Die Firmengebäude an der Porschestraße sind in den 1970er Jahren errichtet worden. Was aus ihnen wird, ist noch nicht klar. Foto: Bernd Zeyer

Die Firma Vollmer, seit mehr als fünf Jahrzehnten Hersteller von Modellbahnzubehör, macht im Juni dicht.

Zuffenhausen - Seit mehr als einem halben Jahrhundert produziert die Firma Vollmer an der Porschestraße Modellbahnzubehör für den nationalen und internationalen Markt. Speziell zur Weihnachtszeit herrschte in dem Familienunternehmen stets Hochbetrieb. Weihnachten 2013 freilich brachte Unruhe ganz anderer Art: Im Dezember sind die Mitarbeiter von Geschäftsführerin Susanne Vollmer davon unterrichtet worden, dass die Firma zum 30. Juni 2014 schließen wird. Das Gelände hat die Firma Porsche gekauft.

„Die Entscheidung war und ist schmerzhaft“

„Die Entscheidung war und ist schmerzhaft“, sagt Susanne Vollmer, Tochter des Firmengründers Wolfram Vollmer, mit stockender Stimme. Letztendlich hätten aber die Gesellschafter der Firma, die alle Familienmitglieder sind, einen Schlussstrich unter die Strukturveränderungen der vergangenen Jahre gezogen. Man habe eine Insolvenz oder einen Konkurs auf jeden Fall vermeiden wollen. „So liegt es in unseren Händen, den Betrieb geordnet und geregelt zu schließen“, betont Vollmer. Selbst wenn es schwer verständlich sei, wäre dies eine Entscheidung auch im Sinne der Mitarbeiter. Die könnten nun wenigstens bis zum 30. Juni beschäftigt und auch bezahlt werden. Von Anfang an, das betont die Geschäftsführerin, sei das Arbeitsamt mit eingebunden gewesen. Auch Vollmer selbst möchte ihren Mitarbeitern dabei behilflich sein, neue Jobs zu finden. Viele von ihnen sind schon seit langer Zeit im Betrieb, jeden kennt die Geschäftsführerin persönlich.

Gegründet worden war die Firma im Jahr 1946 von Wolfram Vollmer. Drei Jahre später wurden auf der Nürnberger Spielwarenmesse Oberleitungen für Modellbahnen vorgestellt, der Betrieb residierte damals noch im Keller des Zuffenhäuser Bezirksrathauses. An den heutigen Standort Porschestraße 25 zog man in den 1950er Jahren. Seit 1954 wird Modellbahnzubehör hergestellt, zunächst umfasste das Sortiment 13 Artikel. Anfangs wurde in Holzbaracken produziert, 1973 dann das heutige Firmengebäude errichtet und im Laufe der Jahre erweitert. Momentan umfasst das Sortiment rund 1000 Artikel.

Die Firma ist immer weiter geschrumpft

„Wir haben ständig rationalisiert und die Produktionsprozesse optimiert“, sagt Susanne Vollmer. Die Firmengröße sei immer wieder an den schrumpfenden Markt angepasst, leer werdende Räumlichkeiten auf dem Betriebsgelände an andere Firmen vermietet worden. Zudem habe die Geschäftsführung sich Tag für Tag damit beschäftigt, wie weit die Firma lebensfähig sei. Auch die Modellpolitik sei richtig gewesen, sonst hätte man sich nicht so lange am Markt halten können. Rote Zahlen, das betont Vollmer, habe man nie geschrieben und schreibe man auch heute nicht. Auskünfte über die finanzielle Entwicklung möchte sie allerdings nicht geben und auch nicht sagen, wie viele Mitarbeiter momentan noch beschäftigt sind.

Dass alles Engagement dann doch nicht gereicht habe, liegt laut Vollmer an der Entwicklung in der Modelleisenbahn-Branche. Nicht nur Märklin habe Insolvenz anmelden müssen, auch andere Hersteller seien mehr und mehr in Schieflage geraten. Zudem habe die Zahl der Händler immer weiter abgenommen. Das Internet hätte davon nur einen Teil abfangen können. Aus Rücksicht auf den Handel, das erläutert Vollmer, habe man selbst nie einen eigenen Internetversand angeboten. Ohnehin ist ihrer Meinung nach das weltweite Datennetz die falsche Verkaufsplattform für Modelleisenbahnen und deren Zubehör. Diese Dinge wolle der Kunde vor dem Kauf selbst anschauen und in der Hand halten.

„Wir wollen uns nicht vom Markt schleichen“

„Wir wollen und müssen uns nicht vom Markt schleichen“, sagt Vollmer. Deshalb besuche man Ende Januar auch nochmals die Spielwarenmesse in Nürnberg. Außerdem arbeite man gerade an einem achtseitigen Neuheitenprospekt, der rechtzeitig zur Messe erscheinen soll. Soweit es gehe, solle noch bis zum 30. Juni produziert werden, ebenso werde man die Händler bis dahin beliefern.

Was die Firma Porsche mit dem Gelände vor hat, ist noch unklar. „Derzeit gibt es noch keine Entscheidung, was dort geschehen wird“, sagt Eberhard Scholl, Unternehmenssprecher Standortpresse der Porsche AG. Gekauft hat der Autohersteller, dessen Museum es als Modell bei Vollmer gibt, das Gelände bereits.

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