Der Absatz von fair gehandelter Schokolade stieg 2023 um 9,5 Prozent auf 5940 Tonnen. Foto: picture alliance/dpa/Sol Caribeño

Kunden halten fair gehandelten Produkten trotz inflationsbedingter Preiserhöhungen die Stange, doch nicht jedes Produkt kann Zuwächse verzeichnen. Erzeuger im globalen Süden haben das Nachsehen.

Verbraucher in Deutschland setzen weiterhin auf fair gehandelte Produkte – nicht nur Menschen, die tendenziell über ein höheres Einkommen verfügen, sondern vor allem auch Jüngere unter 30 Jahren. Pro Kopf gaben sie 2023 durchschnittlich 27,61 Euro für fair gehandelte Lebensmittel, Textilien, Kunsthandwerk, Kosmetik und Blumen aus, geht aus der Statistik des Forums Fairer Handel (FFH) hervor.

 

Der Umsatz mit fairen Lebensmitteln, Textilien und Handwerksprodukten ist 2023 um 7,3 Prozent auf 2,34 Milliarden Euro gestiegen. Angesichts der durchschnittlichen Inflation von 6,3 Prozent im vergangenen Jahr blieb unterm Strich ein leichtes Umsatzplus, der Absatz ging dagegen leicht zurück. FFH-Geschäftsführer Matthias Fiedler sprach von einer „soliden Entwicklung in einem sehr herausfordernden Umfeld“.

Fairer Kaffee: Fünf bis sechs Tassen auf 100 Tassen

Mit 82 Prozent entfällt der Großteil des Umsatzes im Fairen Handel in Deutschland auf Lebensmittel. Kaffee ist mit einem Anteil von 38,6 Prozent am Gesamtumsatz Spitzenreiter. Dass 2023 in Deutschland weniger Kaffee getrunken wurde, schlug auf die Mengen durch. Der Umsatz mit fairem Röstkaffee ist zwar zweistellig gestiegen, der Absatz aber um drei Prozent gesunken. Der Marktanteil von Kaffee aus Fairem Handel liegt damit noch bei 5,5 Prozent, was fünf bis sechs Tassen auf 100 Tassen entspricht, wie Fütterer veranschaulichte.

Die Kaffeebauern standen ihren Angaben zufolge aufgrund gestiegener Produktionskosten enorm unter Druck. Auch deswegen habe Fairtrade im August 2023 den Fairtradepreis für Kaffee um 19 Prozent für Robusta- und 29 Prozent für Arabica-Sorten erhöht. Allerdings sei der Kaffeeanbau stark von der Klimakrise betroffen.

„Kakaomarkt ist im Ausnahmezustand“

Auch Schokolade hängt vom Klima ab. Statistisch gesehen werden in Deutschland jährlich pro Kopf 7,89 Kilogramm Schokolade konsumiert. Der Absatz von Schokolade aus Fairem Handel legte 2023 um 9,5 Prozent auf 5940 Tonnen zu – die Preise aber auch.

„Der Kakaomarkt ist im Ausnahmezustand“, sagte Andrea Fütterer, FFH-Vorstandsvorsitzende, angesichts des massiven Preisanstiegs seit Anfang 2023. Schwankten die Preise pro Tonne bis dato zwischen 1500 bis 3000 Dollar (rund 1370 bis 2740 Euro), pendelten sie nach einem Anstieg auf bis zu 12 000 Dollar (fast 11 000 Euro) nun bei 8000 bis 9000 Dollar (gut 7300 bis 8230 Euro).

Die Kakaobauern in den Hauptländern profitierten davon in den herkömmlichen Handelsstrukturen nicht oder zu wenig, während die Verbraucher und Verbraucherinnen höhere Preise zahlen müssten. Solange Konzerne sich durch ihre Verhandlungsmacht in den Lieferketten ihre Margen weiter sichern könnten, zahlten am Ende sowohl Produzenten als auch Verbraucher die Zeche für eine Landwirtschaft, die nicht zukunftsfähig sei, so Fiedler. Im Fairen Handel erhielten die Produzenten zusätzlich zum Weltmarktpreis Fairtrade- und Bio-Prämien.

Massive Ernteeinbrüche in den wichtigsten Anbauländern – in Westafrika sind das Ghana und die Elfenbeinküste, die mehr als 60 Prozent des Weltkakaos produzieren – verschärften die Situation für die Bauern. Durch Monokulturen, Pilzkrankheiten, zu viel oder zu wenig Regen habe sich das Angebot auf dem Weltmarkt verringert, und gleichzeitig seien die Preise an der Kakaobörse explodiert, sagte Fütterer. Kaffee und Schokolade stehen ihrer Meinung nach exemplarisch dafür, dass dringend in einen nachhaltigen Anbau investiert werden müsse. Denn die Kaffee- und Kakaobauern im Globalen Süden seien ganz besonders von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen.

Ein wichtiges Anliegen ist dem Forum Fairer Handel auch, dass das Lieferkettengesetz nicht ausgehöhlt wird. „Die Bundesregierung muss einen konsequenten Kurs für mehr globale Gerechtigkeit einschlagen“, so Fiedler. Es könne nicht sein, dass die Einhaltung von Menschenrechten und der Schutz der Umwelt einer sogenannten „Wachstumsinitiative“ zum Opfer falle.