Per Fahrrad durch den Osten (hier auf dem Lukasplatz): Da gibt es aktuell noch einige Hürden zu überwinden. Foto: /Thomas Graf-Miedaner

Mit zahlreichen Anträgen sollen die Bedingungen für Radfahrer im Stadtbezirk verbessert werden, unter anderem in der Klingenstraße und in der Landhausstraße.

Stuttgart-Ost - Wurden bereits 2019 Rekorde an den Zählstellen gebrochen, sieht es auch in diesem Jahr nach einer erneuten Steigerung aus. Die Zählstelle an der König-Karls-Brücke zwischen Stuttgart-Ost und Bad Cannstatt hatte Mitte Juni bereits knapp 550 000 Fahrradfahrer erfasst. Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 410 000.

Dass auch im Osten aktuell viel geradelt wird, liegt nach den Worten von Jugendrat Leon Wallis jedoch definitiv nicht an der guten Radweg-Situation im Stadtbezirk. „Vorsichtig ausgedrückt gibt es da an verschiedenen Stellen noch Handlungsbedarf“, sagt Wallis. Entsprechend hat der Jugendrat Ost auch einen Antrag zur Verbesserung der Situation im Bezirksbeirat eingebracht. Darin fordern die Jugendlichen eine Aufhebung der Einbahnstraßen-Regelung für Radfahrer auf der Teich- und Klingenstraße: „Radfahrer in Richtung Schmalzmarkt werden vollkommen unnötig ausgebremst, weil sie entweder einen Umweg fahren oder auf dem Gehweg schieben müssen“, sagt Wallis. Der Bezirksbeirat folgte der Argumentation.

Landhausstraße als Fahrradstraße?

Auch an anderer Stelle im Bezirk sehen Teile des Gremiums Handlungsbedarf. Die Grünen fordern in einem ebenfalls mehrheitlich beschlossenen Antrag die Umwidmung der Landhausstraße von der Ecke Werastraße bis zum Ostendplatz in eine Fahrradstraße. Das Ziel ist eine Straße nach dem Model „Tübinger Straße“, also ein sogenanntes Mischprinzip, bei dem auch weiterhin Autofahrer die Straße nutzen dürfen, allerdings Fahrradfahrer einige Privilegien genießen, wie beispielsweise, dass sie zu zweit nebeneinander fahren dürfen. Für alle Verkehrsarten gilt die gleiche Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern in der Stunde. „Die Strecke ist bereits jetzt sehr beliebt bei Radfahrern“, sagt Fabian Paul Reger von den Grünen. Allerdings gebe es viele Kleinigkeiten, die man verbessern müsse, wie beispielsweise die Ampelschaltung von der Innenstadt kommend, deren Kontaktstreifen nicht auf Radfahrer reagiert. „Durch eine Fahrradstraße oder auch Fahrradzone könnte man all diese Probleme relativ simpel in einem Aufwasch erledigen“, sagt Reger. Zudem sei die Straße Teil der Hauptradroute 2 von der Innenstadt nach Hedelfingen. Für diese fordert die Fraktion im gleichen Antrag ein Konzept, bis wann die Maßnahmen für den Ausbau der Route umgesetzt werden.

Zwei weitere Anträge der Grünen stehen zudem noch zur Abstimmung aus: Ein gemeinsamer Antrag mit der „Fraktion“, bestehend aus Linke, SÖS, Piraten und Tierschutzpartei, fordert eine Öffnung der Landhausstraße zwischen Ostendplatz und Leo-Vetter-Bad für den Radverkehr, ein weiterer Antrag fordert Verbesserungen der Rad-Wegeführung an der U-Bahn-Haltestelle Wangener-Landhausstraße.

Alternative zum Schlossgarten

Auch im Gemeinderat steht das Thema Radverkehr im Osten aktuell auf der Agenda. In einem Antrag der Grünen wird eine Alternativroute für Radler für den oftmals überlaufenen Schlossgarten gefordert. „Eine Variante, die vor allem für Pendler sehr interessant wäre“, sagt Christine Lehmann von der Gemeinderatsfraktion der Grünen.

Die Alternativroute würde stadtauswärts vom Neckartor aus auf dem rechten Fahrstreifen der Cannstatter Straße verlaufen. Ab der Kreuzung Herrmann-Baumann-Straße würde es übergehen in die parallele Reitzensteinstraße, bevor es über die Villastraße in Richtung Park geht. In die Gegenrichtung würde es ebenfalls über die Reitzensteinstraße gehen, aber ab der Heinrich-Baumannstraße über die Neckarstraße zum Neckartor. „Die Stadtverwaltung hat uns bereits mitgeteilt, dass es auf Grund der Bundesstraße 14 kompliziert werden könnte, dennoch wollen wir diese Verbesserung für die Radfahrer gerne einbringen“, sagt Lehmann. Der Antrag wird in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen verhandelt.

Ebenfalls mit dem Thema Fahrradstraße haben sich auch die Gemeinde- und Bezirksbeirats-Fraktionen der „Fraktion“ befasst. Im Gemeinderat fordert man gemeinsam mit der Fraktion „Puls“ die Prüfung einer Umwidmung der Klingenstraße zwischen Gablenberger Hauptstraße und Ostendstraße in eine Fahrradstraße oder Fahrradzone. Die Fraktionen erhoffen sich dadurch einen Anschluss für Radfahrer an die geplante Hauptradroute 2.

Im Bezirksbeirat nimmt die „Fraktion“ die Neckarstraße in den Fokus. Sie möchte gar einen Schritt weiter gehen als die Grünen im Gemeinderat und die gesamte Neckarstraße zur Fahrradstraße umwidmen. „Man muss natürlich gewährleisten, dass der Lieferverkehr und die Anwohner auch weiter Zugang zu allen Anlaufstellen haben“, sagt Andreas Zinßer von der „Fraktion“ im Bezirksbeirat. „Allerdings zeigen die Beispiele von den Fahrradstraßen in der Innenstadt, dass dies durchaus funktioniert.“ Bei beiden Anträgen steht die Abstimmung in den Gremien noch aus.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: