Fahrverbote in Stuttgart Wohnmobil-Hersteller testen Alternativen zum Diesel

Von Elke Rutschmann 

Viele Wohnmobil-Besitzer sind vom Fahrverbot in Großstädten wie Stuttgart betroffen. Die Hersteller steuern nun gegen – und zeigen auf der CMT unter anderem Camper mit Elektroantrieb.

Stuttgart - Auf den ersten Blick kommt das elektrische Wohnmobil im Eingangsbereich der CMT eher schlicht daher. Sieben Meter lang ist das Fahrzeug, es wiegt vier Tonnen, ist in weiß gehalten mit orange-braunen Streifen. Spannend ist schon eher das Innenleben des Elektromobils der Firma Iridium Wohnmobile: 125 Batteriezellen sorgen für eine Leistung von 106 Kilowatt.

Eindrucksvoll ist aber auch der Preis mit 169.000 Euro, den der Kunde bezahlen muss. Dafür kann der Innenraum individuell ausgestattet werden. „Es ist ein Einstieg, und wir sind gespannt, wie die Markteinführung auf der Messe ankommt“, sagt Christian Klaiber, Leiter des Instituts Zukunftsmobilität in Trossingen. Er ist neben Thomas Gräter, Geschäftsführer bei WOF Wohnmobile, und Bastian Beutel, Geschäftsführer bei der EFA-S, einer der drei Partner, die das elektrisch fahrende Wohnmobil auf die Räder gestellt haben. Die Reichweite liegt des Iridium-Modells 2 liegt bei 300 Kilometern.

Für Holger Siebert, Sprecher des Caravaning Industrieverbandes (CIVD), ist es vorerst nur ein Nischenprodukt, das man vor allem nutzen kann, um in Städte zu fahren, die ein Fahrverbot für Dieselwohnmobile ausgesprochen haben. Dazu zählen neben Stuttgart auch die italienischen Metropolen Mailand und Florenz.

„Natürlich sitzt die Branche beim Thema Diesel zwischen den Stühlen“, sagt Siebert. 99 Prozent der Wohnmobile seien Dieselfahrzeuge und mehr 80 Prozent der aktuell zugelassenen Fahrzeuge entsprechen der Abgasnorm Euro 5 oder 4.

Verunsicherung bei den Messebesuchern

Eine gewisse Verunsicherung herrsche bei den Besuchern der CMT, sagt Theo Boes, Messeverkäufer des Branchenriesen Hymer. „Viele warten noch bis Ende September mit einer Bestellung, weil die neueren Dieselmodelle die Abgasnorm Euro 6d-temp erfüllen“, sagt Boes.

Martin Holzer aus Sulzberg im Allgäu hingegen schaut sich auf der CMT nach einem neuen Wohnmobil um und könnte sich eine elektrische Variante durchaus vorstellen. „Man muss irgendwann anfangen, ich denke, dass wir in 30 Jahren gar nicht mehr über Diesel oder Elektro diskutieren werden“, sagt Holzer.

Beim Thema Elektromobilität treibt Interessenten auch immer das Thema Ladung um. Rund zwei Tage und Nächte müsste das Fahrzeug an 220 Volt angeschlossen werden, um die leeren Akkus wieder zu füllen. An den Schnellladestationen schrumpft die Ladezeit auf 60 Minuten.

Christian Klaiber geht davon aus, dass in Deutschland bis 2020 mit etwa 70.000 Stationen zu rechnen sein wird, an denen man Elektromobile über Nacht aufladen kann. Bis dahin solle es auch 19.000 Schnelllademöglichkeiten geben. Das neue elektronische Wohnmobil wird ab Herbst lieferbar sein – vorerst ist der Bau von 30 Fahrzeugen geplant.

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