Die Einsatzkräfte werden im Laufe des Montags wohl einen Rettungsversuch starten. Foto: Krytzner/SDMG/dpa

Zwei Männer harren seit Sonntagnachmittag in der Falkensteiner Höhle aus. Retter sind inzwischen bei ihnen. Um den Weg ans Tageslicht anzutreten, müssen die beiden in einem Crashkurs tauchen lernen.

Grabenstetten/Bad Urach - Das Drama um die Eingeschlossenen Höhlengänger in der Falkensteiner Höhle zwischen Grabenstetten und Bad Urach im Fischbachtal hält die Einsatzkräfte auch am Montagmorgen in Atem. „Vier unserer Retter sind derzeit in der Höhle bei den Eingeschlossenen und betreuen sie“, sagt Matthias Leyk, der Zweite Vorsitzende der Höhlenrettung Baden-Württemberg, am Montagmorgen auf Anfrage unserer Zeitung. Es gehe dem Höhlen-Guide und seinem Kunden den Umständen entsprechend gut. „Auf der Flucht vor dem Wasser kann immer etwas passieren. Aber wenn man die Situation richtig managt, kann man das meistern. Die beiden scheinen sich richtig verhalten zu haben“, erklärt Leyk.

Wenn alles nach Plan läuft, könnten die beiden Höhlengänger im Laufe des Montagvormittags gerettet werden. „Der Wasserpegel geht zurück. Wenn die Taucher denken, dass die beiden Höhlengänger so weit sind, werden sie einen Versuch starten“, sagt Leyk.

Männer müssen tauchen

Die beiden etwa 30 Jahre alten Männer sitzen laut etwa 650 Meter tief in der Falkensteiner Höhle fest. Ein Rettungszelt aus Wärmedecken sei aufgebaut und warmes Essen verteilt worden. Etwa 80 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Höhlenrettung waren zum Einsatzort bei Grabenstetten geeilt.

Für die Rettung müssen zwei von den Wassermassen versperrte Höhlenpassagen durchtaucht werden. Zunächst sei eine Rettung aufgrund der starken Strömung unmöglich gewesen. Nach einer kleinen Einweisung sollen sich die Höhlengänger jeweils in Begleitung von zwei Tauchern den Weg durch das Wasser bahnen. Die letzte Entscheidung träfen aber die Rettungskräfte in der Höhle, sagt der Einsatzleiter der Höhlenrettung, Michael Hottinger.

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Die Männer sind in der „Reutlinger Halle“ eingeschlossen, einem der Hohlräume. Dieser liege höher als die eigentlichen Wassermassen, die durch nachsickerndes Regenwasser weiter steigen würden.

Ausgelöst wurde die Notlage durch heftigen Regen in der Region - und durch Leichtsinn der beiden Männer, wie Hottinger sagte. Bei der Wetterlage und dem starken Regen hätten sie wissen müssen, dass die siphonartigen Senken in der Höhle volllaufen und so den Rückweg versperren könnten.

Beliebtes Touristenziel

Die Falkensteiner Höhle liegt auf der Schwäbischen Alb zwischen Grabenstetten und Bad Urach und ist ein beliebtes Touristenziel. Auf der Tourismus-Webseite der Stadt Bad Urach heißt es, sie sei eine „aktive Wasserhöhle“, aus der der Fluss Elsach ins Freie entspringe. Und: Touren in die Höhle seien nicht ungefährlich. „Bei erwartetem Starkregen und Gewittern sind keine tiefen Touren in die Falkensteiner Höhle möglich. Zu empfehlen ist eine Tour (...) mit einem erfahrenen Höhlen Guide“, heißt es auf der Webseite weiter.

Ein Anbieter von Höhlentouren schreibt auf seiner Internetseite, die Falkensteiner Höhle sei die einzige wasserführende Höhle Deutschlands, in der geführte Touren möglich sind. Sie zähle zu den sogenannten wilden Höhlen. „Es gibt also keine elektrische Beleuchtung wie in den Schauhöhlen und auch keine geebneten Wege.“

Der Notfall in der Falkensteiner Höhle weckt Erinnerungen an das Höhlendrama mit einer Jungen-Fußballmannschaft in Thailand vor rund einem Jahr. Zwölf Jungen im Alter von 11 bis 17 Jahren sowie ihr 25 Jahre alter Trainer waren im Juni 2018 bei einem Ausflug in eine Höhle im Norden des Landes vom steigenden Wasserspiegel überrascht und eingeschlossen worden. Erst nach 17 Tagen kamen die letzten frei. Rund um die Welt fieberten Menschen bei der spektakulären Rettungsaktion mit.

Vor fünf Jahren war in der Riesending-Schachthöhle in den Berchtesgadener Alpen der Höhlenforscher Johann Westhauser gut 274 Stunden in 1000 Metern Tiefe eingeschlossen. Tagelang kämpften Helfer rund um die Uhr bis zur Erschöpfung, um den Schwerverletzten aus der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands zu bergen. Der 52-jährige Baden-Württemberger war bei einem Steinschlag in der Höhle am Kopf schwer verletzt worden.

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