Annette Feldmann, Redakteurin bei pressedienst-fahrrad, engagiert sich beruflich für mehr Frauen in Führungspositionen und gibt privat gerne Gas auf ihrem Rennrad. Foto: pressedienst-fahrrad

Annette Feldmann lebt ihren Traum. Als Redakteurin beim pressedienst-fahrrad recherchiert und schreibt sie zu ihrem Lieblingsthema. Als Frau in einer männerdominierten Branche.

Frau Feldmann, Sie haben zum Weltfrauentag am 8. März eine Gesprächsrunde zum Thema Frauen an der (Fahrrad-) Spitze mit Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin Vaude Sport, Hanna Grau, Geschäftsführerin Croozer, Eva Ullrich, Brevet-Beratung für Teams und Führungskräfte und Dr. Sandra Wolf, Geschäftsführerin Riese & Müller, geführt. Alles Damen, die in der Branche am großen Rad drehen, einflussreich sind und etwas bewegen. Jede Menge weibliche Führungskräfte also.

Ja, vor allem in der Kommunikation und im Marketing. Da unterscheidet sich die Fahrradindustrie kaum von anderen Branchen. Der Vertrieb etwa ist weitgehend männerdominiert. Generell sind es immer noch zu wenig Frauen in leitenden Positionen. Eine Studie der Allbright Stiftung zum Thema Frauen in Führungspositionen belegt, dass Männer gerne Männer einstellen. Vor allem jene, die ihnen sehr ähnlich sind.

Wie lässt sich das ändern?

Indem Frauen in Führungspositionen Frauen einstellen oder Berufsanfängerinnen durch Mentorinnen bestärkt und gefördert werden, es sich zuzutrauen, sich auch für leitende Stellen zu empfehlen. „Es hat sich keine Frau für die Führungsposition beworben“, sollte keine Ausrede für Unternehmen, sondern vielmehr Ansporn sein, Strukturen zu schaffen. Etwa auch für Frauen mit Kindern. Elternzeit wird beispielsweise immer noch zu 90 Prozent von Frauen genommen. Hier sind nicht nur die Unternehmen gefordert, sondern auch die Politik. Es darf kein Stigma sein, Teilzeit zu arbeiten.

Teilzeit bedeutet oft auch, dass keine Führung übernommen werden kann

Das kommt stark auf das Unternehmen an. Vaude bietet etwa viele Anreize für Frauen. Macht viel für die Förderung des Nachwuchses, hat einen Betriebskindergarten. Es ist schwierig in Teilzeit Verantwortung zu übernehmen. Aber es muss möglich gemacht werden, eben durch entsprechend zu schaffende Strukturen.

Warum sind Frauen in Führungspositionen so wichtig für Unternehmen?

Dadurch werden verkrustete Strukturen aufgebrochen. Die Denkansätze und Arbeitsweisen sind unterschiedlich. Es ist richtig und wichtig, dass Frauen wie Männer gleichberechtigt neben- und miteinander arbeiten. Das sorgt für Vielfalt.

In der eingangs erwähnten Gesprächsrunde wurde jedoch das Resümee gezogen, dass alle Maßnahmen gegenüber einer Frauenquote sekundär sind. Warum?

Weil sich nur dadurch etwas ändert. Deutschland liegt im Gender Pay Gap laut statistischen Erhebungen aus dem Jahr 2019 auf einem traurigen Spitzenplatz. Nur in Estland, Lettland, Österreich und Großbritannien werden die Frauen im Verhältnis zu den Männern noch schlechter bezahlt. In Deutschland verdienen Frauen demnach rund ein Fünftel weniger als Männer.

Doch es tut sich was. Bedeutende Unternehmen der Fahrradindustrie werden schließlich von Frauen geleitet. Ist die Branche ein gesellschaftlicher Vorreiter?

Das wäre zu weit gegriffen. Aber einzelne Unternehmen stechen positiv heraus. Wie eben schon erwähnt, gehört Vaude sicher dazu. Oder der E-Bike Spezialist Riese & Müller, der mit einer Social Media-Kampagne zeigt, bei uns arbeiten Frauen in Männerberufen. Dass Frauen in der Branche und im Radsport sichtbarer werden, ist mir als leidenschaftliche Rennradlerin ein großes Anliegen.

Als Redakteurin bei pressedienst-fahrrad können Sie dabei mithelfen

Wir planen Berufe in der Branche vorzustellen und wollen uns dabei speziell auch an Frauen richten. Denn viele wissen oft nur, ich kann Fahrradmechanikerin werden und das war es dann auch. Wenn es jungen Frauen nirgends gezeigt oder vorgelebt wird, was ihnen in der Radbranche für Möglichkeiten geboten werden, woher sollen sie es dann wissen?

Was macht für Sie ihre Arbeit attraktiv?

Die Liebe zum Fahrrad natürlich. Und ich empfinde die Branche als sehr angenehm. Die Menschen in den verschiedenen Firmen mit denen ich zu tun habe, sind alle supernett. Zudem bin ich am Puls der Zeit, bekomme immer mit, was es Neues gibt an Rädern, Komponenten und Infrastruktur für Radfahrer. Ich kann Tour de France schauen und den ganzen Tag zum Thema Fahrrad googeln und werde dafür bezahlt (lacht). Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Zur Person: Seit September 2020 kann Annette Feldmann ihrer Leidenschaft für alles, was mit Biken zu tun hat, als Redakteurin beim pressedienst-fahrrad nachgehen. Zuvor hat die 45-Jährige nach einem Studium der vergleichenden Literaturwissenschaft und Kanadistik ein Volontariat bei einer Tageszeitung gemacht. Anschließend arbeitet die am Niederrhein geborene, passionierte Rennradfahrerin als freie Journalistin sowie Bloggerin und schließlich in einer Agentur. Nach Feierabend und am Wochenende freut sich die in Wesel lebende Sportlerin auf eine oder mehrere Runden wahlweise mit Rennrad, Travel-Bike oder Stadtflitzer.

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