Selbst für weniger Geübte ist das Biken mit E-Antrieb in den Alpen möglich. Das stellt die Tourismusbranche vor neue Aufgaben. Foto: www.stevensbikes.de/pd-f

Neben Wandern steht für immer mehr Urlauber in den Alpen auch das Mountainbiken auf dem Ferienprogramm. Mit E-Mountainbikes können selbst weniger Trainierte die Berge erklimmen und Gipfel erkunden. Eine Herausforderung für Touristiker.

Stuttgart - „E-Mountainbikes sprechen neben sportlich-ambitionierten Bikern vor allem auch Einsteiger und Menschen an, deren Fokus auf Erholung und Kultur liegt. Das sorgt für Veränderungen und Anpassungen in den Tourismusregionen“, erklärt Nico Graaff vom Mountainbike Tourismusforum Deutschland.

Ein paar Ladesäulen aufstellen, reicht nicht

Die unterschiedlichen Zielgruppen und ihre Bedürfnisse zusammenzubringen und als Region weiterhin attraktiv zu bleiben, ist eine Herausforderung. Ein paar Ladesäulen aufzustellen, um die nötige Infrastruktur zu schaffen, ist da nur der Anfang – und sollte mittlerweile eine Selbstverständlichkeit sein. „Für E-Mountainbiker braucht es darüber hinaus eine angepasste Form der Tourenkonzeption. Weiter entfernte Gipfel und Aussichtspunkte werden leichter erreicht. Das schafft Abwechslung und kann zudem stark frequentierte Hauptwege entzerren“, so Graaff.

Zusätzlich sollte es unterschiedliche Startpunkte für die Touren geben: Manche E-Mountainbiker starten direkt am Hotel, andere lassen sich mit Bus oder Auto zu einem Startpunkt bringen. „E-Mountainbikes haben ihren Lift quasi schon eingebaut. E-Biker brauchen keine speziellen Liftanlagen, sondern gut ausgeschilderte Routen – gerne auch mit hohem Trail-Anteil bergauf und bergab“, sagt Andreas Krajewski vom Fahrradhersteller Cannondale. So profitieren auch Mittelgebirgsregionen oder alpine Destinationen vom Boom, die aktuell nicht über Liftanlagen und Bikeparks für Mountainbiker verfügen. Der Vorteil: Die stark genutzten Hotspots werden entlastet und die Nutzer besser kanalisiert. Ein entsprechendes Wegesystem trägt dazu bei, Nutzungskonflikte von vornherein zu vermeiden, ist allein jedoch kein Harmonie-Garant: „Das Wichtigste ist Respekt: gegenüber anderen Erholungsuchenden und der Natur“, sagt Graaff.

Einfach am Urlaubsort leihen und ausprobieren

Wie das funktionieren kann, zeigt beispielsweise die österreichische Region Schladming-Dachstein. Für E-Mountainbiker werden sogenannte Bike-&-Hike-Touren ausgeschildert. Anstatt mit dem Auto oder zu Fuß zu einer Sehenswürdigkeit zu gelangen, kann auf ausgewiesenen Touren die Strecke alternativ mit dem E-Bike absolviert werden. Ganz nebenbei wird dadurch die Parkplatz- und Verkehrssituation an den Ausflugszielen entlastet. „Autolos im Urlaub wird in Zukunft ein wichtiger Bestandteil bei der Urlaubsplanung. Das E-MTB bietet eine passende Möglichkeit, um auch in der alpinen Urlaubsregion flexibel zu sein und neue Möglichkeiten zu entdecken“, sagt Christian Witscher, Marketing-Manager bei der Winora Group und somit mitverantwortlich für den E-Bike-Hersteller Haibike.

Der E-MTB-Pionier kooperiert mit dem Anbieter Ibike-Box, um in Urlaubsregionen in Österreich oder auf Mallorca einfach E-MTBs zum Verleih anzubieten. In einer Box, die einem Schaufenster ähnelt, stehen E-MTBs und E-Trekkingräder bereit. Diese können im Internet für einen oder mehrere Tage in der passenden Rahmengröße und Ausstattung gebucht werden. Das Angebot umfasst je nach Bedarf und Tourenplanung auch Helme, Fahrradschlösser oder Protektoren. Der Vorteil: Anders als bei Leihanbietern oder Fachhändlern können im Internet die Buchungen genau eingesehen werden – was die Planbarkeit erhöht. „So muss keine Extra-Ausrüstung im Vorfeld gekauft und mitgenommen werden und Interessierte können einmal alle Facetten des E-Mountainbikes ausprobieren. Service und Übergabe regeln Partnerbetriebe vor Ort.

Mehr kulturelle Highlights für E-Mountainbikende anbieten

Eine weitere Chance für die Regionen ist es, kulturelle Anlaufpunkte wie Museen und Events, etwa auch in Form einer Verkostung von lokalen Spezialitäten, mit Sport zu verbinden. „Für E-Mountainbikende rückt neben dem sportlichen Aspekt auch der kulturelle in den Mittelpunkt. Anstatt einen vollen Tag für eine Bike-Tour einzuplanen, verkürzen E-Mountainbiker ihren sportlichen Urlaubstag gern und wollen die restliche Zeit mit Kultur oder anderen Sehenswürdigkeiten verbringen“, weiß Anja Knaus vom E-Bike-Spezialisten Flyer.

Die Schweiz geht mit gutem Beispiel voran

Wo die Reise hinführen kann und wie Mountainbiken an sich stärker in die Tourismuskonzepte eingegliedert wird, zeigt sich in der Schweiz. Dort werben Regionen gezielt mit den Sportmöglichkeiten und rücken die neuen Zielgruppen in den Fokus. In der Jungfrau-Region gibt es beispielsweise den „Eiger-E-MTB-Loop“, der von Flyer gesponsert wird. Die dreitägige E-Bike-Tour führt rund um das weltberühmte Dreigestirn aus Eiger, Mönch und Jungfrau. Beworben wird die Tour mit Beschreibungen wie „umwerfende Berg- und Gletscherblicke“, „spektakuläre Wasserfälle“ oder „pittoreske Weiler“.

Die Tagesetappen sind zwischen 30 und 60 Kilometer lang und der Gepäcktransport wird übernommen, sodass noch genügend Zeit für Naturerlebnis und Kultur auf und nach der sportlichen Runde bleibt. „Es wird viel Abwechslung geboten und Zielgruppen angesprochen, die zwar fahrradaffin sind, aber auch gerne einmal etwas Neues ausprobieren wollen“, sagt Knaus und ergänzt abschließend: „Solche Angebote werden immer mehr – nicht nur in der Schweiz. Das E-Mountainbike ist für Urlaubsregionen eine richtig gute Chance.“

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