Eva Teufel setzt auf ein lebendiges Miteinander in der Jugendhilfe. Foto: Simon Granville

Eva Teufel ist bei der Jugendhilfe Hochdorf aus der zweiten Reihe in die erste aufgerückt. Die 49-jährige Sozialpädagogin freut sich auf die neue Herausforderung, macht sich aber auch des Geldes wegen Sorgen.

Ludwigsburg - Die evangelische Jugendhilfe Hochdorf ist ihr längst vertraut. Vor acht Jahren wechselte Eva Teufel von Bretten nach Ludwigsburg. Von der einen evangelischen Jugendhilfe in die andere. Nach dem Wechsel in die Barockstadt startete die Sozialpädagogin zunächst als Fachleiterin, dann kam mit 50 Prozent noch das Amt der Vorstandsreferentin dazu. Am 8. Oktober trat Teufel die Nachfolge von Claudia Obele an, die beinahe 30 Jahre lang der Kopf der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf war.

 

Die Gestaltungsmöglichkeiten reizen

Wenn jemand so lange ein Amt geprägt hat, sind die Fußstapfen groß. Das weiß auch Eva Teufel. Mit Respekt vor dem, was auf sie zukommt, aber auch mit Lust darauf, packt sie ihre neue Aufgabe an. „Wenn jemand von außen gekommen wäre, hätte es einen Bruch gegeben“, ist die Ditzingerin überzeugt. „Ich kenne die Mitarbeiter. Vieles geht nahtlos weiter.“

Und doch spürt die 49-Jährige schon nach drei Wochen, dass der neue Job, an dem sie vor allem die Möglichkeit zu gestalten reizt, auch neu fordert: „Ich trage jetzt eine andere Verantwortung“, sagt sie. Etwa für die derzeit mehr als 100 im diakonischen Jugendhilfeunternehmen Mitarbeitenden. In unterschiedlichen Betreuungsformen – stationär wie ambulant – fördern, begleiten und betreuen sie im Landkreis etwa 250 Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und ihre Familien. Über die klassischen Angebote der Hilfen zur Erziehung hinaus engagiert sich der Träger zunehmend in den Regionen vor Ort insbesondere durch verstärkte Kooperation mit Schulen und anderen Institutionen im Gemeinwesen.

Leben und Lernen lohnt sich

Die Jugendhilfe sei in ihrem Tun zukunftsorientiert, betont Eva Teufel. „Wir unterstützen junge Menschen und ihre Familien dabei, dass sie zusammenbleiben können und gut miteinander zurecht kommen.“ Dabei sei es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen Ressourcen entfalten und erkennen, dass sich das Leben aber auch das Lernen lohnt. „Es ist wichtig, dass wir uns an jedem Einzelnen orientieren und schauen, was ganz individuell passt. Denn es gibt viele Lebensentwürfe“, betont Teufel.

Inklusion als Herausforderung

Vor neue, große Herausforderungen stellt das Kinder- und Jugendhilfegesetz die Einrichtungen. Das Thema Inklusion wird die Jugendhilfe Hochdorf beschäftigen. Denn bisher werden von der Jugendhilfe keine Kinder und Jugendliche mit einem pflegerischen Bedarf betreut. Eine Herausforderung war und ist aber auch die Coronapandemie. Viele Kinder und Jugendliche müssen, so Teufel, das soziale Miteinander wieder lernen. Viele sind vereinsamt und psychisch angeschlagen. Von der Einrichtung hat sie ein hohes Maß an Flexibilität und Kreativität gefordert. „Wir wollten so präsent wie möglich sein und haben auch versucht, die Gruppenangebote aufrechtzuerhalten.“

Hatte man sich anfangs eine mediale Betreuung nicht vorstellen können, merkten Teufel und ihr Team recht schnell, dass sie ganz gut funktioniert. „Das ging vom virtuellen Versteckspiel über das gemeinsame Lernen am Laptop.“

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Zusatzkosten durch Corona

Im Magen liegen der Hochdorf-Chefin allerdings die coronabedingten Zusatzkosten. 13 000 Euro sind es bis heute angefallen – darin enthalten sind vor allem Masken, Desinfektionsmittel, Tests, Einmalhandschuhe und Schutzanzüge. „Bisher gibt es weder auf Landesebene noch auf Kreisebene eine Möglichkeit, dass sie erstattet werden. Im Altenhilfebereich ist das anders“, moniert Teufel.

Man sei im Gespräch mit dem Kreis, habe aber noch keine Lösung gefunden. Und noch etwas macht ihr Sorgen: „Corona hat Bund, Land und die Kreise viel Geld gekostet und die Frage ist doch, wo in Zukunft gespart wird. Ich hoffe nicht bei uns.“