Die Polizei kontrolliert am Mittwoch an der Heilbronner Straße. Am zweiten Tag des Fahrverbots erwischt sie nur zwei Autofahrer, die nicht unterwegs sein sollten. Foto: Lg/Kovalenko

Bei einer Verkehrskontrolle zum Jahresbeginn hat die Polizei auch auf das Einhalten des Diesel-Fahrverbots geachtet. Die Kontrollen verliefen laut den Beamten erwartungsgemäß.

Stuttgart - Ist es ein Diesel oder ein Benziner? Bei den modernen leise schnurrenden Motoren sind sich da selbst die Fachleute von der Verkehrspolizei manchmal nicht sicher. Seit dem 1. Januar gilt im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet das Fahrverbot für Dieselfahrzeuge der Abgasnorm 4 und schlechter. Nicht nur deswegen steht die Verkehrspolizei am Mittwochvormittag auf dem Parkplatz des Pragfriedhofes an der Heilbronner Straße und kontrolliert die wenigen Autos, die vorbeikommen. Was das Dieselfahrverbot angeht, sei die zweistündige Kontrolle „erwartungsgemäß“ gelaufen. Denn das Fahrverbot tritt in einer verkehrsarmen Zeit in Kraft. Dass da ausgerechnet etliche ältere Diesel unterwegs sein würden, war unwahrscheinlich. Nur zwei Dieselfahrer, die nicht in Stuttgart unterwegs sein dürften, erwischen sie, beide aus dem Ausland.

Es ist nicht nur wenig los, die Autofahrer sind auch gut informiert. Burcu Baser aus dem Kreis Ludwigsburg ist mit dem Porsche in die Stadt gefahren. Normalerweise nutze sie die Mercedes E-Klasse, die der Familie ebenfalls gehört. „Aber das geht jetzt nicht mehr“, sagt die 28-Jährige. Der Mercedes werde dennoch in der Familie bleiben, denn er sei völlig in Ordnung, „außerdem darf man im Kreis Ludwigsburg noch damit fahren“, fügt Baser hinzu. Ebenfalls gut vorbereitet ist der 81-jährige Getränkehändler Wolfgang Seeger. Er ist auf seinen rund zehn Jahre alten Lieferwagen angewiesen, um Waren für sein „Lädle“ in Bad Cannstatt zu holen und Getränke an Kunden auszuliefern. „Dafür brauche ich eine Ausnahmegenehmigung. Die habe ich noch nicht. Aber ich war schon auf dem Amt“, erläutert der Getränkehändler.

Ein Franzose kennt die neue Regelung noch nicht

Die wenigen schlecht informierten Verkehrsteilnehmer kamen aus dem Ausland. Mehmet Cigli aus der Gegend der französischen Stadt Lyon hat seine Schwester nach Stuttgart chauffiert, sie musste aufs Konsulat. Mit Händen und Füßen und der Schwester als Übersetzerin machen die Beamten dem 47-jährigen Mann am Steuer klar, dass er mit dem Auto nicht mehr nach Stuttgart kommen darf. Außerdem hätte er sich eine Umweltplakette besorgen müssen, unabhängig vom Fahrverbot. Weil das Fahrverbot noch so neu ist, belässt es die Polizei bei einem belehrenden Gespräch. Das soll die ersten vier Wochen des Jahres so bleiben.

Gezielte Kontrollen wegen des Fahrverbots macht die Polizei nicht. So war auch die Verkehrskontrolle am Mittwoch eine sogenannte ganzheitliche Kontrolle, bei der auch auf Handynutzung, vorschriftsmäßiges Anschnallen und sonstige Verstöße geachtet wurde. 15 Autos werden an der Heilbronner Straße rausgewinkt. Fünf Fahrer telefonierten am Steuer. Einer war nicht angeschnallt. „Wenn wir die Papiere in die Hände bekommen, prüfen wir, ob ein Auto unter das Fahrverbot fällt“, erläutert Alexandra Reymann, die Leiterin des Ermittlungsdienstes der Verkehrspolizei.

Den ruhenden Verkehr – also die abgestellten Autos – überprüft die städtische Verkehrsüberwachung. Da wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis die ersten Ergebnisse vorliegen. Bei Parkverstößen werde in die Zulassungsdaten geschaut und bei einem alten Diesel mit Euro 4 oder schlechter zusätzlich zum Strafzettel fürs Falschparken auch ein Bußgeldbescheid für den Verstoß gegen das Fahrverbot ausgestellt. Bei den normalen Streifen stecken die Mitarbeiter der Stadt den Autos, die Kandidaten für das Fahrverbot sein könnten, Karten mit Informationen hinter die Scheibenwischer. 30 Stück davon wurden am Mittwoch bis 13 Uhr verteilt.

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