Trotz des Verbots: Immer wieder streuen Tierliebhaber Futter für die Stadttauben aus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Im Stadtgebiet von Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) wird immer wieder Futter für die Stadttauben verteilt. Gestattet ist das nicht – aus gutem Grund. Warum man den Vögeln damit mehr schadet als hilft.

Sie sitzen auf Denkmälern, Häuserdächern, Parks und so ziemlich jedem öffentlichen Platz: Tauben sind ein alltäglicher Anblick in Städten. Die Vögel hinterlassen allerdings auch große Mengen an Kot. Daher wird es nicht gern gesehen, wenn Tierfreunde sie füttern. Das ist zwar gut gemeint, kann aber für die Tauben und das städtische Umfeld problematisch sein. Darauf weist die Stadt Kirchheim aus aktuellem Anlass in einer Mitteilung hin.

 

Immer wieder erreichen das Rathaus Beschwerden darüber, dass Tauben gefüttert werden, berichtet die Sprecherin der Stadtverwaltung, Vanessa Palesch. Der Ordnungsbehörde würden entsprechende Beobachtungen, aber auch Hinweise auf ausgestreute Brotkrumen, Weizen, Reis, Vogelfutter und Mais im Stadtgebiet gemeldet. Derzeit ist das den Angaben zufolge in der Gerberstraße, am Postplatz, entlang der Stuttgarter Straße bis zum Toom-Markt und entlang des Nanz-Centers an der Kolbstraße verstärkt festzustellen.

Falsches Futter schadet den Vögeln

Abgesehen davon, dass so auch Ratten angelockt werden, tut man den Vögeln damit nichts Gutes, teilt die Stadt mit. Denn häufig handelt es sich um ungeeignetes Futter, das die passionierten Körnerfresser krank machen kann. Und nicht zuletzt wird das Brutverhalten durch das Nahrungsangebot bestimmt. Je größer es ist, umso größer wird die Taubenpopulation – was wiederum den Tieren selbst schadet, da sich immer mehr Exemplare einen beengten Lebensraum teilen müssen. Die Stadt Kirchheim setzt daher schon seit vielen Jahren auf artgerechte Plätze zum Leben: 2010 wurde im Dachgeschoss des Spitals, im Herzen der Innenstadt, ein Taubenschlag eingerichtet, es folgten weitere in der Dreikönigstraße und in der Alleenschule sowie in der Kelter im Ortsteil Jesingen mit mehreren dutzend Nistzellen. Und die sind regelmäßig belegt. „Alle vier Standorte werden gut angenommen“, berichtet Palesch.

Taubenwart Hans-Joachim Hennings kümmert sich um die Nistplätze. Foto: Stadt Kirchheim/Archiv

„Rundum-Service“ für Tauben

Der Vorteil: In den Verschlägen erhalten die Vögel quasi einen Rundum-Service. Sie erhalten täglich Futter und Wasser, ihre „Zimmer“ werden mehrmals die Woche gereinigt, und auch auf den Gesundheitszustand der Tauben wird geachtet. Vor allem aber kann das Ausbrüten von frisch gelegten Eiern verhindert werden – Tauben paaren sich immerhin bis zu sieben Mal im Jahr.

Mit dem Austauschen der Gelege durch Gipsattrappen wird aktiv Bestandsmanagement betrieben. Laut Palesch führt der Taubenwart der Stadt, Hans-Joachim Hennings, darüber genau Buch. Daher weiß sie: „Es wurden 968 Eier im Jahr 2024 ausgetauscht.“ Die „Geburtenkontrolle“ scheint wirkungsvoll zu sein: Die Taubenpopulation sei „eher kleiner geworden“, schätzt Palesch ein. „Dies bestätigen auch Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger.“ Wie viele Vögel es im Stadtgebiet tatsächlich gibt, sei jedoch nicht bekannt.

Taubenschläge werden von den Tieren jedoch nur gut angenommen, wenn sie nicht woanders mit Futter versorgt werden. Und deshalb setzen viele Städte und Gemeinden auf ein zentrales Steuerungsinstrument: das Taubenfütterungsverbot. Auch in Kirchheim ist gemäß Paragraf 17 der Polizeiverordnung „das Füttern von Tauben auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen sowie in Grün- und Erholungsanlagen nicht gestattet“. Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die je nach Stadt ein saftiges Bußgeld nach sich ziehen kann. In Stuttgart zum Beispiel drohen bis zu 5000 Euro Strafe. Sanktionen hat das Kirchheimer Rathaus laut Palesch bislang allerdings noch nicht verhängt.