Typisch Mann – so was will unser Kolumnist nicht von Frauen sehen. Foto: dpa

Wenn Frauen sich beim Autofahren wie Männer benehmen, läuft gewaltig was schief, meint unser Kolumnist.

Stuttgart - Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin für Emanzipation. Wer’s nicht glaubt, kann sich gern in meinem persönlichen Umfeld umhören. Dann wird er erfahren, dass ich meine Hemden selbst bügle. Des Weiteren bringe ich ungefragt den Müll raus und latsche in eigenhändig übergestreiften Pantoffeln in die Küche, um mir ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen. Ob ich damit bereits unter die Kategorie „Vorzeigemann des einundzwanzigsten Jahrhunderts“ falle, weiß ich nicht. Ist mir auch nicht so wichtig. Ich hatte schon immer ein entspanntes Verhältnis zum Mittelmaß.

An alten Zöpfen festhalten

Gleichwohl will ich als emanzipierter Mann an ein paar alten Zöpfen festhalten, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich den Verdacht habe, dass manche Frauen das eigentlich ganz gut finden. So halte ich Frauen beim Einsteigen grundsätzlich die Autotüre auf. Ich mache das natürlich nicht, wenn die Frau sich selbst hinters Steuer setzt. Das fände ich affig. Außerdem müsste man damit rechnen, missverstanden zu werden. Womöglich käme das so rüber: „Ach Schätzchen, lass dir doch helfen, damit du dich voll und ganz aufs Autofahren konzentrieren kannst. Ich find’s ja ganz toll und total mutig von dir, dass du dir das zutraust, bei dem ganzen Verkehr heutzutage – zumal viele Frauen ja mit der Technik eher auf Kriegsfuß stehen.“ So etwas würde ich nie und nimmer denken, schon deshalb nicht, weil ich die Floskel „auf Kriegsfuß stehen“ altbacken finde.

Beim Türöffnen den Galan spielen

Aber bei Frauen, die auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, lasse ich mir es nicht nehmen, den Galan zu spielen. Habe ich schon immer getan – und die Geste in einem früheren Leben als Taxichauffeur sogar kultiviert. Natürlich auch aus niederen Beweggründen. Wenn du als Taxler halbwegs was in der Birne hast, hältst du auch männlichen Fahrgästen den Schlag auf. Doch lassen wird das Geschäftliche und kehren zurück ins Privatleben.

Erotische Spannung verpufft

Ein paarmal ist es mir passiert, dass die eben eingestiegene Frau sich vom Beifahrersitz aus zur Fahrerseite herübergebeugt hat, um ihrerseits dem Chauffeur die Tür zu öffnen. Natürlich sagt man da nichts, aber ich habe dies stets als einen groben Verstoß gegen eine unausgesprochene Regel empfunden. Welche Regel? Na, dass ich mir selbst die Tür aufmachen kann. Sollte bis zu jenem Zeitpunkt eine gewisse erotische Spannung zwischen Fahrer und Beifahrerin bestanden haben, so war die mit jener gut gemeinten Geste schlagartig verpufft.

Vogel und Stinkefinger

Weshalb ich überhaupt das Geschlechterthema anschneide, hängt mit folgendem Umstand zusammen: In den vergangenen Tagen hat mir eine Auto fahrende Frau den Vogel, eine andere den Stinkefinger gezeigt. Die Umstände, weshalb dies geschah, sind unwichtig. Mag sein, dass ich mich nicht 100-prozentig korrekt verhalten habe. Aber aggressiv war ich nicht. Es gibt eine Beifahrerin, die das bezeugen kann und deren Unabhängigkeit nicht auf der Strecke blieb, nur weil ich ihr die Türe aufgehalten habe. Beide Fälle sind für mich ein Beleg für falsch verstandene Emanzipation.

Mit Abscheu zur Seite gedreht

Des Weiteren beobachte ich immer öfter, dass Frauen beim Kolonnenfahren auf der Autobahn stur nach vorne blicken, wenn man die Spur wechseln möchte. Ich frage uns alle, meine Damen, meine Herren: Wem soll damit geholfen sein, wenn sich Frauen im Straßenverkehr genauso rüpelhaft wie Männer verhalten?

Für mich als testosterongesteuerter Opel-Fahrer war die Frau bisher immer eine Verkehrsteilnehmerin, zu der ich aufschauen konnte. Mit Abscheu habe ich mich zur Seite gedreht, wenn meine Geschlechtsgenossen üble Scherze über einparkende Frauen gemacht haben. Und sollte ich im einen oder anderen Fall mal gelacht haben, dann nur, um keinen Verdacht zu wecken. Geht doch die Typen nichts an, dass ich ein emanzipierter Mann bin.

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