Ein falsches Körperbild kann fatale Folgen haben. Foto: dpa/Jens Kalaene

Die Krankenkasse AOK hat ihre Fallzahlen ausgewertet – demnach steigt der Anteil der Essstörungen bei jungen Menschen in Stuttgart kontinuierlich. Dafür macht die Kasse auch die Nutzung sozialer Medien verantwortlich.

In Stuttgart nimmt die Zahl der betroffenen Menschen mit einer diagnostizierten Essstörung zu. Darauf weist die Krankenkasse AOK hin, die bei ihren Versicherten diesen Trend feststellt. So entwickelte sich in der Landeshauptstadt die Fallzahl der AOK-Versicherten seit 2018 von 683 auf 745 Fälle im Jahr 2021. Frauen seien laut einer Mitteilung mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent der Fälle besonders betroffen. „Die schleichende Gefahr der Essstörung beginnt bei jungen Menschen meist mit einem verzerrten Selbstbild durch die sozialen Medien“, heißt es in der Mitteilung.

Die YouGov-Online-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes habe ergeben, dass viele Jugendliche das eigene Selbstbild infrage stellten, weil sie sich mit idealisierten Wunschbildern verglichen. 40 Prozent verspürten den Druck, schöner, erfolgreicher und besser werden zu müssen. Mädchen schätzten ihr Gewicht tendenziell höher ein, als es tatsächlich ist.

„Menschen mit Magersucht sind meist untergewichtig und haben starke Angst zuzunehmen. Um dies zu verhindern, essen sie viel weniger, treiben exzessiv Sport oder greifen zum Beispiel zu Abführmitteln oder Entwässerungstabletten“, so die Ernährungsexpertin der AOK Stuttgart-Böblingen, Andrea Scholpp. Typisch sei, dass sich die Betroffenen trotz Untergewichts weiterhin für zu dick hielten. Häufige körperliche Folgeerscheinungen bei Anorexie seien Haarausfall, Ausbleiben der Menstruation, Blutarmut, Herzrhythmusstörungen und Osteoporose. Unbehandelt können die Gewichtsveränderungen ernsthafte körperliche Folgen nach sich ziehen, mahnt sie.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet eine anonyme telefonische Beratung über Essstörungen unter Telefon 02 21/89 20 31 an. In Stuttgart hilft zudem die Anlaufstelle Abas unter Telefon 07 11/ 30 56 85 40, die zudem vor Ort offene Sprechstunden anbietet.