Jenny Wünsch sucht seit 2017 nach einer Wohnung für sich und ihre Töchter. Foto: dpa

Weil sie keine Wohnung finden, leben Jenny Wünsch und ihre beiden Kinder in der Obdachlosenunterkunft. Als sie in einer TV-Sendung auftritt, bekommen das viele Filderstädter mit – und wollen helfen.

Filderstadt - Zwei Jahre betrage die Wartezeit, habe es bei der Stadt geheißen, als Jenny Wünsch sich nach einer Sozialwohnung erkundigte. Im November 2017 musste sie mit ihren beiden Töchtern Lara und Natalie aus ihrer Wohnung in Bonlanden ausziehen. Eine neue hatten sie trotz aller Bemühungen nicht gefunden. So kam es, dass die Familie in die Obdachlosenunterkunft in Sielmingen gezogen ist.

Hier leben die drei immer noch. Weiter sucht Jenny Wünsch nach einer Wohnung – bisher erfolglos. „Meistens wird das gar nicht begründet“, erzählt sie. Wenn doch, sind es entweder die Kinder, die von Vermietern nicht gewünscht sind, oder der Hund. „Wir haben unseren Hund, seit er neun Wochen alt ist“, sagt Wünsch. „Jetzt ist er schon alt, aber wir würden ihn nie weggeben.“ Vier bis fünf Wohnungsangebote findet sie im Internet täglich, auf alle meldet sie sich. Rückmeldungen bekommt sie nur selten – und wenn, dann sind es Absagen. Wünsch sucht eine Vier-Zimmer-Wohnung im Raum Stuttgart und Esslingen. „Ich weiß, die Wohnungssuche ist kein Wunschkonzert“, sagt die 31-Jährige. „Aber irgendwo muss es doch etwas für uns geben.“

Die TV-Sendung soll auf sie aufmerksam machen

Um auf sich aufmerksam zu machen und so eine Wohnung zu finden, hat sich Jenny Wünsch bei der RTL-2-Sendung „Armes Deutschland – deine Kinder“ beworben. In der Sendung erzählen Wünschs Töchter Lara (11) und Natalie (12), wie schwer es für sie ist, in der Obdachlosenunterkunft zu leben, wo die Nachbarn mitunter schwierig sind, und Jenny Wünsch berichtet von ihrer Suche nach einer Wohnung und einem Job.

Die Ausstrahlung der Sendung haben viele Filderstädter mitbekommen. Über die Facebookseite „Filder-Pinnwand“ ist eine große Welle an Solidarität entstanden: Viele wollten helfen, sind sogar bei der Unterkunft vorbeigefahren, um Jenny Wünsch Sachen vorbeizubringen. „Das war unglaublich und überwältigend“, sagt sie. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Leute sich so für uns einsetzen.“ Die Helfer haben Wintersachen für die Mädchen vorbeigebracht, auch Lebensmittelspenden, andere haben sie in Restaurants eingeladen oder Einkaufsgutscheine überbracht. Zu den Menschen, die Jenny Wünsch in der Obdachlosenunterkunft besucht haben, gehört auch Ines Schmidt. Sie ist Administratorin der „Filder-Pinnwand“-Facebookseite und hat gesehen, wie viel Mitgefühl in den Kommentaren aufgekommen ist. „Ich war auch erschüttert, als ich die Sendung gesehen habe“, sagt Schmidt. „Wenn das wirklich so ist, dass man zwei Jahre auf eine Sozialwohnung warten muss, dann ist das skandalös.“ Filderstadt sei eine reiche Stadt. Dass es keine bezahlbaren Wohnungen gebe, sei ein Unding. Froh war Ines Schmidt über die große Hilfsbereitschaft der Filderstädter. „Die Leute sind sozial eingestellt, ganz klar. Wenn sie wissen, wohin ihre Unterstützung geht, dann geben sie gerne.“

Dankbar für alle Spenden

Mittlerweile hat Jenny Wünsch auch wieder einen Job gefunden, auch einen Partner hat sie, der ihr den Rücken stärkt. Jetzt fehlt nur noch eine neue Wohnung. „Ich bin wirklich sehr dankbar für all die Spenden“, sagt sie und betont: „Wir haben so vieles bekommen, wir brauchen jetzt keine Sachspenden mehr. Es gibt sicher noch andere Familien in einer ähnlichen Lage, die noch Hilfe brauchen. Wir brauchen nur noch eine neue Wohnung – alles andere kriegen wir alleine hin.“

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