei der Polizei über die Notrufnummer 110 gemeldet, zehn Minuten später klickten bereits die Handschellen.

Zwei Streifenbeamte hätten den Mann festgenommen. Seine Waffe, ein Gewehr aus jugoslawischen Armeebeständen, habe er bei der Festnahme noch bei sich getragen, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Die Polizei erklärte, der Mann, der am Donnerstagabend zwei Erwachsene und seinen sechsjährigen Sohn bei dessen privater Einschulungsfeier erschossen haben soll, habe sich widerstandslos festnehmen lassen. Anschließend habe man im Polizeiauto auf Verstärkung gewartet. Nach einer Überprüfung der Identität stehe mittlerweile fest, dass es sich bei dem Festgenommenen um den Gesuchten handele, sagte eine Sprecherin des zuständigen Polizeipräsidiums in Tuttlingen. Alles weitere werde bei einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen in der Turn- und Festhalle in Villingendorf bekanntgegeben.

Polizei sucht im Wald und europaweit

Noch den ganzen Dienstag hatten 100 Polizisten systematisch das letzte von drei Waldstücken bei Villingendorf nach Spuren des Täters abgesucht. In der Nähe hatte die Polizei bereits am Donnerstagabend das Fahrzeug gefunden, in dem der Mann vom Tatort geflüchtet war. Zeugen hatten zudem Schüsse im Wald vernommen. Gleichzeitig hatte die Kripo den mutmaßlichen Täter zur europaweiten Fahndung ausgeschrieben. Neben einer Selbsttötung im Wald hatten die Ermittler auch eine Flucht nach Kroatien für möglich gehalten.

Die Festnahme erfolgte nun aber keine 13 Kilometer südöstlich vom Tatort. Wo sich der Gesuchte die vergangenen Tage aufhielt, gab die Polizei zunächst nicht bekannt. Der Weg von Villingendorf nach Neufra dauert zu Fuß zweieinhalb Stunden und führt mitten durch die Stadt Rottweil.

Der Innenminister ist erleichtert

„Wir haben alles getan, um den Mann zu finden. Das hat sich ausgezahlt“, sagte die Polizeisprecherin. So war bei der Kriminalpolizei in Rottweil eine 63-köpfige Sonderkommission „Hochwald“ eingerichtet worden. Am Morgen hatte die Staatsanwaltschaft Rottweil eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führen sollten. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) dankte kurz nach der Festnahme in einem Telefonat dem stellvertretenden Tuttlinger Polizeipräsidenten Gerold Sigg für die „hervorragende Ermittlungsarbeit“ und gab sich erleichtert. Die schreckliche Bluttat und der flüchtige Tatverdächtige hätten die Menschen tief aufgewühlt und verunsichert.

Wie berichtet, war der Mann am Donnerstagabend in die Einliegerwohnung seiner seit einigen Monaten von ihm getrennt lebenden Ehefrau in einem Wohngebiet in Villingendorf eingedrungen und hatte sofort das Feuer eröffnet. Außer seinem Sohn, der erst am Mittag in der örtlichen Grundschule eingeschult worden war, starben auch der neue Lebensgefährte seiner Frau und dessen Cousine, die zur Feier der Einschulung gekommen war. Ihre dreijährige Tochter konnte sich verstecken. Der Exfrau des Mannes gelang die Flucht zu einer Nachbarin. Sie war von der Polizei an einem sicheren Ort untergebracht und rund um die Uhr bewacht worden. Ob der Mann auch sie erschießen wollte, müssen die weiteren Ermittlungen nun ergeben.

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