Die Hardware-Nachrüstung reduziert den Strickstoffdioxid-Ausstoß von Dieselautos deutlich. Daher wirbt auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne, im Bild) dafür. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Hardware-Nachrüstung verschafft Fahrern von Euro-5-Dieseln die Sicherheit, von Verkehrsverboten ausgenommen zu sein. Nun sind auch Nachrüstsätze für Fahrzeuge aus dem VW-Konzern lieferbar.

Stuttgart - Die Kraftfahrzeug-Innung Region Stuttgart widerspricht Berichten über das Scheitern der Nachrüstung von Euro-5-Dieselautos mit neuen Systemen zur Abgasreinigung. Dadurch können die Besitzer Fahrverbote für diese Fahrzeuge dauerhaft verhindern. Die verbreitete Zahl von nur 170 nachgerüsteten Mercedes-Fahrzeugen bildet offenbar nicht die Lage ab. „Da kommt allein in der Region Stuttgart noch mal das Vielfache nach“, so Obermeister Torsten Treiber. Grund für die geringe Zahl sei, dass wegen der Coronakrise die Eintragungen der Nachrüstung in die Zulassungsbescheinigungen zurückgestellt worden sei.

„Eine Umfrage unter unseren Innungsbetrieben hat ergeben, dass in der Region mindestens 279 Nachrüstsysteme verbaut worden sind. Davon 276 für Mercedes und zwei für Volvos. Weitere 390 Aufträge liegen vor, davon 372 für Mercedes.“ Die Anträge bei Daimler auf den 3000-Euro-Zuschuss zeigten nicht die Gesamtzahl.

Förderung der Hersteller könnte reichen

Die unterschiedlichen Daten liegen an der Coronakrise: „Beim Landratsamt Esslingen waren Eintragungen der Nachrüstung zeitweise nicht möglich, dennoch rüsten wir nach, in diesem Jahr 35 Fahrzeuge, zwölf weitere Halter haben verbindlich bestellt, sagt Frank Schnierle, Geschäftsführer des Mercedes-Autohauses Jesinger in Esslingen. Das Autohaus Kloz in Fellbach habe „150 Systeme verbaut und 300 vorbestellt, die Nachfrage steigt weiter an“, so der Geschäftsführer Dieter Schlatterer gegenüber der Innung.

Sehen Sie im Video einen Beitrag über die Möglichkeiten einer Hardwarenachrüstung aus dem vergangenen Jahr:

„Die ersten 1000 Systeme dürften damit bald in der Region Stuttgart verbaut sein“, so Innungsgeschäftsführer Christian Reher. Er nimmt an, dass „keiner die 3000 Euro von VW oder Daimler verschenken wird, der seinen Diesel weiter fahren will.“ Für VW könnten Nachrüstsätze erst jetzt bestellt werden, „die Lieferzeit liegt bei acht bis zehn Wochen“, sagt Roger Schäufele vom Möhringer Autohaus Lutz. Für diverse Modelle auch von Audi biete der Hersteller Oberland-Mangold jetzt ein System an, bei dem Zuschuss und Kosten sich deckten. Die Nachrüstung berge damit kein finanzielles Risiko mehr, so Treiber.

Umwelthilfe pocht auf Fahrverbot

Die Deutschen Umwelthilfe (DUH), die in Stuttgart mit ihrer Klage die bisherigen Diesel-Fahrverbote erwirkte, fordert ein flächendeckendes Euro-5-Dieselfahrverbot und hat dazu den Verwaltungsgerichtshof Mannheim angerufen. Im Luftreinhalteplan sind mit Hardware nachgerüstete Fahrzeuge dauerhaft von Verkehrsverboten ausgenommen. Der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) rät zur Nachrüstung, weil die Technik den Stickstoffdioxidausstoß stark reduziert.

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