Berim Fahrradaktionstag auf dem Schlossplatz wird der Grünen-Politiker Peter Pätzold zum inoffiziellen neuen Stuttgarter Rad-Bürgermeister gekürt. Foto: Archiv/Lichtgut/Leif Piechowski

Berim Fahrradaktionstag auf dem Schlossplatz wird der Grünen-Politiker Peter Pätzold zum inoffiziellen neuen Stuttgarter Rad-Bürgermeister gekürt. Dieser beschwört, dass Stuttgart eine Rad-Stadt sein kann – auch wenn einige Bürger das bezweifeln.

Stuttgart - Sattelfest? Echte Asphalt-Cowboys schon. Aber was mit denen, die eher wacklig und unsicher auf zwei Rädern durch den Großstadtdschungel eiern. Zwischen Blechlawinen und nölenden Fußgängern. Sie lassen das Rad lieber stehen. Aus Furcht, wegen Vorurteilen und Unkenntnis. Dabei kann Radfahren die helle Freude sein, wie Peter Pätzold (Grüne) am Samstag auf dem Schlossplatz wie ein tibetanischer Mönch beim Gebet wiederholt: „Radfahren und dieses Fest sind wunderbar!“ Der Baubürgermeister meint das Sattelfest. Wer also bisher noch nicht so sattelfest ist, bekomme bei dem Fahrradaktionstag auf dem Schloßplatz die nötige Anschubhilfe.

Wer mehr Menschen in der von Feinstaub verpesteten Stauhauptstadt aufs Rad bringen will, muss Anreize und Rahmenbedingen schaffen. Und als Vorbild voranfahren. Pätzold radelt nicht nur täglich vom Heusteigviertel zur Arbeit ins Rathaus, er strampelt sich auch an diesem Tag mächtig ab. Dafür bekommt es von dem Moderator auf der Showbühne sogar einen Titel der Ehre verliehen: Stuttgarts Radbürgermeister honoris causa. In dieser Funktion meistert er auch giftige Prüfungen, die mindestens so herausfordernd sind wie der Anstieg an der Alten Weinsteige. Denn einige Bürger sind kritisch: Stuttgart eine Rad-Stadt? Niemals.

Berge und Hügel kein Hindernis

Der „Rad-Bürgermeister hc“ winkt lässig ab und zeigt auf die vielen Stände der Radhändler und deren Elektrofahrrad-Armada: „Berge und Hügel sind, seit es Pedelecs gibt, längst kein Hindernis mehr. Außerdem hält es einen in Schwung, nach oben zu fahren.“

Diesen Schwung wollen an diesem Tag viele mitnehmen. Parteien, die mit Ständen vertreten sind. Verbände und die Radindustrie. Nicht zuletzt ist die Stadtverwaltung präsent. Auch dort ist den Mitarbeitern an dieser Samstags-Etappe keine Bummelfahrt gegönnt. Der Herren und Damen des Stadtplanungs- und Tiefbauamtes schlägt mitunter ein eisiger Fahrtwind entgegen: „Fahren Sie eigentlich selbst Rad? Oder seid Ihr alles Schreibtischtäter?“, will einer wissen. Ein Mitarbeiter der Verwaltung nickt freundlich und nimmt seine Finger als Zählhilfe: „Drei im Tiefbauamt, vier im Stadtplanungsamt.“ Und weil die Statistik nicht restlos überzeugt, schiebt der gute Mann mit fester Stimme hinterher: „Wir sind keine Schreibtischtäter, wir fahren alle Rad-Routen selbst ab und suchen nach kritischen Stellen.“ Zudem treffen sich die Mitarbeiter der jeweiligen Ämter einmal pro Woche zu einer so genannten „Rad-Routine“. Das ist keine Spritzfahrt in Grüne, sondern eine Besprechung mit einem klaren Ziel: Durch eine bessere Infrastruktur noch mehr Stuttgarter aufs Rad zu bringen. Denn noch sind es nicht genug, die richtig sattelfest sind.

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