Im Hallschlag ist die Weiterentwicklung des Familienzentrums gefährdet. Foto: Zweygarth

Die Bewohner und die soziale Einrichtung sorgen sich um die Zukunft des Familienzentrums.

Hallschlag - Matthias Klotzbüchers Herz schlägt für den Hallschlag: Seit 40 Jahren lebt und engagiert er sich im Stadtteil. Noch nie habe sich seine Heimat so stark und so rasant verändert wie in diesen Tagen. „Es gibt eine ganz neue Durchmischung, die für die meisten Bewohner sehr positiv ist.“ Auch und vor allem durch die Soziale Stadt entstünden neue Kontakte und Bildungschancen. Es gebe aber auch Verunsicherung: „Die Menschen wollen natürlich wissen, was in ihrer Umgebung passiert.“ Sowohl für alteingesessene Bewohnerinnen und Bewohner als auch für neu Hinzuziehende sei eine zentrale Anlaufstelle deshalb wichtiger denn je.

Dreh- und Angelpunkt und neues Zentrum des Hallschlags soll das Familien- und Nachbarschaftszentrum an der Straße Am Römerkastell werden. Mit Angeboten wie gemeinsamen Ausflügen, Backnachmittagen und Sportangeboten soll das Kinderhaus Hallschlag nach und nach zum Familienzentrum werden, eine Anschubfinanzierung in Höhe von 90 000 Euro hat es dafür aus Mitteln der Sozialen Stadt gegeben. In einem Neubau an der Stelle des Gebäudes Am Römerkastell 69 soll es wie berichtet nicht nur neue Räume und mehr Platz für die AWO-Begegnungsstätte, sondern auch eine internationale Bibliothek sowie einen Bürgersaal geben. „Unser Ziel ist, die bestehenden Einrichtungen zu bündeln und sie untereinander örtlich und inhaltlich besser zu vernetzen“, sagt Antje Fritz vom Stadtteilmanagement.

Die Alarmglocken schrillen

Zwei verwaltungsinterne Entwicklungen lassen nun bei den Bürgern und den beteiligten Einrichtungen die Alarmglocken schrillen: „Der Vorschlag des Jugendamtes zur Finanzierung der Kinder- und Familienzentren ab 2012 wird keine Regelförderung des Kinderhauses Hallschlag mehr enthalten, obwohl diese in Aussicht gestellt worden war“, sagt Peter Kriesel, der Geschäftsführer des Kinderhauses. Damit sei die Weiterentwicklung des Hauses zu einem Familienzentrum gefährdet – dem im Prozess der Sozialen Stadt eine Schlüsselrolle zukommt. Für die Stadträtinnen Beate Bulle Schmid (CDU) und Marita Gröger (SPD) ist dies ebenfalls ein Grund zur Sorge. Allerdings gaben sie zu bedenken, dass noch nicht feststehe, welche Einrichtungen von den finanziellen Kürzungen betroffen seien: „Der Gemeinderat hat noch nicht entschieden.“

Vor allem ein zeitliches Problem sehen die Beteiligten Akteure in dem Vorschlag, im Haus Am Römerkastell 69 übergangsweise Flüchtlinge unterzubringen. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass in ein Gebäude erheblich investiert werden soll, das ohnehin bald abgerissen wird“, sagt Fritz. 65 000 Euro sollen in den Umbau investiert werden, die Flüchtlinge für ein Jahr in dem Gebäude bleiben. „Ein Jahr wäre die absolute Obergrenze, jeder Monat mehr würde das Projekt gefährden“, sagt Ulrike Bachir vom Amt für Stadtplanung und -erneuerung. Grund für den Zeitdruck ist, dass das Bund-Länder-Programm soziale Stadt im Jahr 2015 endet und Abbruch und Neubau bis zu diesem Zeitpunkt beendet sein müssen. Einstimmig hatte sich deshalb zuletzt auch der Bezirksbeirat Bad Cannstatt gegen die Nutzung des Gebäudes als Flüchtlingsunterkunft ausgesprochen.

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