Die Kitagebühren in Sindelfingen werden erhöht. Zwar moderater als vorgesehen, doch in den nächsten Jahren werden weitere Erhöhungen folgen. Eine Gruppe betrifft es besonders.
Nach langem Ringen ist in Sindelfingen eine Entscheidung zu den Kita-Gebühren gefallen. Die Stadträte haben sich nach mehreren Runden nun darauf geeinigt, die Gebühren ab 1. August 2026 zu erhöhen. Ein Kompromiss, der aus Sicht des Gesamtelternbeirats erforderlich war.
Für eine Familie mit einem Kind über drei Jahren, das 30 Wochenstunden betreut wird, bedeutet das, dass sie statt 105,50 Euro ab dem Sommer 113,50 Euro bezahlen müssen. Dies wird rund 35 Prozent der Kinder betreffen. Im ursprünglichen Entwurf der Verwaltung hätte diese Gruppe zunächst keine Erhöhung bekommen, sondern hätte sogar einen Euro weniger bezahlt.
Erhöhung der Kita-Gebühren – Vor allem in den Randzeiten?
Heftig kritisiert in der Debatte um die Anhebung der Gebühren wurde der ursprüngliche Vorschlag der Verwaltung: Dieser sah vor, vor allem die Betreuung in den Randzeiten übermäßig teurer zu machen. Für eine Familie mit einem Kind unter drei Jahren, das ganztags von 7.30 Uhr bis 17.30 Uhr betreut wird, war ursprünglich eine Erhöhung von 344 Euro auf 770 Euro vorgesehen gewesen. Dagegen legten zahlreiche Stadträte allerdings ihr Veto ein. Mit der nun beschlossenen Erhöhung wird diese Betreuung rund 500 Euro kosten.
„Was wir heute vorschlagen, ist für einige Bürger hart.“
Markus Kleemann, Oberbürgermeister in Sindelfinger OB
„Was wir heute vorschlagen, ist für einige Bürger leider hart“, sagte der Sindelfinger Oberbürgermeister Kleemann in der Gemeinderatssitzung. Ihm sei bewusst, dass diese Erhöhung für viele Eltern sehr viel Geld sei. Die aktuelle Haushaltslage lasse der Verwaltung jedoch keine andere Wahl. Durch die Haushaltssperre sei ein Nachtragshaushalt notwendig, in dem alle Gebühren und Steuern unter die Lupe genommen werden müssten. Im Vergleich mit anderen Kommunen habe die Stadt Sindelfingen in den letzten Jahren Kita-Gebühren verlangt, die im Vergleich zu anderen Kommunen unterdurchschnittlich waren. Das zeigt auch ein Vergleich unserer Zeitung.
Sindelfingen im Vergleich zu anderen Kommunen?
Um die Betreuungsgebühren in den größten Städten im Kreis Böblingen vergleichen zu können, wurden jeweils die jährlichen Beträge für eine ganztägige Betreuungszeit von 45 Wochenstunden berechnet. Jährlich deshalb, weil manche Kommunen in elf Monaten, andere in allen zwölf Monaten Beiträge erheben. Zumal 45 Wochenstunden erlauben, dass beide Elternteile Vollzeit arbeiten können. In Sindelfingen wurde dabei von der ganztägigen Betreuung mit einer Wochenstundenzahl von 42,5 Stunden ausgegangen – weil das am nächsten an der in den anderen Kommunen betrachteten Betreuungszeit liegt.
So bezahlt eine Familie für die 45-stündige Betreuung ihres Kita- oder Kindergarten-Kinds in Herrenberg und Leonberg etwa doppelt so viel wie in Sindelfingen – wie die folgende Grafik zeigt:
Mit den Erhöhungen will es die Stadt Sindelfingen schaffen, ihren Kostendeckungsgrad von rund acht auf rund 16 Prozent zu bringen. Das Land empfiehlt einen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent. Der aktuelle Vorschlag, dem der Gemeinderat mehrheitlich am Dienstag zugestimmt hat, soll den Kostendeckungsgrad zumindest verbessern, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. Er sei sozial verträglicher ausgestaltet, doch die Verwaltung gehe davon aus, dass die Konsolidierungswirkung in einer vergleichbaren Größenordnung liegt.
Es gibt immer noch Kritik an den Erhöhungen
Trotz der mehrheitlichen Zustimmung, gab es immer noch Kritik aus dem Gremium: Die moderateren Erhöhungen seien immer noch zu hoch, kam aus den Reihen der SPD. Auch Richard Pitterle, Stadtrat für die Linken, sah sich nicht in der Lage, dem Vorschlag zuzustimmen: Kitas sollten kostenlos sein. Die AfD enthielt sich des Votums, weil sie das Grundproblem in einem zu hohen Betreuungsschlüssel sieht – die Qualität der Einrichtungen sei zu hoch.
Letztlich jedoch stimmte das Gremium den Erhöhungen mehrheitlich zu. Außerdem einigte sich das Gremium darauf, einen Workshop anzusetzen, in dem zukünftige Erhöhungen erörtert werden sollen. Eine Gebührenstaffelung nach Einkommen soll nicht kommen. Allerdings wurde ein Antrag der SPD angenommen, mit dem die Verwaltung aufgerufen wird, die Berechtigungskarte, mit der Sindelfinger von Vergünstigungen auch für Kitagebühren profitieren, nochmals unter die Lupe zu nehmen und möglicherweise auszuweiten.
Vergleich der Kitagebühren
Gebührenordnung
Für die Höhe der Betreuungsgebühren in den vier größten Städten des Landkreises haben wir uns an den Gebührensatzungen der Kommunen orientiert. Herrenberg erhöhte zuletzt die Gebühren zum Februar diesen Jahres.
Berechnung
Um die Gebühren vergleichbar zu machen, wurden sofern vorhanden die Betreuungsform von 45 Stunden gewählt. In Sindelfingen kommt dem die ganztägige Betreuung mit 42,5 Wochenstunden am Nächsten.
Dafür wurde zudem in Herrenberg die Gehaltsstaffelung berücksichtigt und dafür das landesweite verfügbare Einkommen privater Haushalte pro Kopf angenommen. Abzüglich direkter Steuern und Sozialbeiträge lag das dem Statistischen Landesamt zufolge, zuletzt bei etwas mehr als 30 000. Geht man davon aus, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten, kommen sie gemeinsam auf rund 60 500 Euro im Jahr.