Ein Höhlenforscher der Arge Grabenstetten watet durch das brusttiefe, eiskalte Wasser der Elsach, die durch die Falkensteiner Höhle fließt (Archivbild). Foto: Andreas Schober

Höhlen wie die Falkensteiner Höhle wecken bei vielen Platzangst und Panikattacken. Für Höhlenforscher sind es gerade die Extreme, die den Reiz ausmachen – absolute Dunkelheit, enge Gänge und riesige Hallen.

Grabenstetten/Bad Urach - Mitten im Wald zwischen Grabenstetten und Bad Urach öffnet sich ein gewaltiges Portal zu einer unterirdischen Kathedrale, wie sie kein menschlicher Baumeister erschaffen könnte. Rund 15 Meter hoch und zehn Meter breit ist der Eingang zur Falkensteiner Höhle. Ein Bachlauf, der tief im Innern des Felsenlabyrinths entspringt, bahnt sich in schäumenden Kaskaden seinen Weg über moosbedeckte Steine.

 

Die Falkensteiner Höhle ist eine aktive Wasserhöhle, die von der Elsach durchflossen wird. Die Elsach, die tief im Innern des Felsenlabyrinths entspringt, bahnt sich in schäumenden Kaskaden ihren Weg über moosbedeckte Steine. Normalerweise ist die Elsach nur ein Bachlauf. Doch wenn es wie in den vergangenen Tagen stark regnet, kann sie ansteigen zu einem reißenden Strom.

Lebensgefährliche Kletterpartie

So majestätisch das Portal, so unscheinbar der Weg in die Eingeweide der Alb: Wie ein Schwarzes Loch schluckt die Falkensteiner Höhle jeden Sonnenstrahl. Gleich zu Beginn muss man den Demutsschlupf überwinden. Der Abstand zur Höhlendecke ist so gering, dass man durch das eiskalte Wasser der Elsach robben muss.

Nach 15 Metern wird der Gang breiter, die Tour zur Kletterpartie. Felsbrocken versperren den Weg, man watet durch glasklares Wasser. Der Weg führt über glitschige Steine nach 150 Metern zum Regentörle. Ein Rauschen ist zu hören, so als ob Wasserfälle zu Tal stürzten.

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Weiter geht es, vorbei an Versturzblöcken und kugelförmigen Sintern – mineralische Ablagerungen in jeder erdenklichen Form und Größe. Stalaktiten, die eiszapfenähnlich von der Decke hängen, tauchen erst viel weiter hinten auf.

Nach 500 Metern erreicht man den ersten Siphon

400 Meter hinter dem Eingang staut sich die Elsach. Das Wasser reicht selbst bis Niedrigwasser bis zur Brust. Der erste Siphon – ein Felsstück, das ins Wasser ragt – ist erreicht.

Wer weiter vordringen will, muss ein vier Meter breites Gangteil passieren, das fast ganz von Wasser umschlossen ist. Nur ein fünf Zentimetern schmaler Spalt zwischen Wasseroberfläche und Decke bleibt zum Atmen.

Nachdem auch dieses Hindernis überwunden ist, erreicht man die Reutlinger Halle. Nun beginnt eine der schönsten Höhlenteile. Entlang unzähliger Sinterkaskaden und Wasserfallstufen führt der faszinierende Weg immer weiter ins Herz der Alb.

4259 Meter sind bisher erforscht

Mit 4259 erforschten Metern ist die Falkensteiner Höhle eine der längsten Höhlensysteme auf der Alb; das längste ist das Blauhöhlensystem mit rund 6500 Metern. Hier unten schwindet jedes Zeitgefühl. Wie müssen sich erst jene Goldgräber gefühlt haben, die im 18. Jahrhundert in der Falkensteiner Höhle nach Edelmetall gegraben haben?

Höhlenforscher suchen die letzten weißen Flecken auf der Landkarte der Schwäbischen Alb. In den vergangenen Jahren sind Speläologen in immer neue Hohlräume vorgedrungen. Schwerpunkt der Suche ist das Blauhöhlensystem bei Blaubeuren.

Blau- und Vetterhöhle

Die Blauhöhle ist eine aktive Wasserhöhle, die den Blautopf speist. 2006 wurde eine Verbindung der Blauhöhle (4400 Meter) zur Vetterhöhle (2100 Meter) entdeckt. Höhlenforscher drangen in bisher unbekannte Hallen vor: Wolkenschloss, Apokalypse, Walhalla.

1889 wurde der erste deutsche Höhlenverein gegründet. Heute gibt es bundesweit rund 2500 aktive Höhlenforscher. Fast alle arbeiten ehrenamtlich an den Wochenenden und in den Ferien und finanzieren ihre Arbeit über Beiträge, Spenden und aus der eigenen Tasche. Nur die wenigsten Speläologen – wie der Fachbegriff heißt – sind von Beruf Wissenschaftler: Geologen, Geografen, Hydrologen, Archäologen oder Paläontologen.

Elsachbröller

Vor allem Extreme wie der Elsachbröller faszinieren die Höhlenforscher. Das unscheinbare, durch Hangschutt verborgene Eingangsloch liegt knapp 150 Meter von der Falkensteiner Höhle entfernt. Wer durch die schmale Öffnung kriecht, erreicht schon nach wenigen Metern den Angstschlupf. Diese extrem enge, verschlammte Spalte ist nichts für Klaustrophobiker.

Die Schwäbische Alb kennt viele Einstiege in die Unterwelt. Manchmal führt der Weg durch breite Öffnungen oder eine Stahltür in die Tiefe, manchmal nur durch einen schmalen Spalt. Rund 2500 Höhlen gibt es in dem Mittelgebirge.

250 Meter Neuland in der Falkensteiner Höhle entdeckt

Die Falkensteiner Höhle wird von Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten (Arge Grabenstetten) betreut und überwacht. Der 1973 gegründete Verein ist mit 140 Mitgliedern einer der größten von gut 20 Höhlenvereinen im Südwesten.

2018 entdeckten Mitglieder des der Arge Grabenstetten 250 Meter Neuland.