Turmfalken konnten bei der Exkursion beobachtet werden. Foto: Michael Eick

Die gemeinsame Veranstaltung der Fellbacher Zeitung und des Naturschutzbunds lockt 20 faszinierte Besucher zum Gewa-Tower. Allerdings ist vom zweiten Jungvogel nichts zu sehen. Dafür können die Teilnehmer Turmfalken beim Aufziehen ihrer Jungen beobachten.

Fellbach - Der bauliche Stillstand beim Gewa-Tower hat zumindest unter einem Aspekt auch sein Gutes: In den Luxussuiten der Hochhaus-Rohbaus, also ganz oben, haben sich bekanntlich im Februar Wanderfalken einquartiert. Wo eines Tages mal Menschen wohnen werden, freuen sich derzeit die Sturzflügler über beste Perspektiven. Bundesweit berichteten Tageszeitungen und Fernsehsender über Deutschlands derzeit berühmtesten „Turmfalken“ und das fleißige Kommen und Gehen in circa 107 Metern Höhe.

Genauer gesagt ist es eher ein kräftiger, permanenter An- und Abflug im Wolkenkratzer – so mancher Spaziergänger hat das Treiben in luftiger Höhe schon beobachtet. Knapp zwei Dutzend Leser unserer Zeitung inspizierten die Sachlage jetzt auch mit professioneller Unterstützung – bei einer exklusiven FZ-Führung zu den Fellbacher Wanderfalken.

Außerdem konnte ein Pärchen Turmfalken beim Aufziehen seiner vier Küken observiert werden

Gut 20 Neugierige fanden sich am frühen Morgen auf dem Parkplatz des Rems-Murr-Centers ein, ausgestattet mit großen Ferngläsern und hochvergrößernden Fernrohren, um die Vögel zu beobachten. Die fachkundige Leitung hatte der Ornithologe und frühere Fellbacher Stadtrat Michael Eick inne. Den Teilnehmern gelangen dadurch eindrucksvolle Einblicke ins Leben der schnellsten Falken, die sich dieses Frühjahr auf dem Dach des Gewa-Towers eingenistet haben. Außerdem konnte ein Pärchen Turmfalken beim Aufziehen seiner vier Küken observiert werden. Diese Falken, die wesentlich kleiner sind als die Wanderfalken, brüten auch gerne an Gebäuden und haben im Rems-Murr-Center einen Nistkasten bezogen.

Die beiden Wanderfalkeneltern, die kürzlich als Resultat einer FZ-Findungs­aktion auf die Namen Falco und Perenelle getauft wurden, boten mit einigen „Ehrenrunden“ eine spektakuläre Show.

Der Naturschutzbund Fellbach hofft nun auf Hinweise aus der Bevölkerung

Allerdings war vom verbliebenen Küken Nushin, deren Schwester Grit ja leider erst kürzlich tot aufgefunden wurde, nichts zu sehen. Die Vogelexperten des Fellbacher Naturschutzbunds (Nabu) sind daher ein wenig beunruhigt, was mit dem zweiten Jungvogel passiert ist. „Auch dieses Küken könnte nicht mehr am Leben sein“, mutmaßt Eick. Es sei nicht ungewöhnlich, dass Jungvögel die ersten Wochen nicht überstehen. „Das Leben ist gefährlich, auch für Falken, die an der Spitze der Nahrungs­pyramide sind. Das ist keine Garantie gegen Unfälle, Krankheiten oder auch Verhungern“, so Eick. „Vielleicht werden wir es aber nie erfahren.“

Der Naturschutzbund Fellbach hofft nun auf Hinweise aus der Bevölkerung; aufschlussreiche Beobachtungen sollten dem Verein möglichst schnell gemeldet werden. „Wir würden natürlich gerne erfahren, was los ist“, sagt Nabu-Sprecher Eick. her