Fenster und Türen sind laut Polizei die Schwachstellen eines Hauses. Foto: dpa

Fast 95 Prozent der Einbrüche in Stuttgart finden statt, wenn niemand zuhause ist. Eine beunruhigende Zahl, wenn ein längerer Sommerurlaub ansteht. Vergleichsweise günstige Gadgets gegen Einbrecher versprechen Abhilfe. Aber was taugen die Geräte wirklich? Ein Experte der Stuttgarter Polizei gibt Auskunft.

Stuttgart - Die Koffer sind gepackt, die Vorfreude auf den Urlaub wächst - wäre da nicht die Sorge, Einbrecher könnten die Zeit der Abwesenheit ausnutzen und der Wohnung oder dem Haus einen ungebetenen Besuch abstatten. Völlig zurecht, wie Martin Freyer von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle der Stuttgarter Polizei betont: "Etwa 95 Prozent der Einbrecher in Stuttgart kommen, wenn die Bewohner nicht anwesend sind."

Ein Plus an Sicherheit - oder bloße Spielerei?

Was tun? Eine Alarmanlage ist teuer und nicht jeder kann oder möchte einen vierstelligen Betrag in die Sicherheit seines Zuhauses investieren. Elektronische Gadgets, die es relativ günstig in Onlineshops und Elektromärkten zu kaufen gibt, versprechen Abhilfe. Aber sorgen die Geräte wirklich für mehr Sicherheit - oder sind sie nur technische Spielereien?

Martin Freyer, Fachberater zum Thema Einbruchschutz bei der Stuttgarter Polizei und seit 17 Jahren in diesem Bereich tätig, bewertet für uns die handelsüblichen Gadgets gegen Einbrecher. Seiner Erfahrung nach gilt folgende Maxime: "Jedes Mittel kann ein Mosaikstein sein, um einen Einbruch zu erschweren."

Urlaubszeit - das sollte in die Reisapotheke

Grundsätzlich sollten Verbraucher aber vor dem Kauf eines Sicherheitsprodukts darauf achten, dass das Produkt entweder das Prüfzeichen des VdS (Verband der Schadenverhütung) oder das Prüfsiegel DIN18104-1 trägt.

Der Alarm-Türstopper: "Allenfalls psychologische Sicherheit"

Bereits für weniger als 10 Euro gibt es einen Keil, der von innen unter die Haus- oder Wohnungstür geschoben wird und Alarm auslöst, sobald jemand die Tür öffnet.

Martin Freyer von der Stuttgarter Polizei: "Das Produkt kann nur bei Anwesenheit genutzt werden. Das ist ein entscheidendes Problem, da etwa 95 Prozent der Einbrüche in Stuttgart stattfinden, wenn niemand zuhause ist. Das Gerät kann allenfalls eine psychologische Sicherheit geben, Schutz vor einem Einbruch bietet es nicht."

Der elektronische Wachhund: "Für mich eher ein Spielzeug"

Mit täuschend echtem Hundegebell soll der elektronische Wachhund Einbrecher in die Flucht schlagen. Der Alarm-Wauwau funktioniert über Sensoren, die auf Bewegungen reagieren. Alternativ ertönt aus dem rund 60 Euro teuren Gerät auch ein Gong oder eine Sirene.

Martin Freyer von der Stuttgarter Polizei: "Ob sich ein Einbrecher von blechernem Hundegebell abschrecken lässt? Daran habe ich starke Zweifel. Das Geheul einer Sirene wirkt erfahrungsgemäß besser. Deshalb ist der elektronische Wachhund für mich eher ein Spielzeug und nicht zu empfehlen."

Warnung vor dem Hund: "Warum nicht, wenn die Situation glaubwürdig ist"

Ein Schild mit der Aufschrift "Warnung vor dem Hund" ist bereits für etwa 2 Euro zu haben.

Martin Freyer von der Stuttgarter Polizei: "So ein Schild eignet sich grundsätzlich nur für ein Einfamilienhaus. Wenn das Grundstück eingezäunt ist und im Garten vielleicht noch ein Wassernapf steht, die ganze Situation also einen glaubwürdigen Eindruck macht, kann so ein Schild für kleines Geld durchaus eine Außenwirkung haben. Bei einem offenen Grundstück macht so eine Maßnahme sicher keinen Sinn."

Der Fake-TV: "Deckt nur einen Teil der Einbruchsstunden ab"

Durch farbige LEDs simuliert der Fake-TV das flackernde Licht eines laufenden Fernsehers und täuscht damit die Anwesenheit der Bewohner des Hauses vor. Der TV-Simulator ist ab zirka 25 Euro zu haben.

Martin Freyer von der Stuttgarter Polizei: "Die meisten Einbrüche finden zwischen 14 und 20 Uhr statt. Ein flackernder TV-Bildschirm kommt aber erst in der Dämmerung zum Tragen, deckt also je nach Jahreszeit nur einen Teil der Stunden ab. Wie eine Zeitschaltuhr suggeriert der Fake-TV Anwesenheit. Das schützt zwar nicht direkt vor einem Einbruch, ist aber in Ordnung und durchaus einen Versuch wert."

Die Überwachungskamera- und Alarmanlagen-Attrappe: "Abschreckende Wirkung"

Eine abschreckende Wirkung auf Einbrecher sollen Attrappen haben, die wie eine Überwachungskamera oder die Sirene einer Alarmanlage aussehen. Die falschen Überwachungskameras kosten zwischen 10 und 20 Euro, eine Fake-Sirene um die 30 Euro.

Martin Freyer von der Stuttgarter Polizei: "Bei nur einem Prozent der Einbrüche in Stuttgart war eine Alarmanlage beteiligt. Da diese Attrappen eine solche Anlage suggerieren, sind sie durchaus sinnvoll. Hier lohnt es sich zu investieren. Die Sorge, diese Atrappen könnten Einbrecher regelrecht anlocken, indem sie reiche Beute suggerieren, kann ich zerstreuen. Die Wirkung einer solchen Fake-Kamera oder Fake-Alarmanlagensirene ist abschreckend, nicht anziehend."

Der Fenster- und Türalarm: "Unpraktisch und nicht effektiv"

Die kleinen Geräte werden an die Rahmen von Fenstern und Terassentüren geklebt oder geschraubt. Sobald jemand versucht, ein so gesichertes Fenster zu öffnen und damit den Magnetkontakt der Geräte unterbricht, ertönt ein lauter Alarmton.

Martin Freyer von der Stuttgarter Polizei: "Diese Geräte löst man leicht selber aus. Damit dies nicht passiert, muss man sie manuell ausschalten - und wieder einschalten, sobald man das Haus verlässt. Die meisten Menschen denken etwa drei Wochen lang daran, anschließend hängen die Mini-Alarmanlagen ausgeschaltet am Rahmen - und das war's dann. Meine Bewertung: unpraktisch und deshalb nicht effektiv."

Doorjammer und Türkrallen: "Im Notfall sogar gefährlich"

Zwischen 30 und 40 Euro kostet ein Doorjammer. Die Sperrvorrichtung wird von innen unter dem Türblatt fixiert und soll dafür sorgen, dass sich die Tür nicht mehr öffnen lässt. Türkrallen, ein langer Stock, der zwischen Klinke und Fußboden verkeilt wird, sollen die Klinke oder den Knauf einer Tür blockieren und so verhindern, dass sich Einbrecher Zutritt verschaffen können. Kostenpunkt: etwa 10 Euro.

Martin Freyer von der Stuttgarter Polizei: "Auch diese Sicherungen kann ich nur anbringen, wenn ich zuhause bin. Außerdem ist fraglich, welchem Druck diese Sperrvorrichtungen standhalten. Grundsätzlich ist Vorsicht bei von innen zu bedienenden Sicherungen der Tür angebracht - diese werden gern von älteren Leuten gekauft und können im Notfall dazu führen, dass Familienangehörige oder Rettungskräfte nicht in die Wohnung gelangen können."

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