Fahrradfahrer nehmen in Stuttgart zu – beim Ausbau der Radwege hapert es jedoch noch. Foto: dpa

Der Radverkehr in Stuttgart nimmt zu, aber die Infrastruktur für Pedaleure wächst nur langsam. Es fehlt an Stellen, Mitteln und Flächen. Mit vielen kleinen Maßnahmen will die Stadt ihre Radrouten durchgängiger machen.

Stuttgart - Der Radverkehr in Stuttgart wächst – und zwar messbar. Die Zählstellen an der König-Karls-Brücke in Bad Cannstatt passieren 800 000 Radler im Jahr, an der Böblinger Straße in Kaltental sind es 230 000. Das seien zehn Prozent mehr als im Vorjahr, berichtete der städtische Radbeauftragte Claus Köhnlein am Dienstag im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats: „Die Radfahrer nutzen unsere verbesserte Infrastruktur.“ Doch deren Ausbau geht vielen zu langsam voran. „Wir müssen einen Zahn zulegen beim Ausbau der Radrouten“, mahnte Björn Peterhoff (Grüne) an.

„Leider hapert es bei den Hauptradrouten an der konkreten Umsetzung“, so Peterhoff. Zudem müsse der Ausbau von Fahrradparkplätzen vorangetrieben werden. Dass die Stadt einen Antrag für einen Schnellradweg stellen wolle, sei jedoch positiv. Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) bestätigte dies: „Wir waren seit Wochen in Gesprächen mit dem Land.“ Nun gehe es darum, einen für Stuttgart machbaren Weg zu finden.

Auch Susanne Kletzin (SPD) forderte mehr Tempo beim Ausbau der Radinfrastruktur. Doch der Grund, weshalb es nicht schnell vorangehe, habe auch mit der Personalsituation zu tun. Es gehe auch darum, Stellen zu entfristen, um qualitätvolles Personal zu bekommen.

Räte begrüßen angekündigte Aufstockung des Radetats um zwei Millionen Euro

Christoph Ozasek (SÖS/Linke-plus) und Martin Körner (SPD) begrüßten, dass Pätzold eine Aufstockung des Radetats von derzeit 2,9 auf 4,9 Millionen Euro angekündigt habe. Technikbürgermeister Dirk Thürnau ergänzte: „Wir haben zwei halbe Stellen, die befristet sind – die hätten wir gern entfristet.“ Das ist auch in Ozaseks Sinn. Dieser forderte überdies zusätzliche Stellen sowie spätestens 2019 eine Erhöhung der Investitionsmittel auf zehn Millionen Euro. Es sei allerdings „befremdlich“, dass die Verwaltung mit sogenannten Radschutzstreifen arbeite – also einer gestrichelten Unterteilung der Autospur. Dies lehne er auf Hauptradrouten grundsätzlich ab, sagte Christoph Ozasek.

„Die sind sicher“, verteidigte Pätzold diese Form des Radwegeausbaus, die in Stuttgart häufig angewendet wird. Denn so könne der Radler „mit dem Verkehr mitschwimmen“. Der Bürgermeister räumte aber ein, mancherorts gebe es aufgrund zu geringer Fläche Kompromisslösungen.

Einzelstadtrat Ralph Schertlen (Stadtisten) kritisierte, dass manche Hauptradrouten zwischendurch einfach aufhörten, etwa an der Friedhofstraße, und dass manche Radwege viel zu schmal seien. Und er wünsche sich komplette Bordsteinabsenkungen für „hoppelfreies Fahrradfahren“.

Fahrradparkhaus beim Gerber und weitere Zählstellen geplant

Claus Köhnlein konterte, etwa bei der U12 am Milaneo hätte man die Wege breiter machen können, aber das habe der Gemeinderat nicht beschlossen. Köhnlein kündigte an, man werde an der Paulinenbrücke beim Gerber ein Fahrradparkhaus bauen sowie weitere Zählstellen errichten, um für die Entwicklung des Radverkehrs eine Datengrundlage zu haben. Der Radbeauftragte räumte ein, dass Stuttgart beim Fahrradklimatest schlecht abgeschnitten habe – aus zwei Gründen: zu viele Ampeln und Falschparker auf Radwegen. Letzteres sei eine Sache der Verkehrsüberwachung.

Michael Conz (FDP) schlug vor, Drückampeln abzuschaffen und durch Verkehrssensoren zu ersetzen. Peterhoff drang beim Radwegeausbau auf eine Langfristplanung.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: