Im Löchgauer Mordfall sagte am zweiten Prozesstag die Ex-Partnerin des Opfers aus. Foto: dpa

Was bringt einen 83-Jährigen dazu, seinen eigenen Sohn zu erschießen? Der Ablauf der Ereignisse am Pfingstmontag 2014 in Löchgau ist weitgehend geklärt, aber das Warum wird die 1. Schwurgerichtskammer des Heilbronner Landgerichts noch länger beschäftigen.

Löchgau/Heilbronn - Am zweiten Verhandlungstag war als Hauptzeugin eine Bürokauffrau aus Ludwigsburg geladen, die bis zu dessen Tod mit dem Opfer liiert war. Die Richter interessierte vor allem, was für ein Mensch der 54-Jährige gewesen ist.

Immerhin hatte dessen Vater am ersten Prozesstag zwar ein umfassendes Geständnis abgelegt, dabei aber erklärt, er habe nach jahrelangen Streitigkeiten keinen anderen Ausweg mehr gesehen als den Griff zur Waffe. Der Sohn habe ihn und seine Frau tyrannisiert.

Die Zeugin zeichnete ein ganz anderes Bild von dem Opfer. Ihr Partner habe sich liebevoll um die gemeinsame Tochter gekümmert, sei ein fröhlicher und friedlicher Mensch gewesen.

"Immer korrekt und höflich"

„Zu uns war er immer korrekt und zu anderen höflich.“ Einige Monate lang hatte die Frau mit dem späteren Opfer in Löchgau und damit direkt neben dessen Eltern gelebt, und ihrer Einschätzung nach gingen die Provokationen damals nicht von ihrem Freund aus. Nie hätten die Großeltern sich für ihr Enkelkind interessiert, erzählte die Zeugin.

Die Frage, von wem die Aggressionen ausgingen, ist für den Prozess durchaus entscheidend – denn die Schilderungen des Angeklagten deuteten darauf hin, dass dieser quasi in Notwehr gehandelt habe.

Die Aussage der Lebensgefährtin passen nicht in dieses Bild. An den kommenden Verhandlungstagen werden weitere Familienmitglieder befragt.

Auch zu seinem Bruder hatte das spätere Opfer offenbar ein äußerst angespanntes Verhältnis. Die Zeugin berichtete jedenfalls, ihr Freund sei eine Zeit lang nur noch mit einer Eisenstange vor die Tür gegangen, wenn sein Bruder in der Nähe gewesen sei. Der Prozess wird am 16. April fortgesetzt.

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