Radfahrer müssen immer wieder über einen gefährlichen Spalt: Die Unfallstelle am Eugensplatz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bahngleise im Fahrbahnbelag sind für Radfahrer hochgefährlich: Im falschen Winkel angesteuert – schon kann es zu einem schweren Unfall kommen. Wie jetzt in der Stuttgarter Innenstadt.

Stuttgart - Sie hat schwerste Kopfverletzungen erlitten – und wer weiß, wie das alles ohne Helm ausgegangen wäre: Eine 35 Jahre alte Radfahrerin ist am Dienstagabend am Eugensplatz in der Innenstadt mit ihrem Elektrofahrrad schwer verunglückt. Ihr dramatischer Sturz zeigt, welche gefährlichen Fallen das Stuttgarter Straßennetz für Radfahrer birgt: im Asphalt eingelassene Stadtbahngleise.

Der Unfall spielte sich am Dienstag kurz nach 21 Uhr im Bereich der Haltestelle Eugensplatz ab. Wie die Polizei mitteilte, war die Frau mit ihrem Pedelec von der Haußmannstraße talwärts in Richtung City unterwegs. Die Abfahrt hinunter vom Bubenbad ist riskant – immer wieder müssen Radler vom rechten Fahrbahnrand nach links über einen Schienenstrang der Stadtbahn, der im Fahrbahnbelag eingelassen ist.

Die Radlerin schlägt mit dem Kopf auf

Besonders gefährlich wird dies kurz vor dem Hochbahnsteig der Haltestelle am Eugensplatz. Ein Radfahrer muss über die Schiene, weil er sonst gegen den Bahnsteig prallen würde. Danach geht’s wieder vom Gleis runter. Der 35-jährigen E-Bike-Fahrerin wurde das zum Verhängnis. Das Vorderrad geriet in die Schiene – die Frau wurde ausgehebelt und stürzte.

Ob E-Bike oder Fahrrad: Mit hohem Tempo ist das Überqueren von Gleisen im spitzen Winkel äußerst gefährlich. Die Frau schlug mit dem Kopf auf. Sie hat ihrem Schutzhelm womöglich ihr Leben zu verdanken. Notarzt und Rettungsdienst kümmerten sich um die Schwerverletzte und brachten sie in eine Klinik. „Nach ersten Angaben besteht keine Lebensgefahr“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Für die Unfallaufnahme war der Stadtbahnverkehr bis 21.50 Uhr in beide Richtungen unterbrochen.

Der ADFC sieht noch mehr kritische Stellen

Für Radexperten ist in Sachen Verkehrssicherheit manches auf dem falschen Gleis. Ob Freihofstraße in Stammheim oder Landhaus- und Hackstraße in Stuttgart-Ost: „Es gibt in der Stadt viele kritische Gleisstrecken“, sagt Frank Zühlke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Stuttgart. Man versuche das immer wieder zu thematisieren. In Stammheim etwa sei ein Radler zwischen Schiene links und geparkten Autoreihen rechts auf schmalem Pfad unterwegs.

Am Eugensplatz scheint es Versäumnisse zu geben. Dabei könnten Bodenmarkierungen mit Pfeilen den Weg übers Gleis im richtigen Winkel anzeigen. „Weiter bergwärts, auf Höhe der Richard-Wagner-Straße, hat man das ja auch gemacht“, so Zühlke. Oder soll ein Radler lieber rechts hinter der Haltestelle vorbeiziehen, über den Gehweg? Ganz versteckt steht immerhin das Schild „Rad frei“. Allerdings könnte es dann andere Unfallopfer geben. Fußgänger.

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